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Gute Netzwerke : Facebooks Schwachstellen

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Der zweite Grund für Facebooks Übermacht verbirgt sich in dem, was Ökonomen als „natürliches Monopol“ bezeichnen. Sehr einfach ausgedrückt: eine Plattform funktioniert umso besser, je mehr Menschen sich auf ihr tummeln. Deshalb war der Wanderungstrend von SchülerVZ zu Facebook, einmal begonnen, nicht mehr zu stoppen. Ein Pionier des Internets - Robert Metcalfe - drückte es schon in den 1980er Jahren so aus: Der Wert eines Netzwerks ist proportional zur Zahl seiner Nutzer im Quadrat. Das bedeutet: Ein Netzwerk mit zehn Nutzern ist also hundertmal so wertvoll wie eins mit nur einem Nutzer. Das ist der Grund, warum sich nicht nur soziale Netzwerke, sondern auch technische Standards irgendwann gegen konkurrierende Entwürfe durchsetzen. Und das ist auch der Grund, warum so viele Alternativen sich nicht durchsetzen - von den VZ-Netzwerken über Vero bis hin zu Google Plus. (Lesen Sie hier, wie sich Funktionen von Facebook am ehesten mit Alternativen kompensieren lassen.)

Cross-Posting von einem Netzwerk ins andere?

So viel zum Nutzen eines großen Netzwerks für alle. Ein paar Ideen, wie sich die Dominanz einzelner Netzwerke reduzieren ließe, gibt es immerhin. Mit der neuen Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, sollen Nutzer Daten bei einem Wechsel von einem ins andere Netzwerk mitnehmen können. Doch das reicht vielen nicht. Was wäre, wenn man Nachrichten per Whatsapp losschicken und auf einem anderen Smartphone auf dem alternativen Messenger-Dienst Telegram empfangen könnte? Und was wäre, wenn man alte Facebook-Posts beim Wechsel in ein anderes soziales Netzwerk einfach mitnehmen könnte, ja gar weiterhin sich mit den alten Facebook-Freunden austauschen könnte?

Diese Ideen werden gerade unter dem Stichwort Interoperabilität diskutiert. Der CDU-Abgeordnete Thomas Jarzombek etwa möchte solch eine Schnittstelle erzwingen, auch in der SPD, den Grünen und in der Linkspartei gibt es prominente Fürsprecher. Bei Emails ebenso wie im Mobilfunk ist das Standard: Kunden von O2 können problemlos mit Telekom-Kunden telefonieren, Emails wandern von Gmail zu GMX und umgekehrt.

Nicht-kommerzielle Infrastruktur als Lösung?

Eine andere Idee, die derzeit diskutiert wird: Was wäre, wenn die persönlichen Daten, die derzeit auf den Servern von Facebook liegen und damit in der Hand eines privaten Konzerns, in der Hand der Nutzer selbst lägen? Was, wenn es ein großes Netzwerk gäbe, an dem alle teilhaben könnten – aber nicht ein 33 Jahre alter Milliardär die Hoheit über die Daten von Milliarden Nutzern hätte?

Eine Technik, die schon heute so funktioniert, ist die gute, alte E-Mail. Das System ermöglicht es jedem Menschen und jedem Unternehmen, sich zu Hause einen Server aufzubauen oder einen in einem Rechenzentrum anzumieten. Diese Menschen können miteinander kommunizieren, weil es ein Protokoll gibt, das den gemeinsamen Austausch der Server untereinander regelt.

Analog dazu kann man sich auch soziale Netzwerke als dezentral-verteilte, nicht-kommerzielle Infrastruktur vorstellen. Jede Nutzerin - egal ob privat, Stiftung oder Unternehmen - kann Server aufstellen, die dann miteinander kommunizieren. Ein entsprechendes Protokoll regelt den Austausch der Server untereinander. „Ich sehe die Idee einer Offenen Sozialen Infrastruktur wirklich als Infrastruktur für unsere Gesellschaft“, sagt Henning Krause, der im mächtigen Forschungsverbund Helmholtz-Gemeinschaft die Social-Media-Aktivitäten verantwortet und diese eigentlich alte Idee gerade noch einmal aufgebracht hat, im Gespräch mit FAZ.NET.

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