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Einkünfte über Spotify & Co : 0,00348 Dollar je Musik-Stream?

Live im Autokino: Für kleinere Bands wie Jeremias sind die Einkünfte aus dem Streaming ihrer Werke in der Regel (noch) überschaubar. Bild: Daniel Pilar

Über die Verteilung der Streaming-Gelder wird rege diskutiert. Bisweilen verrutschen da die Maßstäbe – und nicht jede Kritik ist bei Spotify, Apple Music & Co an der richtigen Adresse. Ein Blick auf die Gemengelage.

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          „Wir hören euch laut und deutlich“, prangt auf der kürzlich eingerichteten Website von Spotify. Künstler verdienten „Klarheit“ über die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Musik-Streamings, und über die „Loud & Clear“-Seite wolle man mehr Transparenz bieten. Der Siegeszug des Streamings ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der globale Markt für Musikaufnahmen seit nunmehr sechs Jahren wieder wächst.

          Benjamin Fischer
          (bfch.), Wirtschaft

          Mehr als die Hälfte des Umsatzes von zuletzt 21,6 Milliarden Dollar wurde über Spotify und seine Wettbewerber generiert. Gleichwohl gibt es seit Jahren Kritik an den Auswirkungen des Streamings: auf die Musik an sich, aber gerade auch mit Blick auf die Verteilung der Gelder. Als börsennotierter Marktführer ist Spotify besonders im Fokus – erst recht, da nun seit rund einem Jahr Konzerte fast unmöglich sind und damit die für viele Musiker wichtigste Einnahmequelle wegfällt.

          „Es war höchste Zeit, dass wir uns mehr öffnen“, sagt Europa-Chef Michael Krause. Das Geschäftsmodell Streaming sei ja nicht ganz trivial, vor allem da die Dienste „nicht an Künstler direkt, sondern an Verwertungsgesellschaften und die verschiedenen Rechteinhaber der Musik auszahlen“. Natürlich präsentiert der schwedische Dienst auf der Website auch allerlei Daten, die seinen Wert für die Musikindustrie unterstreichen sollen.

          Wie das Geld fließt

          Doch ist der Verweis auf die Geldflüsse berechtigt. Spotify wie auch andere Dienste geben rund zwei Drittel ihrer gesamten Einnahmen weiter. Wenn es aber darum geht, wie viel ein Musiker anteilig aus diesem Topf erhält, kommt es zu einem beträchtlichen Teil auf die einzelnen Verträge an. Bei klassischen Label-Deals verbleibt der deutlich größere Teil in der Regel bei den Labels.

          Aber längst bieten sich Musikern auch viele andere Konstellationen, die unterschiedliche Leistungen und Beteiligungen an den Streaming-Geldern bieten. Die neue Website soll „eine Konversation zwischen Künstlern und ihren Labels, Verlagen sowie anderen Partnern anregen und dazu beitragen, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen“, sagt Krause.

          Ein anderes oft diskutiertes Thema ist die Zahlungsrate je Stream. Seit einigen Monaten macht nicht zuletzt eine Forderung nach 1 Cent je Abruf die Runde. Zwar wird die Ausschüttung nicht pro Stream vorgenommen, sondern nach dem jeweiligen Anteil eines jeden Songs, gemessen an allen Abrufen in einem Monat und Markt. Auch weitere Faktoren spielen eine Rolle. Doch ist es natürlich naheliegend, für einzelne Rechteinhaber mit ihrer Abrechnung die jeweilige Pro-Stream-Rate auszurechnen, das weiß auch Krause.

          Ein Vergleich zwischen „Äpfeln und Birnen“

          Der Künstlerrechte-Blog „The Trichordist“ macht dies regelmäßig auf Basis der Daten eines mittelgroßen Indie-Labels – etwas mehr als 50 Prozent der Gesamteinnahmen der Dienste gehen an die Label-Seite, Verlage (und über diese wiederum Songwriter) erhalten entsprechend einen deutlich kleineren Anteil. Spotify kam bei der „The Trichordist“-Auswertung zuletzt im März 2020 mit durchschnittlich 0,00348 Dollar je Stream deutlich schlechter weg als Apple Music (0,00675 Dollar) und Amazon Music Unlimited (0,01123 Dollar). Der Vergleich der Ausschüttungen sei „einer zwischen Äpfeln und Birnen“, so Krause.

          Schließlich habe beispielsweise nicht jeder Dienst ein werbefinanziertes Gratisangebot. Über dessen Nutzer wird nur ein Bruchteil des Umsatzes mit Abonnenten erzielt, ergo fallen ihre Streams mit weniger Wert ins Gewicht. Spotify setzt stark darauf, hierüber Nutzer zu binden und in Abonnenten umzuwandeln, wobei es auch hier unterschiedliche Modelle wie Familien- oder Studenten-Abos gibt. Apple Music etwa gibt es nicht gratis.

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