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Pläne von Warner Music : Musik fürs Börsenparkett

Coldplay bei einem Auftritt im Juli 2017 Bild: AFP

Das Label von Ed Sheeran, Coldplay & Co soll an die Börse zurückkehren. Die Vorzeichen scheinen günstig. Doch auf dem Musikmarkt lauern einige Unsicherheiten.

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          Leonard „Len“ Blavatnik dürfte die Verhandlungen zwischen Vivendi und dem chinesischen Internetriesen Tencent mit großen Interesse verfolgt haben. Beide Parteien sprachen über die Universal Music Group, eine Tochtergesellschaft des französischen Medienkonzerns. Ende 2019 einigten sich die Verhandlungspartner: Tencent übernimmt 10 Prozent der Universal-Anteile mit einer Option auf weitere 10 Prozent, bewertet wurde das Label mit stolzen 30 Milliarden Euro.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Universal Music ist die Nummer eins der großen drei Plattenfirmen, „Major-Labels“ genannt. Hinzu kommen Sony Music und Warner Music, das eben jenem Blavatnik gehört. 2011 hatte er das Unternehmen für 3,3 Milliarden Dollar übernommen. Nun soll das Label von Ed Sheeran, Coldplay oder Green Day an die Börse zurückkehren. Ende vergangener Woche ging der entsprechende Antrag bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ein. Zwar ist derzeit weder eine Bewertung bekannt, noch wie viele Aktien Warner ausgeben will, doch die Chancen, dass Blavatnik sein Investment vergolden wird, stehen auf den ersten Blick gut.

          Das liegt vor allem an der Erholung des Markts für Musikaufnahmen. Dieser schrumpfte seit Jahren, als Blavatnik 2011 mit seiner Beteiligungsgesellschaft Access Industries Warner übernahm. Eine Folge der sinkenden Umsätze aus dem Geschäft mit physischen Tonträgern und nicht zuletzt auch dem Ärger mit illegalen Downloads. Seit nunmehr vier Jahren steigen die Umsätze durch die rasant wachsenden Erlöse aus dem Musik-Streaming jedoch wieder an. Standen 2011 noch global 15,0 Milliarden Dollar Umsatz zu Buche, waren es 2018 19,1 Milliarden Dollar. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass 2019 die 20 Milliarden Dollar-Marke geknackt wurde. Offizielle Zahlen hierzu werden Ende März veröffentlicht.

          Abhängigkeit von Spotify & Co

          Diese prognostizieren allerdings auch, dass das Streaming-Wachstum in den wichtigen Märkten wie etwa Großbritannien oder den Vereinigten Staaten zunehmend abflauen wird. Großes Potential wird hingegen in China, Indien, Südamerika oder in vielen afrikanischen Ländern gesehen. Darauf müssen die großen Labels reagieren. Vor diesem Hintergrund ist auch der Tencent-Universal-Deal zu sehen.

          Der Streaming-Boom hat auch zur Folge, dass die Labels in den Bereichen Vertrieb und Marketing zunehmend abhängig von den großen Diensten Spotify, Apple und Amazon sind. Mit 124 Millionen zahlenden Nutzern (Spotify), beziehungsweise 60 Millionen (Apple Music) und gut 55 Millionen (Amazon) dominieren sie den Markt, die werbefinanzierten Gratis-Nutzung nicht mit betrachtet. Dieses Risiko wird auch im Warner-Antrag an die SEC thematisiert. Tatsächlich trug das Streaming 2018 8,9 Milliarden Dollar zu den insgesamt 19,1 Milliarden Dollar bei – Tendenz weiter steigend. Das schwächt die Position der Labels, deren großes Faustpfand natürlich der riesige Katalog an Musik ist, an dem sie die Rechte halten und den sie an Spotify und Co lizenzieren. Ihre Verhandlungsmacht ist freilich noch enorm, was nicht zuletzt Marktführer Spotify vor einiger Zeit zu spüren bekam. Das Angebot, Musik selbst hochzuladen, ohne jede Beteiligung von Labels oder anderen Partnern, wurde wieder eingestellt. Nicht zuletzt wohl auch auf Druck der großen drei Labels.

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