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Apps in Corona-Zeiten : Das Virus treibt die Menschen ans Smartphone

Zwei Männer in einem Zug in Barcelona Bild: dpa

Die Menschen verbringen in der Krise mehr Zeit am Handy. Viele Menschen greifen auf geschäftliche Apps zurück. Doch auch andere Apps werden wichtiger.

          2 Min.

          Deutschland zieht ins Home Office, zumindest die, deren Beruf es zulässt. Die Umzugskartons, in denen die Büroangestellten ihre Arbeit mitnehmen, sind in Zeiten der Digitalisierung nicht aus Pappe, sondern nennen sich Apps. Wie wichtig diese damit geworden sind, offenbarte in den vergangenen Tagen ein Blick auf die App-Charts in Deutschland. Viele Chatdienste und Lern-Apps für zu Hause lagen dort weit vorne.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In anderen Ländern der Welt gab es im Zuge der stärker werdenden Einschränkungen des Alltags ähnliche Entwicklungen. Das App-Analyseunternehmen App-Annie hat nun untersucht, wie sich die App-Nutzung in den verschiedenen von der Coronakrise besonders stark betroffenen Ländern verändert hat. Die Daten liegen der F.A.Z. vorab vor.

          Doppelt so viel Zeit in Büro-Apps

          Demnach hat sich die Zeit, die Chinesen mit Büro-Apps verbringen, seit der Abriegelung der Stadt Wuhan mehr als verdoppelt. Vor dem Ausbruch verbrachten die Chinesen im Durchschnitt etwas mehr als 10 Stunden in der Woche in diesen Apps. Anfang März lang der Wert schon mehr als 20 Stunden, mit weiter stark steigender Tendenz. Untersucht wurden dafür Android-Handys. Aber auch die Downloads von Büro-Apps in Apples Appstore verdoppelte sich in dem Zeitraum gegenüber dem Durchschnitt von 2019.

          In Italien sehen die Analysten von App-Annie sogar einen noch stärkeren Anstieg. In der Woche ab dem 23. Februar wurden im Appstore und auf Google Play etwa 761.000 Downloads von geschäftlichen Apps vorgenommen, das bedeutete einen Anstieg um 135 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vorhergehenden 52 Wochen. Ähnliche Trends erwarten die Analysten in den anderen betroffenen Ländern. 

          Insgesamt ist die tägliche Smartphone-Nutzung in den am stärksten betroffenen Ländern deutlich angestiegen. In China verbringen die Menschen den Daten zufolge in der Krise durchschnittlich 5 Stunden am Tag am Handy, ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber dem Durchschnitt des Jahres 2019. Auch in Italien legte der Wert um 11 Prozent zu, dort auf 2,7 Stunden am Tag.

          Deutlich, aber nicht ganz so rasant wie die Downloads von Büro-Apps stiegen die Spiele-Downloads. In China gab es den Daten zufolge einen Zuwachs um 80 Prozent gegenüber dem Durchschnitt aus dem vergangenen Jahr, in Südkorea, das sowieso als ein Zentrum der Computer-Spiele-Industrie gilt, lag er bei etwa einem Drittel. 

          Weniger Dating

          Stärker genutzt werden zudem in fast allen betroffenen Ländern die Fintech-Apps. Das ließe sich durch die Turbulenzen an den Börsen erklären, die von manchen Anlegern möglicherweise ein größeres aktives Management ihres Depots verlangt haben. In Japan ist die wöchentliche Nutzungsdauer seit Ende Dezember um mehr als die Hälfte gestiegen, in Italien, China, den Vereinigten Staaten, Südkorea und Deutschland ebenfalls um zweistellige Prozentzahlen.

          Um etwa ein Zehntel legte die Nutzung von Lieferapps in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien gegenüber den vorherigen Wochen zu. Das dürfte ein Indiz dafür sein, dass die Leute versuchen, weniger aus dem Haus zu gehen. Trotzdem fällt dieser Anstieg vergleichsweise milde aus.

          Auf die Dating-Apps scheinen die Auswirkungen bisher dagegen eher gering zu sein. Seit dem Valentinstag am 14. Februar hat die Nutzung zumindest in den Vereinigten Staaten leicht nachgelassen, was aber laut App-Annie jedes Jahr passiert. Da die Verantwortlichen sowieso eine Reduzierung der Sozialkontakte empfehlen, wäre das im Sinne der Eindämmung der Coronakrise sogar eine gute Nachricht. 

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