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Alexander Armbruster (ala.)

Erfolgreiche Unternehmen : Die Pandemie durchschauen

Amazon testet Lieferroboter in Atlanta. Bild: dpa

Noch hält das Virus den Alltag kleinteilig im Griff. Doch das Ende der Krise einfach abzuwarten, reicht nicht. Gerade in Deutschland gibt es erfreuliche Beispiele, die zeigen, wie es besser geht.

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          Als Jeff Bezos einmal danach gefragt wurde, was unternehmerischen Erfolg in einer Zeit großen Wandels ausmacht, antwortete er zur Überraschung seiner Zuhörer so: Wichtig sei nicht nur darüber nachzudenken, was sich verändert, sondern auch darüber, was gleich bleibt. Der Amazon-Gründer nannte drei Dinge: Den Wunsch der Kunden nach möglichst niedrigen Preisen, möglichst großer Auswahl und möglichst schneller Lieferung.

          Sein Mantra, sich kategorisch auf den Konsumenten zu fixieren, hat ihn bekanntlich nicht nur berühmt gemacht, sondern zu einem der vermögendsten Menschen der Welt. Bis heute orientiert sich der Onlinehändler an diesen Prinzipien.

          Natürlich gründet der Erfolg des Internetkonzerns auf mehr: Darauf, schnell neueste Technik einzusetzen und sie selbst mitzuentwickeln – mehr Roboter in den Versandzentren, Lieferdrohnen und immer ausgefeiltere Empfehlungs-Algorithmen sind Beispiele dafür. Und auch Jeff Bezos akzeptierte, wie gerade im Onlinegeschäft nicht unüblich, zunächst eine Phase, in der er schnelles Wachstum höher gewichtete als Profitabilität, er nahm jahrelang sogar Verluste hin.

          Abwarten reicht nicht

          Mittlerweile ist Amazon ein Weltkonzern mit mehr als einer Million Angestellten und einem Billionen-Dollar-Börsenwert. Einer, der in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz machte und 8 Milliarden Dollar Gewinn, so viel wie nie zuvor in einem Quartal. Geld verdient das Unternehmen zudem längst nicht mehr nur mit dem Onlinehandel, sondern auch mit der immer wichtiger werdenden Cloud-Sparte AWS und zusehends auch mit Werbung.

          Amazon ist kein Einzelfall. Auch die anderen großen Internetunternehmen melden derzeit gute Geschäfte. Allen voran Alphabet, Apple, Microsoft und  Facebook, aber auch beispielsweise der immer beliebtere Videodienst Netflix.

          Ja, das hängt einerseits mit der Pandemie zusammen: Die Tech-Konzerne bieten jene technologische Infrastruktur, mit deren Hilfe so viele Menschen besser als zunächst gedacht schnell ins Homeoffice wechseln, nun schon Monate dort arbeiten und den Geschäftsbetrieb infolgedessen aufrechterhalten konnten. Ihre Dienste ermöglichen auch, dass Freunde und Familie in Kontakt bleiben, die Schule nicht über lange Strecken komplett ausfällt, jeder auch aus einem breiten Freizeitunterhaltungs-Programm im eigenen Wohnzimmer wählen kann – oder eben den Gang ins Geschäft erspart, weil der Lieferant alles nach Hause bringt.

          Und schließlich sind die Konzerne selbst von den gravierenden Einschränkungen allerorten vergleichsweise wenig betroffen, viel weniger jedenfalls als Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Gaststätten oder kleine Läden, die häufig in Existenznot geraten oder schon verschwunden sind. All das stimmt.

          Welche Fähigkeiten fehlen?

          Andererseits ist es ein Trugschluss zu glauben, ohne die Pandemie wären die Geschäfte der Internet-Unternehmen (und vieler anderer auch) bloß stagniert, im Gegenteil. Tatsächlich hat das Virus schon zuvor bestehende Trends verstärkt, bereits in Gang gekommene Entwicklungen beschleunigt – und dabei zum Teil schonungslos Schwächen auf vielen Ebenen offengelegt.

          Umso wichtiger ist darum für alle Beteiligten, kontinuierlich und konsequent schon jetzt Lehren aus dieser Krise zu ziehen. Es reicht nicht abzuwarten, bis das Virus unter Kontrolle oder jeder Mensch geimpft ist. Bis alles wieder „normal“ ist – denn was heißt das schon?

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