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Viel mehr Geld für die ESA : Europa nimmt das Weltall endlich ernst

Ein Blick auf die Erde von der ISS Bild: AFP

Deutschland wird erstmals größter ESA-Beitragszahler vor Frankreich. Neues Geld erhalten Programme von der Erdbeobachtung bis zu einer wiederverwertbaren Rakete – und einen deutschen Astronauten gibt es auch wieder.

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          Damit Europa im Weltall nicht den Anschluss verliert, wollen die europäischen Regierungen in den kommenden drei Jahren ihre öffentlichen Ausgaben für verschiedene Raumfahrtprogramme deutlich erhöhen. Die 22 Mitgliedsländer der europäischen Raumfahrtagentur ESA haben auf ihrer Ministerratskonferenz am Donnerstag im spanischen Sevilla beschlossen, die ESA-Programme in den kommenden drei Jahren mit 12,5 Milliarden Euro zu finanzieren. Das sind gut 2 Milliarden Euro mehr als vor drei Jahren auf der letzten ESA-Ministerkonferenz in Sevilla beschlossen wurde und ein Rekordwert in der Geschichte der Raumfahrtagentur. Die europäischen Regierungen gingen sogar darüber hinaus und versprachen 14,4 Milliarden Euro für den Zeithorizont von fünf Jahren.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Sie sehen einen sehr glücklichen Generaldirektor vor sich“, sagte der ESA-Generaldirektor Jan Wörner vor Journalisten; er sei überrascht, weil die Mittel sogar etwas über die Vorschläge der ESA hinaus gingen. Der Zuwachs geht stark auf das Engagement Deutschlands zurück. Der deutsche Beitrag steigt um mehr als die Hälfte auf knapp 3,3 Milliarden Euro und steht damit für rund 23 Prozent des ESA-Programme. Damit ist Deutschland erstmals der größte Beitragszahler in der ESA-Geschichte. Das traditionelle Raumfahrtland Frankreich liegt mit knapp 2,7 Milliarden Euro jetzt auf dem zweiten Rang.

          Angst vor Rückstand

          Die Regierungen sind sich nach eigenen Worten der wachsenden Bedeutung des Weltalls bewusst, sei es für wissenschaftliche, kommerzielle oder militärisch-strategische Zwecke sowie andere Dienstleistungen wie Erdbeobachtung, Telekommunikation und Navigation. Dabei fürchten die Europäer, gegenüber den Vereinigten Staaten und anderen aufsteigenden Nationen im All in Rückstand zu geraten. Alleine die Mittel der Nasa waren bisher etwa fünf Mal so hoch wie jene der ESA.

          Der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano auf einem Außeneinsatz an der ISS

          Die neuen Mittel für die europäische Raumfahrtagentur decken einen breiten Bereich verschiedener Programme ab – von der Fortführung des europäischen Erdbeobachtungssatelliten Kopernikus, über den Schutz vor Asterioden und Weltraummüll bis zu neuen Mond- und Marsmissionen sowie der Unterstützung der internationalen Raumstation ISS.

          Viel Geld für Kopernikus

          Die Bundesregierung zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang der zweitägigen Verhandlungen. „Wir haben unsere Ziele komplett erreicht“, sagte der Koordinator für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (MdB), der F.A.Z.. Deutschland will nach seinen Worten besonders Programme zur Unterstützung mittelständischer Weltraum-Unternehmen mitfinanzieren, zudem zusammen mit Frankreich die Mission einer Roboterversendung auf den Mond, der dort unter anderem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen prüfen soll.

          Stark engagiert habe sich Deutschland auch im Bereich „New Space“. Damit sind vor allem vergleichsweise niedrig fliegende Kleinsatelliten gemeint, die von kommerziellen Betreibern in einer großen Zahl ins All geschossen werden, um Kommunikationsverbindungen an alle Punkte der Erde herzustellen. Sie kommen mit kleineren Trägerraketen aus, weshalb – auch in Deutschland – eine Diskussion über die Errichtung von nationalen Weltraumbahnhöfen aufgekommen ist.

          Besonders starke Mittelzusagen bekam das Programm des Erdbeobachtungssatelliten Kopernikus, das gemeinsam von der Europäischen Union und der ESA betrieben wird. Es liefert unter anderem wichtige Informationen zum Klimawandel. Die Mitgliedsländer zeichneten dafür rund 1,8 Milliarden Euro, 400 Millionen Euro mehr als die ESA eingeplant hatte. „Deutschland behält im Bereich der Erdbeobachtung seine Führungsposition“, sagte Jarzombek.

          Auch Großbritannien erhöht Beiträge

          Anders als vor drei Jahren in Luzern genehmigten die Regierungen auch Programme zur Erhöhung der Sicherheit im All. Dazu gehört die Vermeidung und der Schutz vor dem zunehmenden Weltraummüll sowie das Abwenden von Asteroiden-Einschlägen. Finanziert werden soll zudem (vor allem von Italien) eine neue Trägerrakete namens Spacerider, die wiederverwertbar sein soll und Lasten in den niedrigen Orbit bringen kann.

          Durch europäische Finanzierung soll nicht zuletzt der Betrieb der Internationalen Raumstation ISS von 2024 auf 2028 verlängert werden. Der französische Astronaut Thomas Pesquet bekommt einen zweiten Flug dorthin genehmigt, gefolgt von seinem deutschen Kollegen Matthias Maurer. Eine Weile sollen sich deren Aufenthalte auf der ISS überschneiden, kündigte Wörner an.

          Der ESA-Chef betonte vor der Presse dabei die Bedeutung einer besseren Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Die Raumfahrtexperten müssten ihre Missionen anschaulicherer erklären. So seien die Menschen von ihrem hohen Nutzen zu überzeugen. Schon vor der Konferenz hatte der Deutsche mehrfach wiederholt, dass „jeder in die Raumfahrt investierte Euro einen Nutzen von 6 Euro bringt“.

          Auch Großbritannien engagiert sich bei der ESA stark. Ungeachtet des Brexit erhöht Vereinigte Königreich seine Beitragszahlungen um 15 Prozent. Mehrere Minister betonten in Sevilla, dass die Arbeit der ESA ein schönes Symbol der europäischen Einheit sei.

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