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Wen Twitter sperrt : Trump oder Taliban?

  • -Aktualisiert am

Der damalige US-Außenminister Mike Pompeo bei einem Treffen mit Mullah Abdul Ghani Baradar, dem Leiter des Verhandlungsteams der Taliban, im November 2020 Bild: AP

Trump ist blockiert. Die Beiträge der Taliban-Sprecher erhalten nicht mal eine Warnung. Das ist unverantwortlich.

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          Dass Türsteher manchmal ihren ganz eigenen Geschmack haben, ist bekannt. Was sich die Tech-Konzerne, allen voran Twitter, aber gerade erlauben, ist nicht zu verstehen: Trump ist weiterhin gesperrt, die Taliban-Sprecher twittern munter.

          Man kann vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump halten, was man will: An Grausamkeit und Gewalttätigkeit ist er mit den Taliban nicht zu vergleichen. Er hat demokratische Institutionen gefährdet, indem er das Wahlergebnis angezweifelt hat, er hat Menschen angestachelt, das US-Kapitol zu erstürmen. Er ist aber nicht mit einer Armee von bewaffneten Motorradfahrern durch die USA gefahren, um einen Bundesstaat nach dem anderen und schließlich Washington D.C. einzunehmen.

          Die Twitter-Linie ist inkonsequent und unverantwortlich. Die Taliban sind eine Terrororganisation: Wer Trump sperrt, muss auch die Taliban sperren. Und wer in der aktuellen Situation die Kommunikationskanäle offen halten möchte, muss die Beiträge zumindest mit einer Warnung versehen: Achtung, hier twittert eine Terrororganisation, die der Westen zwanzig Jahre lang bekämpft hat – wenn auch erfolglos.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

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