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Europäisches Cloud-Projekt : Wie Gaia-X dafür sorgt, dass man trockenen Fußes zur Arbeit kommt

Bahn oder Fahrrad? Wetterdaten aus dem „Mobility Data Space“ erlauben eine bessere Routenplanung in der Stadt. Bild: dpa

Der Durchbruch der europäischen Cloud lässt noch auf sich warten – bislang ist sie vor allem ein Experimentierfeld. Doch auch wenn das Projekt eher langsam vorankommt: Erste Anwendungen laufen inzwischen.

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          Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da startete in Dortmund das nächste große Ding. Zumindest aus der Sicht von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung fiel damals der Startschuss für die europäische Datencloud Gaia-X.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Schon länger hatte sich Altmaier daran gestört, dass viele deutsche Unternehmen und auch Behörden ihre Daten auf Servern von Amazon, Microsoft oder Google in den Vereinigten Staaten speichern und verarbeiten. Weil dem Minister klar war, dass Europa nicht mal eben einen solchen Digitalkonzern aus dem Boden stampfen kann, entstand die Idee, dass viele europäische Unternehmen gemeinsam je nach Bedarf Rechenkapazitäten bereitstellen könnten. Eine gestückelte Cloud sozusagen.

          Aus dem Konzept ist längst Realität geworden. In Brüssel wurde eine Organisation ohne Gewinnerzielungsabsicht gegründet, in deren Vorstand unter anderen Manager von BMW, Deutscher Telekom und SAP sitzen. Aus 22 Gründungsmitgliedern ist ein Netzwerk mit mehr als 300 Unternehmen geworden. Doch ganz so groß, wie Altmaier sich das vorgestellt hatte, ist Gaia-X bislang nicht. Noch gibt es keine Erfolgsmeldungen, dass namhafte Unternehmen oder öffentliche Institutionen ihren Datenverkehr komplett über diese Cloud abwickeln. Gaia-X ist aktuell vor allem eines: ein Experimentierfeld zum Datenteilen.

          Dafür wurden mehrere „Datenräume“ geschaffen, die genau dazu die Infrastruktur liefern sollen. Einer davon ist der „Mobility Data Space“: Zu seinen Gesellschaftern gehören die Autohersteller BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, der Kartenanbieter Here Technologies, die Deutsche Bahn, die Deutsche Post sowie die Versicherung HUK-Coburg. Zum Beispiel Wetterdaten werden dort ausgetauscht. Der Deutsche Wetterdienst speist seine Vorhersagen ein, Mobilitätsdienstleister rufen sie ab.

          Trockenen Fußes zur Arbeit

          Das Freiburger IT-Unternehmen HighQ hat beispielsweise mit den Stadtwerken Osnabrück eine Plattform entwickelt, die Kunden per App mit allen Verkehrsmitteln den besten Weg zu ihrem Ziel berechnet. Wenn es regnet, schlägt sie eher eine Route mit Bus oder Auto statt dem Fahrrad vor. Gaia-X sei eine „vertrauensvolle Umgebung“ zum Datenteilen, der „Wildwuchs bei der Datenweitergabe“ zwischen verschiedenen Unternehmen werde so eingegrenzt, sagt highQ-Vertriebsleiter Kai Horn.

          Auch die nicht kommerzielle Organisation Fiware nutzt den Mobilitätsdatenraum. Sie hat für die Stadtwerke Wolfsburg das innerstädtische Parken digitalisiert. An Parkplätzen installierte Sensoren melden dem System, ob sie frei sind oder nicht. Eine Navigationsfunktion in der städtischen „WOB-App“ leitet Autofahrer direkt zu dem freien Parkplatz, der ihrem Ziel am nächsten liegt. „Bis zu 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs ist Parkplatzsuchverkehr“, sagt Fiware-Vorstandschef Ulrich Ahle, diesen wolle man reduzieren. Die Daten, wo Parkplätze frei seien, speise Fiware in den Datenraum ein, wo sie von anderen Verkehrsanbietern genutzt werden können. Durch die Beteiligung von Autoherstellern könne es in Zukunft sogar möglich sein, auf die Parkplatzsensoren zu verzichten, sagt Ahle, denn moderne Autos könnten Parklücken schon jetzt im Vorbeifahren ausmessen.

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