https://www.faz.net/-gqe-9gwhx

Angst vor Spionage : Washington will, dass Deutschland Huawei meidet

  • Aktualisiert am

Huawei wird von Amerika auf die schwarze Liste gesetzt. Bild: Reuters

Amerika hat Angst vor chinesischer Spionage – und warnt jetzt auch andere Länder. Sie sollen beim Ausbau ihrer Netze auf Technologie aus China verzichten.

          2 Min.

          Dass die amerikanische Regierung unter Donald Trump den Chinesen keinen Meter über den Weg traut, ist längst kein Geheimnis mehr. Jüngstes Indiz dafür ist ein Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ), wonach Washington verbündete Staaten dazu aufgerufen haben soll, Telekommunikationstechnik von Huawei nicht zu nutzen. Huawei zählt mit Samsung und Apple zu den weltweit größten Herstellern von Smartphones.

          Insidern zufolge haben amerikanische Regierungsbeamte ihre Amtskollegen befreundeter Länder, die die Huawei-Technologie schon verstärkt nutzen, vor Cybersicherheitsrisiken gewarnt – darunter auch Deutschland, Italien und Japan. Außerdem sollen Finanzhilfen für Länder im Gespräch sein, die beim Ausbau ihres Telekommunikationssektors auf chinesische Technologie verzichten.

          Wie das WSJ weiter berichtet, sind die Amerikaner insbesondere dort über den Einsatz chinesischer Telekommunikationstechnik besorgt, wo es amerikanische Militärstützpunkte gibt. Zwar hat das amerikanische Verteidigungsministerium seine eigenen Satelliten und Netzwerke für die Übermittlung sensibler Informationen. Doch der Großteil der Kommunikation in den meisten Militärbasen läuft über kommerzielle Netze.

          Ein technologischer Kalter Krieg?

          Demnach befürchtet Amerika, dass chinesische Unternehmen von Peking zur Spionage gezwungen werden könnten. Das WSJ zitiert einen Regierungsbeamten, der etwa auf die Komplexität von 5G-Netzen hinweist und Länder, die dessen Ausbau jetzt vorantreiben, vor Cyberattacken warnt.

          5G ist der neueste Standard der mobilen Kommunikation und verspricht superschnelle Netze für zukünftige internetbasierte Anwendungen wie etwa das autonome Fahren. In Deutschland werden die 5G-Lizenzen im Frühjahr versteigert.

          Das WSJ sieht den ungewöhnlichen Vorstoß der Amerikaner als einen weiteren Beleg dafür, dass Huawei unter allen Umständen aus dem Land herausgehalten werden solle. Einige Regierungsbeamte gingen sogar noch einen Schritt weiter: Für sie sei die Maßnahme Teil eines technologischen Kalten Kriegs zwischen Amerika und seinen Verbündeten auf der einen Seite und China auf der anderen Seite um eine Welt, die immer stärker digital vernetzt ist – und damit umso anfälliger für Überwachung und Spionage.

          In Amerika ist Huawei bereits weitgehend von der Belieferung staatlicher Stellen und deren Auftragnehmer ausgeschlossen. Die Vereinigten Staaten haben im Handelsstreit mit China bereits mehrfach Technologieunternehmen aus der Volksrepublik ins Visier genommen, auch den Huawei-Rivalen ZTE.

          Westliche Geheimdienste gehen den Kontakten des weltgrößten Telekomausrüsters Huawei zur chinesischen Führung nach sowie dem Verdacht, dass Technik und Geräte des Konzerns zur Spionage genutzt werden könnten. Australien untersagte Huawei im Sommer mit Verweis auf Sicherheitsrisiken eine Beteiligung am Aufbau des Netzes für den neuen Mobilfunkstandard 5G. 

          In Deutschland hat Huawei unter anderem Standorte in Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf, sowie Innovations- und Forschungszentren in Nürnberg und Darmstadt.

          Weitere Themen

          Europas größtes gedrucktes Wohnhaus Video-Seite öffnen

          Bayern : Europas größtes gedrucktes Wohnhaus

          Im bayerischen Wallenhausen wird gerade ein Haus gedruckt. Nach seiner Fertigstellung soll das Haus Platz für fünf Familien bieten.

          Topmeldungen

          Ungelöstes Rätsel: Wann wird Thomas Ostermeier seine Berliner Schaubühne am Lehniner Platz wieder öffnen dürfen? Vorerst bleiben Bühnen, Konzertsäle und Museen in diesem Corona-Winter geschlossen.

          Kultur-Knockdown : „Warum es wichtig ist, was wir tun“

          Ausgerechnet die Kulturbranche, die nach dem ersten Shutdown so vorbildlich ausgeklügelte Hygienekonzepte erarbeitet hat, wird angesichts der pandemischen Herausforderung hart getroffen. Eine Lücke, die zu schließen ist.
          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.