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Datenskandal : Twitter hat Daten an Cambridge Analytica verkauft

  • Aktualisiert am

Aleksandr Kogan, der Wissenschaftler hinter dem Cambridge-Analytica-Datenskandel, in einem Fernsehinterview. Bild: AP

Millionen Facebook-Nutzer sind von dem Skandal um Cambridge Analytica betroffen – und wurden möglicherweise in ihrer Wahlentscheidung manipuliert. Nun wird klar: Auch Twitter steuerte Datensätze bei.

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          Wie im Fall von Facebook hatte der Forscher hinter dem großen Datenskandal um Cambridge Analytica auch Zugang zu Datensätzen vom Kurznachrichtendienst Twitter. Aleksandr Kogan, der ein Persönlichkeitsquiz als App auf Facebook veröffentlichte und darüber die persönlichen Daten von Millionen von Facebook-Nutzern abschöpfte, hatte über eine Programmierschnittstelle (API) auch Zugriff auf Twitter-Daten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet und der Kurznachrichtendienst bestätigt hat. Anders als bei Facebook kaufte er Twitter die Daten ab. Dem Bericht zufolge soll es sich dabei um einen umfangreichen Datensatz gehandelt haben. Twitter nannte keine weiteren Details.

          Kogans Firma Global Science Research (GSR) bezahlte Twitter für den Zugang, wie der Dienst mitteilte. „Im Jahr 2015 hatte GSR einen einmaligen API-Zugang zu einer zufälligen Stichprobe von öffentlichen Tweets, die in fünf Monaten zwischen Dezember 2014 und April 2015 veröffentlicht wurden“, teilte Twitter mit. Ein Jahr später, im November 2016, arbeitete Cambridge Analytica dem späteren amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Wahlkampf zu. Kogan hatte die Datensätze von Twitter und Facebook zuvor ohne Zustimmung der Nutzer an die britische Beratungsfirma weitergegeben.

          Twitter stellte Kogan allerdings nur Daten zur Verfügung, die schon öffentlich zugänglich waren. „Auf Grundlage der aktuellen Berichte haben wir eine interne Untersuchung durchgeführt und haben keinerlei Zugriff auf private Daten über Menschen, die Twitter benutzen, gefunden“, teilte Twitter mit. Der Dienst habe Cambridge Analytica und alle zugehörigen Personen und Organisationen davon ausgeschlossen, Werbung auf Twitter zu schalten.

          Es gehört zu Twitters Geschäftsmodell, Datensätze an Unternehmen oder Entwickler zu verkaufen. Unternehmen benutzen die Daten zum Beispiel, um die öffentliche Wahrnehmung von Ereignissen oder Entscheidungen zu analysieren. Private Nachrichten sind allerdings davon ausgenommen. Im ersten Quartal 2018 erzielte Twitter mit „Daten-Lizensierung und anderen Umsätzen“ 90 Millionen Dollar. Der Bereich wuchs um 20 Prozent. Von Twitters Gesamtumsatz von zuletzt gut 2,4 Milliarden Dollar (2017) macht der Bereich – auch aufs Jahr gerechnet – aber nur einen kleinen Teil aus.

          Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Fassung dieses Textes erweckte irrtümlich den Anschein, dass auch Facebook Datensätze an Kogan verkauft habe. Das ist nicht korrekt; Kogan hatte über seine Persönlichkeitsquiz-App Zugang zu Facebook-Daten, das soziale Netzwerk hat sie ihm aber nicht verkauft.

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