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Technik der Zukunft : Wie Google leise nach China zurückkehrt

Wie weit die Pläne wirklich gediehen sind, ist nur schwer einzuschätzen. Doch sie seien besorgt und wollten Antworten, schrieben vergangene Woche eine Gruppe von republikanischen und demokratischen Kongress-Abgeordneten an Pichai.

Google zeigt digital Gemälde

Im Long-Museum am Schanghaier West Bund jedoch wird deutlich, was bereits Google-Chef Pichai ausgesprochen hatte: dass er in der Welt ein Fünftel der Menschheit mit seinen wichtigsten Produkten nicht erreicht, will ein Weltkonzern wie Google nicht länger hinnehmen. Seine Rückkehr plant er vorsichtig, Schritt für Schritt  – immer schön an der Seite und unter Aufsicht der Führung, mit deren Spitzenkadern sich Pichai im vergangenen Dezember laut „The Intercerpt“ in Peking getroffen hatte.

Die Themen der Schanghaier KI-Konferenz sind eigentlich Automatisierung und Überwachung. Chinas Internetkonzerne führen an ihren Ständen stolz vor, wie ihre Algorithmen aus gigantischen Datenmengen Informationen über Bürger und Unternehmen herausfiltern und Warnsignale aussenden, wenn etwas anders ist, als sich die Regierung das vorstellt.

Google hingegen zeigt in den Hallen des Kunstmuseums am Ufer digitale Gemälde. Mit Googles 3D-Software „Tilt Brush“ können die Besucher selbst virtuell zeichnen. Auf einem Klavier können sie ein Duett mit dem Computer spielen. In einem abgedunkelten Raum fordern Google-Mitarbeiter vor Scheinwerfern auf, mit den Fingern Scherenschnitte von süßen Häschen und anderem Getier zu formen.

Keine Angst vor Google, scheint in unsichtbaren Lettern über der Ausstellung zu stehen. Die Botschaft ist klar: Bitte lasst uns wieder rein. Wir machen euch auch keinen Ärger.

Atemberaubendes Wachstum

Warum Google mit aller Macht wieder nach China drängt, zu dieser Antwort reicht eine einzige Zahl: 800 Millionen. So viele Menschen nutzen im Reich der Mitte das Internet. Zu 98 Prozent gehen sie über das Smartphone ins Netz, den Blick auf den Bildschirm sogar beim Gehen auf dem Bürgersteig gerichtet, so dass manche Städte erproben, dort eigene Spuren für Smartphone-Nutzer einzurichten, damit diese weniger oft gegen andere Passanten oder Radfahrer rennen.

Vor zehn Jahren waren noch 300 Millionen Chinesen im Internet. Das Tempo, mit dem die Netzwirtschaft im Reich der Mitte wächst, ist atemberaubend. Es gibt kaum noch etwas, was nicht geht mithilfe des Internets in China: Einkaufen, Bezahlen, Reisen. Das Selfie vom Abendessen im Restaurant im sozialen Netzwerk zu posten ist wichtiger geworden als das Essen selbst. Deshalb konzentrieren sich chinesische Restaurants in Städten wie Schanghai nun weniger auf die Küche und leuchten stattdessen ihre Räumlichkeiten besser aus, für den Fotoeffekt.

Daneben hat die Hoffnung auf eine Revolution der Wirtschaft durch Künstliche Intelligenz das Land ergriffen. Google will einen Teil vom Kuchen. Nachdem sich der Konzern bis Mitte der Woche in Schanghai von seiner niedlichsten Seite gezeigt hatte, zog er am Donnerstag weiter auf das Messegelände World Expo Center und veranstaltete eine Entwicklerkonferenz.

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