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Neues Monetarisierungsmodell : Youtube erhöht den Druck auf Tiktok

Googles Musikchef Lyor Cohen (links) mit „Creator“ Kyle Hanagami auf der Youtube-Veranstaltung "Made On YouTube" Bild: Youtube

Auch in Youtube Shorts sollen ausgewählte Nutzer künftig an Werbeeinnahmen beteiligt werden. Der Tech-Riese präsentiert zudem ein neues Modell zur Lizensierung von Songs. Das findet auch in Teilen der Musikindustrie Anklang.

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          Die Google-Tochtergesellschaft Youtube hat eine Reihe von Neuerungen angekündigt mit Blick auf die Art und Weise, wie Werbeeinnahmen künftig mit Nutzern geteilt und mit Rechteinhabern auf Seiten der Musikindustrie zusammengearbeitet werden soll. Und auch wenn am Dienstagabend deutscher Zeit natürlich keiner der Verantwortlichen den Namen des enorm populären Rivalen aus China in den Mund nahm: Einige Änderungen sollen zweifellos gerade auch dazu beitragen, das Kurzvideo-Angebot Shorts gegenüber Tiktok zu stärken – respektive dem Konkurrenten Nutzer abspenstig zu machen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So sollen ab Anfang des kommenden Jahres auch solche „Creators“, die vor allem Shorts erstellen, Zugang zu Youtubes Partnerprogramm erhalten. Hier teilnehmende Nutzer haben die Möglichkeit über die vor oder in ihren Videos eingespielte Werbung Geld zu verdienen. Youtube zufolge sind dies mittlerweile mehr als zwei Millionen Nutzer.

          Bewerben können sich infolge der Änderung Nutzer mit mehr als 1000 Abonnenten und 10 Millionen Shorts-Aufrufen innerhalb von 90 Tagen. Das Programm gilt auch für diese Gruppe für längere Videos auf Youtube. Wie Tiktok hatte Youtube für Shorts zuvor schon einen Fonds aufgelegt, aus dem Gelder an beliebte Nutzer anhand bestimmter Kriterien ausgezahlt wurden. Youtubes Werbeumsätze beliefen sich im vergangenen Jahr insgesamt auf rund 28 Milliarden Dollar. Das Wachstum hatte zuletzt aber geschwächelt. Nach Schätzungen der Marktforschungsgruppe Insider Intelligence dürfte Tiktok wiederum seinen Umsatz mit Werbung alleine in den USA in diesem Jahr auf knapp 6 Milliarden Dollar fast verdreifachen.

          Beteiligung an Werbeeinnahmen auf Shorts

          Youtube kündigte am Dienstagabend nun an, Shorts-Nutzer, die Teil des Partnerprogramms sind, an den Einnahmen aus den zwischen den Kurzvideos angezeigten Werbeanzeigen beteiligen zu wollen. Da die Anzeigen nicht im direkten Zusammenhang zu einzelnen Videos stünden, sollen sie gesammelt und unter anderem nach Abzug eines nicht näher definierten Teil für die Lizensierung der Musik auf Shorts ausgezahlt werden. In jedem Abrechnungszeitraum sollen 45 Prozent des Teils , der den Nutzern zugeordnet werden könne, bemessen am jeweiligen Anteil an der Gesamtzahl der Shorts-Aufrufe an sie verteilt werden.

          Bei längeren Videos auf Youtube liegt der Nutzeranteil bei 55 Prozent. Der Anteil an den Einnahmen bleibe der gleiche, unabhängig davon, ob Nutzer Musik in den Videos einbauen oder nicht, hieß es weiter von Youtube. Shorts ist seit Juli 2021 weltweit verfügbar und kommt Youtube zufolge – Stand April 2022 – auf 1,5 Milliarden monatlich angemeldete Nutzer. Auch Instagram startete bereits im Sommer 2020 mit Reels ein Tiktok-ähnliches Format mit Fokus auf anfangs 15-sekündige Clips.

          Mit Blick auf Musik und ihre Verwendung in Videos von Nutzern gab Youtube zudem eine neue Form der Lizensierung bekannt. Der traditionell komplexe und mitunter auch sehr kostspielige Prozess, die Rechte für die Nutzung eines Songs bei den jeweiligen Rechteinhabern – Label, Verlag, Vertrieb und je nach Konstellation auch die Interpreten und Songwriter – einzuholen, sei für „Creators“ oft ein Hemmnis gewesen, wird Youtube-Manager Christophe Muller, verantwortlich für Lizensierungsfragen rund um Youtube, in einer gesonderten Mitteilung zitiert. In der neuen „Creator Music“ genannten Musikbibliothek können Rechteinhaber aus der Musikindustrie künftig ihre Werke anbieten – entweder gegen eine vor der Nutzung fällige Einmalzahlung, deren Höhe sie festlegen, oder im Rahmen eines Modells, wo die Lizensierung an sich kostenfrei ist und rund 27,5 Prozent der Werbeeinnahmen an den Rechteinhaber gehen. 45 Prozent behält Youtube, die übrigen 27,5 Prozent stehen in diesem Modell dem Video-Ersteller zu.

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