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Fahrdienstleister : Ubers wohl letzte Bilanz vor dem Börsengang

Das Unternehmenslogo des Fahrdienstleisters Uber am Hauptquartier der Firma in San Francisco Bild: dpa

Uber reduziert zwar seine Verluste, doch ein Gewinn ist weiterhin nicht in Reichweite. Künftige Aktionäre müssen sich darauf einstellen, dass das vorerst so bleibt – denn auch das Wachstum schwächt sich ab.

          2 Min.

          In diesem Jahr könnte eine ganze Reihe amerikanischer Technologieunternehmen an die Börse gehen. Darunter sind der Zimmervermittler Airbnb, der Bürokommunikationsdienst Slack und die Fotoplattform Pinterest. Kein anderes Unternehmen wird aber mit so viel Spannung erwartet wie Uber.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Fahrdienst hat unlängst Dokumente für seinen Börsengang bei der Aufsichtsbehörde SEC eingereicht, das Debüt an der Wall Street könnte schon in wenigen Monaten stattfinden. Uber wurde im vergangenen Jahr von Investoren mit mehr als 70 Milliarden Dollar bewertet, und Banken haben für den Börsengang sogar eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar ins Gespräch gebracht.

          Womöglich zum letzten Mal vor dem Börsengang hat Uber jetzt noch einmal Einblicke in seine Geschäftszahlen gegeben. Dies tut der Fahrdienst schon seit einiger Zeit, obwohl der als nicht börsennotiertes Unternehmen eigentlich nicht dazu verpflichtet wäre. Das jetzt präsentierte Bild ist gemischt: Uber baut seine Umsätze noch immer rasant aus, aber das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. Das Unternehmen bleibt zudem weiter defizitär, wenngleich es seine Verluste reduzieren konnte.

          Klage gegen New York

          Für das vierte Quartal meldete Uber ein Umsatzplus von 25 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal hatte es noch ein Wachstum von 38 Prozent gegeben, im zweiten Quartal waren es sogar noch 63 Prozent. Der Umsatz ergibt sich aus den Einnahmen aus Uber-Fahrten, den sogenannten „Buchungen“, abzüglich des Geldes, das bei den Fahrern verbleibt. Die Buchungen stiegen im vierten Quartal um 37 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust betrug 865 Millionen Dollar. Im Jahr zuvor waren es noch 1,1 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2018 stieg der Umsatz um 43 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust betrug 370 Millionen Dollar, nach 4,5 Milliarden Dollar im Vorjahr.

          Diese dramatische Reduzierung des Verlustes erklärt sich aber in erster Linie mit dem Verkauf der unprofitablen Aktivitäten in Russland und Südostasien. Bereinigt um diese Posten wäre der Verlust nur wenig gesunken. Ubers Verluste dürften sich unter anderem damit erklären, dass das Unternehmen wegen des scharfen Wettbewerbs viel Geld ausgibt, um Kunden und Fahrer zu gewinnen. Uber investiert jenseits seines angestammten Fahrdienstes auch in eine Reihe anderer Geschäfte, darunter Essensauslieferung, Frachtdienste sowie elektrische Fahrräder und Tretroller.

          Trotz seiner Verluste verfügt Uber noch immer über ein komfortables Liquiditätspolster. Zum Jahresende hatte es ein Volumen von 6,4 Milliarden Dollar. Die künftigen Aktionäre müssen sich darauf einstellen, dass Uber noch eine ganze Zeit lang Verluste ausweisen wird. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ hat das Unternehmen im vergangenen Jahr in Dokumenten für Investoren gesagt, es erwarte in frühestens drei Jahren Gewinne.

          Unterdessen hat Uber am vergangenen Freitag eine Klage gegen die Stadt New York eingereicht. Damit geht das Unternehmen gegen Restriktionen vor, die die amerikanische Metropole vor rund einem halben Jahr gegen Uber und auch Wettbewerber wie Lyft beschlossen hat. Dazu gehört es, ein Jahr lang keine neuen Lizenzen mehr an Uber- oder Lyft-Fahrer auszugeben und eine Mindestentlohnung für Fahrer festzusetzen. Mit der Klage will Uber eine Aufhebung des Ausgabestopps für Lizenzen erreichen.

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