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Digitalwährungen : Wenn der Schlüssel zu den Bitcoin-Millionen fehlt

Bitcoin-Kunst: Das bekannte Logo im französischen Marseille an der Tür zu einem Geldautomaten Bild: AFP

Zahlreiche Nutzer von Digitalwährungen haben keinen Zugriff auf sie, weil sie das Passwort verloren haben – oder Schlimmeres. Insgesamt könnten so 157 Milliarden Dollar verschwunden sein.

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          Einen Schlüssel verlegt oder verloren haben wohl die meisten Deutschen schon einmal. Das ist natürlich unangenehm und oft auch teuer. Doch fast kein Schlüssel ist so teuer wie der Schlüssel, den Stefan Thomas verloren hat. Der deutschstämmige Programmierer, der in San Franciso lebt, hat nämlich den Schlüssel zu 240 Millionen Dollar verloren. Konkret fehlt ihm das Passwort, um eine kleine Festplatte zu entsperren. Das Problem: Auf der Festplatte finden sich 7.002 Bitcoin, zu einem Preis von rund 35.000 Dollar je Bitcoin ergibt das rund 240 Millionen Dollar. Die Festplatte, auf der Thomas das Wallett – so heißt das Portemonnaie für Bitcoin – liegen hat, ist allerdings verschlüsselt. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit einem Programm, dass sich nach zehn falschen Passworteingaben zerstört.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun hat er schon acht seiner häufigsten Passwörter eingegeben, ohne Erfolg. „Ich lag im Bett und dachte darüber nach“, sagte Thomas der „New York Times“. „Dann ging ich mit einer neuen Strategie an den Computer, und es funktionierte nicht, und ich war wieder verzweifelt“, sagte der Programmierer. Von der Idee von Digitalwährungen ist er nun deutlich abgerückt: „Die Idee, seine eigene Bank zu sein – lassen Sie es mich so ausdrücken: Macht man seine Schuhe selbst? Der Grund, warum wir Banken haben, ist, dass wir keine Lust haben, uns mit all den Dingen zu beschäftigen, die Banken machen“. 

          Nicht jeder meint es ernst

          Auch Spaßvögel machen sich schon über ihn her: So meldete sich Alex Stamos, ein Sicherheitsexperte aus Stanford, der anbot, das Passwort binnen sechs Monaten zu knacken, wenn er dafür 10 Prozent des Vermögens bekommt. Das Problem: Er hatte dabei nur gescherzt. Was mit dem Geld nun wird? Ungewiss.

          Doch Thomas ist bei weitem nicht alleine. Der bekannteste Pechvogel dieser Art ist wohl James Howell. Der Waliser hat sich schon sehr zeitig mit der Digitalwährung Bitcoin befasst. Damals, im Jahr 2009, brauchte man noch keine gigantischen Rechenzentren, um Digitalwährungen herzustellen – es reichte ein handelsübliches Notebook. Laut eigenen Angaben schürfte er so 7500 Bitcoin. Diese befanden sich auf einer Festplatte, doch diese soll bei einer Aufräumaktion im Jahr 2013 auf dem Müll geworfen worden sein. Dabei wären die Bitcoin – Stand heute – bis zu 260 Millionen Dollar wert. Der Stadtrat von Newport verwehrte Howell allerdings, die Müllkippe umzugraben, und so schlummert da heute mutmaßlich noch ein kleiner Schatz im Abfallberg.

          Das lenkt den Fokus auf ein großes Problem: Zahlreiche Bitcoin liegen auf Konten, an die niemand mehr rankommt, wie FAZ.net zuletzt am 9. Oktober berichtete. Der Analyst Timothy Peterson hatte das Phänomen damals genauer untersucht. Er geht davon aus, dass jedes Jahr rund 4 Prozent aller erzeugten Bitcoin verloren gegangen sind. Damit wären heute statt etwas mehr als 18,5 Millionen Bitcoin lediglich 14 Millionen verfügbar. Eine andere Schätzung von Chainalysis geht von 14,8 Millionen verfügbaren Bitcoin aus. So oder so: Überall auf der Welt schlummern kleine Schätze, an die wohl niemand mehr rankommen wird.

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