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Tech-CEOs im Weißen Haus : Cyber-Gipfel mit Joe Biden

Apple-Chef Tim Cook, Arvind Krishna (IBM) und Sundar Pichai von Alphabet beim Treffen mit Biden Bild: EPA

Der US-Präsident setzt im Kampf gegen Hacker auf Hilfe von Apple, Amazon, Microsoft oder IBM. Sein Verhältnis zur Branche ist jedoch gespalten.

          2 Min.

          Eine Serie von Cyberattacken in den vergangenen Monaten hat die amerikanische Regierung in Alarmstimmung versetzt. Jetzt hat Präsident Joe Biden die Vorstandschefs einiger der prominentesten amerikanischen Technologiekonzerne ins Weiße Haus eingeladen und sie um Unterstützung im Kampf gegen Hacker gebeten. „Der größte Teil unserer kritischen Infrastruktur gehört der Privatwirtschaft und wird von ihr betrieben, und die Regierung kann sich dieser Herausforderung nicht alleine stellen,“ sagte Biden. Zu den Gästen gehörten Tim Cook von Apple, Satya Nadella von Microsoft, Sundar Pichai von der Alphabet-Holding um Google und Andy Jassy von Amazon.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Präsident sagte, die Manager hätten „die Macht, die Kapazität und, wie ich glaube, auch die Verantwortung, die Messlatte bei Cybersicherheit höher zu legen.“ Er wies darauf hin, dass es einen Mangel an Spezialisten auf dem Gebiet gebe, was es erschwere, mit Hackern Schritt zu halten. Schätzungsweise 500. 000 Arbeitsplätze seien unbesetzt.

          Was Biden im Einzelnen mit den Top-Managern besprochen hat, ist unklar, nach seinen einleitenden Worten fand der Rest der Veranstaltung hinter verschlossenen Türen statt. Mehrere der vertretenen Unternehmen kündigten aber hinterher Initiativen rund um Cybersicherheit an. Microsoft zum Beispiel sagte zu, in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Dollar auf diesem Gebiet zu investieren. Außerdem sollen der Regierung Dienstleistungen im Wert von 150 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden, unter anderem um ihre Sicherheitssysteme aufzurüsten. Google versprach Investitionen von 10 Milliarden Dollar und kündigte außerdem ein Ausbildungsprogramm an, das 100 .000 Amerikanern zu Qualifikationen auf Gebieten wie Datenschutz und Sicherheit verhelfen soll.

          Kritik an Facebook

          Biden sagte, Cybersicherheit habe für seine Regierung von Anfang an oberste Priorität gehabt. Der Präsident trat sein Amt wenige Wochen nach Bekanntwerden eines spektakulären Cyberangriffs im Dezember an, hinter dem offenbar russische Angreifer steckten. Die Hacker brachten ein Schadprogramm in einer weithin genutzten Software des amerikanischen Anbieters Solarwinds unter und verschafften sich damit Zugang zu den Systemen von deren Kunden, zu denen Unternehmen und auch amerikanische Regierungsbehörden gehörten. In diesem Jahr folgten eine Reihe weiterer folgenschwerer Hacks.

          Ein Angriff auf das Pipeline-Unternehmen Colonial legte zeitweise die Ölversorgung in Teilen des Landes lahm, eine Attacke auf den Fleischkonzern JBS brachte Werke in Nordamerika und Australien zum Stillstand. Beides waren Ransomware-Angriffe, bei denen Lösegeld von den Unternehmen erpresst wurde. Und in beiden Fällen sollen Hacker mit Verbindungen nach Russland verantwortlich gewesen sein. Biden hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei einem Treffen im Juni aufgefordert, diese Cyberkriminellen zur Verantwortung zu ziehen, wie er jetzt auch bei der Veranstaltung mit den Tech-Managern noch einmal hervorhob. Die russische Führung wisse, wer und wo die Hacker seien.

          Bidens Schulterschluss mit den Tech-Giganten beim Thema Cybersicherheit ist ein Stück weit ein Balanceakt, denn er hat zur Branche ein gespaltenes Verhältnis. Er hat Unternehmen oft kritisiert, zum Beispiel warf er Facebook die Verbreitung von Falschinformationen rund um die Corona-Pandemie vor. Er hat auch bekannte Kritiker von „Big Tech“ auf einflussreiche Posten in seiner Regierung berufen.

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