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Technik der Zukunft : Wie Google leise nach China zurückkehrt

Google hat längst eine Niederlassung in Peking eröffnet. Bild: Reuters

Der Internetgigant ist auf dem größten Internetmarkt verboten. Nun tastet sich Google abermals vor im Reiche der Mitte – zu einem hohen Preis.

          5 Min.

          Das Long-Museum an der Schanghaier Uferpromenade West Bund ist ein spektakulärer Bau. Wie umgedrehte Regenschirme hängen die gewölbten Decken über 16.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Normalerweise ist hier die private Kunstsammlung des Eigentümers zu sehen, des chinesischen Milliardärs Liu Yiqian.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vor drei Jahren ersteigerte Liu bei Christies in New York den „Liegenden Akt“ von Modigliani für 170 Millionen Dollar und zahlte dafür mit seiner American-Express-Kreditkarte. Derlei Eskapaden von Neureichen sind gefährlich geworden in China. Das Museum beherbergt in dieser Woche stattdessen politisch Korrektes: eine Ausstellung des amerikanischen Suchmaschinenbetreibers Google.

          Schanghai feiert an der Uferpromenade auf einer gewaltigen Messe die Künstliche Intelligenz. Jack Ma hat gesprochen, der Gründer des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba. Nach ihm redete der Gründer des Internetriesen Tencent aus Shenzhen.

          Eine neue Erfahrung

          Baidu ist der dritte der drei großen Technologiekonzerne des Landes. Doch bevor sein Gründer Robin Li ans Mikrofon durfte, sah die von Schanghais politischer Führung sorgsam ausgewählte Reihenfolge der Redner einen Ausländer vor: Jay Yagnik, ein dem Massenpublikum unbekannter KI-Entwickler von Google.

          In China so hofiert zu werden, ist für den amerikanischen Konzern eine neue Erfahrung. Im Jahr 2006 ging die Suchmaschine in China an den Start. Dass die Ergebnisse der Suchen von Pekings Zensurbehörden zensiert wurden, war Teil des Geschäfts. Nachdem es dem Unternehmen, das sich gerne freiheitliche Werte auf die Fahnen schreibt, im Jahr 2010 zu viel wurde mit der Zensur, zog es sich aus dem chinesischen Festland zurück. Seitdem sind Google, der Emaildienst Gmail, Google Maps und viele andere Produkte in China nicht ohne weiteres abrufbar. Googles Marktanteil an Internetsuchen sank von einst fast 40 Prozent auf nahezu null.

          Doch das könnte sich ändern. Im August berichtete die amerikanische Nachrichtenseite „The Intercerpt“, dass Google mit Macht in den weltweit größten Internetmarkt zurückdränge. Unter dem Tarnnamen „Dragonfly“ arbeite der Konzern mit Hochdruck an einer zensierten Suchmaschine, die all jene Suchergebnisse herausfiltere, von denen die chinesische Führung der Ansicht ist, dass das Volk sie nicht zu sehen bekommen sollte. Das Sprachrohr der Kommunistischen Partei, die „Volkszeitung“, veröffentlichte daraufhin einen Kommentar, der Google in China wieder willkommen hieß – vorausgesetzt, es spiele nach Pekings Regeln.

          Besorgte Abgeordnete

          Der Bericht hat eine Menge Wirbel verursacht. Innerhalb von Google selbst kam es zu Protesten und Kündigungen von Mitarbeitern, die ihrem Arbeitgeber vorwarfen, mit einen Rückkehrplänen sei das Unternehmen drauf und dran, dem immer autoritärer werdenden chinesischen Herrschaftsmodell mit dem Namen Google ein Qualitätssiegel aufzudrücken und Zensur als normal darzustellen.

          Vorstandschef Sundar Pichai sah sich genötigt, öffentlich zu versichern, dass Google seine China-Zensursuchmaschine „nicht bald“ in der Volksrepublik an den Start bringen werde. Auch aus Pekings politischem Apparat gab es auf einmal Stimmen, die die Geschichte eine Ente nannten.

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