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Technik der Zukunft : Wie Google leise nach China zurückkehrt

Scott Beaumont, Googles China-Chef, sagte, sein Konzern wolle das Thema KI in China nun mit aller Macht vorantreiben. In der Hauptstadt Peking hat Google bereits ein Forschungszentrum für das maschinelle Lernen eingerichtet, das erste des Unternehmens in Asien überhaupt. Es gehe nicht nur darum, riesige Gewinne aus Werbeeinnahmen aus dem Land zu saugen, soll das der Kommunistischen Partei signalisieren: Google schafft auch Arbeitsplätze und will dem Land helfen, seine Wirtschaft zu automatisieren.

Still und heimlich registrierte der Konzern im Mai in Schanghai unter anderem Namen eine Tochtergesellschaft seines Roboterauto-Ablegers Waymo. Im Juni investierte Google 550 Millionen Dollar in Chinas zweitgrößten E-Commerce-Händler JD.com, was weniger mit dessen hohen Verlusten zu tun haben dürfte, sondern vor allem als Zeichen des guten Willens gegenüber Peking gedeutet werden kann. Einen Monat später brachte Google ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes Malspiel mit dem Namen „Caihua Xiaoge“ in China heraus – ausgerechnet auf der App Wechat des chinesischen Konkurrenten Tencent.

Wie kaum ein anderes Produkt steht Wechat, auf dem über 1 Milliarde Nutzer in China und im Ausland chatten, spielen, bezahlen und viele andere Dinge tun, für Zensur. Verschicken Nutzer über Wechat Nachrichten, die Wörter enthalten, die auf Pekings schwarzer Liste stehen, kommen sie beim Empfänger niemals an – der gar nichts davon mitbekommen hat, dass eine an ihn gerichtete Botschaft vom Algorithmus herausgefiltert wurde.

Baidu ist schwach dagegen

Im Januar investierte Google 120 Millionen Dollar in Chushou, einen Anbieter von Live-Streaming-Spielen auf Smartphones. Seit dem Monat können Nutzer in China auch die Web-Version von Google Maps wieder aufrufen. Allerdings stammen nur die Landkarten von den Amerikanern. Versuchten die Nutzer zu navigieren, werden sie automatisch an die Navigationssoftware von AutoNavi weitergeleitet, die zu Alibaba gehört. Das hat Spekulationen ausgelöst, die Chinesen könnten Google bei einer Rückkehr auf den chinesischen Markt unterstützen

Tatsächlich gibt es nicht wenige chinesische Internetfachleute, die dem politischen System mit seiner Zensur zwar alles andere als positiv gegenüber eingestellt sind, aber eine Rückkehr von Google als Aufbauhilfe für das Land begrüßen. Verglichen mit den Produkten des amerikanischen Konzerns ist die Suche über Chinas größten Suchmaschinenanbieter Baidu eine Katastrophe. Bleibe Google aus moralischen Gründen weg, sei normalen Chinesen nicht damit geholfen, lautet dieses Argument.

Doch für die Rückkehr nach China wird Google einen Preis zahlen, so viel ist sicher. Am Mittwoch berichtete „The Intercerpt“, dass Googles China-Suchmaschinenprojekt mit dem Codenamen „Dragonfly“ nach den Suchen nach Stichworten wie „Menschenrechte“ und „Friedensnobelpreis“ nicht nur die Ergebnisse zensiere. Vielmehr verbinde sich die App auch mit der Mobilfunknummer des Smartphone-Nutzers.

Übergäbe Google seine Daten an Chinas Sicherheitsbehörden, wovon auszugehen ist, würde es diesen ermöglichen, nicht nur Inhalte zu blockieren. Stattdessen könnten die Staatsgewalt so leicht wie nie auch jene Chinesen verfolgen, die es überhaupt gewagt haben, Fragen zu stellen.

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