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Wichtige Branche im Umbruch : VW sucht händeringend Software-Fachleute

Ein VW ID3. im Werk in Zwickau. Bild: ddp Images

Weitere 2500 Mitarbeiter für die Digitalisierung sollen ihre Arbeit aufnehmen. Es geht um die Zukunft des Autokonzerns. Und dann ist da die „Fakultät 73“.

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          Das digital vernetzte Auto ist für Volkswagen die größte technische Herausforderung der nächsten Jahre. Für seine neue Software-Einheit unter Führung des VW-Vorstands Christian Senger will der Konzern im neuen Jahr rund 2500 Experten einstellen, teilte VW jetzt mit.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Um den großen Bedarf an Software- und Digitalexperten zu decken, bilde VW außerdem selbst Hunderte von Software-Entwicklern in seiner konzerneigenen „Fakultät 73“ selbst aus. „In dem anspruchsvollen zweijährigen Programm werden im Laufe des Jahres bereits 300 Teilnehmer zu Softwareentwicklern qualifiziert“, hieß es.

          Anfang 2020 will VW, wie schon im Herbst angekündigt, die Kompetenzen für das vernetzte Auto in der Fahrzeug-IT zusammenführen und mittelfristig deutlich aufstocken. Bis zum Jahr 2025 sollen es inklusive externer Einstellungen, Unternehmensübernahmen und Fachleuten aus den Konzernmarken nach den bisherigen Planungen mehr als 10.000 IT-Fachleute werden, die in der neuen Sparte arbeiten. Sie sollen die Zuständigkeiten für Fahrzeug-Software bündeln, am Ende auch in einer eigenen Marke.

          Mit rund 500 Software-Fachleuten hatte Senger im Frühjahr in einer – wie es damals hieß – „agilen Software-Einheit“ begonnen. Software sei ein Kernprodukt, „das wir nicht länger in dem Maße wie bislang an Zulieferer vergeben“, sagte Senger, nachdem er zum 1.März das neugeschaffene Ressort übernommen hatte. Volkswagen-Chef Herbert Diess begründete das mit den Worten „Der Anteil der Software im Auto steigt rasant, stellt einen immer größeren Anteil an der Wertschöpfung dar und bestimmt damit maßgeblich die Leistung und Charakteristik unserer Fahrzeuge.“

          Mehr selbst entwickelte Software

          VW steht dabei unter Wettbewerbsdruck, denn bei der Entwicklung des Autos zum „Smartphone auf vier Rädern“ hat der Konzern, verglichen mit dem amerikanischen Elektroauto-Konzern Tesla, noch großen Aufholbedarf. „Im kommenden Jahr wollen wir in den Zukunftsfeldern der Mobilität von der Elektrifizierung bis zu Digitalisierung, Software-Entwicklung und Connectivity allein in Deutschland rund 2500 Experten an Bord holen“, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian. Benötigt werden die Experten, um die Elektromobilität, Vernetzung und Digitalisierung künftiger Fahrzeuggenerationen zu entwickeln und voranzutreiben.

          Der Anteil selbst entwickelter Software liegt bei VW derzeit noch bei weniger als 10 Prozent. Senger soll ihn bis zum Jahr 2025 auf mehr als 60 Prozent steigern. Investitionen von mehr als sieben Milliarden Euro sind dafür in den nächsten fünf Jahren geplant. Die neue Software-Einheit soll Standorte unter anderem in Wolfsburg, Ingolstadt und Berlin sowie in Seattle und Peking haben.

          Nicht nur bei der Digitalisierung will VW im Jahr 2020 das Tempo erhöhen, mit der massiv vorangetriebenen Wende zur Elektromobilität will Volkswagen auch seine Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge deutlich ausbauen. Im Werk im sächsischen Zwickau, wo das erste rein elektrisch angetriebene VW-Modell, der ID.3, produziert wird, ist nach Angaben des Autoherstellers vom Montag der 200. Ladepunkt in Betrieb gegangen. Bis Ende 2020 soll die Zahl der Ladestationen an den sächsischen Standorten insgesamt auf mehr als 400 wachsen.

          Dann soll es rund 300 Ladepunkte im Zwickauer Werk geben, 70 in Dresden und 30 in Chemnitz, teilte VW-Sachsen mit. Die Stationen sind vor allem für Mitarbeiter, Kunden und Gäste vorgesehen, ein Teil soll den Unternehmensangaben zufolge aber auch auf öffentlichen Parkflächen rund um die Standorte entstehen. „Wir gehen davon aus, dass rund 30 Prozent aller Ladevorgänge am Arbeitsplatz stattfinden“, sagte der Technik-Geschäftsführer von Volkswagen Sachsen, Reinhard de Vries. Deshalb sei das Engagement der Unternehmen wichtig. „Das Laden am Arbeitsplatz ist ein Schlüssel zum Durchbruch der Elektromobilität.“

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