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HPE-Chef im Gespräch : IT hält die Gesellschaft zusammen

Im HPE-Zentrum in Böblingen Bild: dpa

Was haben Computer-Daten mit dem Hit „Hotel California“ gemeinsam? Antonio Neri findet: sehr viel. Der Chef des IT-Konzerns über Datenwolken und Edge-Computing – das nächste große „Ding“.

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          „Mit Daten ist es wie im ,Hotel California‘“, sagt Antonio Neri. „Sie wissen schon, dieser Song von den Eagles. Einmal drin, kommt man nicht so einfach wieder raus – ob man will oder nicht.“ Auschecken, so sang die Band einst, sei zwar jederzeit möglich, gebe es doch keinen Zwang zu bleiben. Praktisch aber könne man dem Ort kaum entkommen. „Schauen wir uns dann die IT-Branche mit all den Rechenzentren, Datenclouds und Datendiensten an, sehen wir hier viele Gemeinsamkeiten.“ Wieso?

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard Enterprise (HPE) hat die Antworten parat: Daten seien ein wertvolles Gut, die sie umgebenden Techniken aber kompliziert. Auf dem Markt gebe es viele verschiedene Systeme. Der Wechsel von einem zum anderen sei schwierig und teuer.

          Neri will das ändern. „Wir haben Technologien entwickelt, mit denen sich altbewährte IT-Tools und Software in die neue Zeit bringen lassen.“ Man könne von Cloud zu Cloud springen, ohne seine Daten zu verlieren. HPE bietet dafür nicht nur virtuelle Dienste, der Konzern hat auch handfeste Produkte im Angebot: Computeranlagen, Netzwerk- und Speichersysteme.

          Neri sitzt im gelben T-Shirt in seinem Office bei San Francisco. Er redet über Datenwolken und Edge-Computing, digitale Plattformen und Software, über die Folgen der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise. Hinter ihm blinzelt die Sonne durch die Jalousie, vor ihm steht der Computer. Ein neuer Morgen in der Bay Area – der Wiege der IT-Branche.

          Antonio Neri, Chef von HPE
          Antonio Neri, Chef von HPE : Bild: dpa

          „Der Markt wächst“, sagt er. Davon will er sich wieder ein dickeres Stück abschneiden. Die IT-Industrie ist einer der größten Wirtschaftszweige der Welt. Sie erlöst 4500 Milliarden Dollar im Jahr. Tendenz steigend. „In Zeiten wie diesen hält IT nicht nur die Wirtschaft am Laufen, sondern auch die Gesellschaft zusammen“, sagt Neri. Angebote wie Zoom verbinden jeden mit jedem, Streaming-Dienste wie Netflix boomen, die Umsätze der Internethändler wachsen. Und HPE?

          An der Börse steht der Kurs der HPE-Aktie seit Ausbruch der Pandemie unter Druck. Der Marktwert beträgt kaum noch zwölf Milliarden Dollar, der Preis der Aktie liegt beim Neunfachen des Gewinns. Microsoft und Apple entfachen unter Anlegern mehr Phantasie. Warum? „2020 ist nicht wie jedes andere Jahr“, sagt Neri und zählt auf: China-Krise, Corona, Brände an der Westküste, Stürme im Osten und Süden, soziale Unruhen im ganzen Land.

          „Es ist, als ob wir in einer Prüfung, einer Art Bewährung stecken. Wir müssen bei vielen Dingen umdenken.“ Think different? Neri lacht. Dieser Spruch war der Slogan, mit dem Apple einst seinen Wiederaufstieg eingeläutet hatte. Bei allen Krisen und Notlagen ist nach Neris Worten eines klar: Die Welt verändere sich rasend schnell und werde digitaler. „Die Digitalisierung ist der Imperativ unserer Tage.“ Covid sei da wie ein Katalysator. „Das kann man nun gut oder schlecht finden, aber nicht negieren.“ Corona sorge für Abstand, Technik für virtuelle Nähe.

          Vieles, was sich in den letzten Monaten bewährte, habe es schon lange vor der Krise gegeben. HP hatte schon vor 15 Jahren ein System für Videokonferenzen. Kaum jemand wollte es damals haben. Das ist nun anders. Die steigende IT-Nachfrage in aller Welt lässt den Datenberg wachsen. Heute sind vier Milliarden Menschen im Netz unterwegs. Google arbeitet je Sekunde 40 000 Suchanfragen ab. Jede Minute gehen 156 Millionen E-Mails auf Reisen. Auf der Bilderplattform Instagram werden täglich 95 Millionen Fotos geteilt. Und das Internet der Dinge kommt erst noch.

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