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Halbleiter : TSMC erteilt Chipfabrik in Europa eine Absage – zumindest vorerst

Mitarbeiter von TSMC in einer der großen Chipfabriken in Taiwan Bild: AFP

Der große Halbleiterhersteller aus Taiwan konzentriert sich bis auf weiteres auf seine Mega-Investitionen in Amerika, Japan und auf dem heimischen Markt. Ein Engagement in Europa werde „allenfalls erwogen“.

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          Der taiwanische Chiphersteller TSMC hat vorerst nicht vor, in Europa eine Halbleiterfabrik zu bauen. Trotz des Investitionsprogramms der EU gebe es keine konkreten Pläne, sagte Mark Liu, Vorsitzender des Verwaltungsrates, auf der Hauptversammlung am Mittwoch. Derzeit werde ein solches Engagement allenfalls erwogen, nicht aber ausgelotet, geplant oder verhandelt. Damit schieben die Taiwaner bisherigen Planspielen in der Branche einen Riegel vor, dass eine weitere großformatige Investition in Europa ansteht.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Brüssel hatte im Februar seinen European Chips Act vorgestellt. Mit dem industrie- und wirtschaftspolitischen Rahmenwerk will es verlorenen Boden in einer der wichtigsten Branchen gut- und die EU für Chiphersteller aus Übersee attraktiv machen. Sie sollen auf dem alten Kontinent neue Werke errichten und die Versorgung europäischer Industriekunden mit modernen Halbleitern mittel- bis langfristig sicherstellen.

          Wachstum um mehr als 30 Prozent

          Der amerikanische Chiphersteller Intel erklärte im März, kräftig in Europa investieren und in der EU ein Netzwerk aus Forschung, Entwicklung und Produktion aufziehen zu wollen. TSMC galt als zweiter großer Kandidat für ein solches Engagement. Die Taiwaner aber scheinen sich nun auf ihre laufenden Großinvestitionen in Amerika und Asien zu konzentrieren. Dort stecken sie Milliarden in den Um-, Aus- und Neubau ihrer Produktionskapazitäten.

          Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens gehen trotz aktueller Unsicherheiten in der Welt von einem starken Wachstum der gesamten Branche aus. So soll der Umsatz des Unternehmens in diesem Jahr um rund ein Drittel steigen, wie Liu auf dem Aktionärstreffen sagte. Bisher hatte der Konzern mit einem Wachstum im Bereich von 20 Prozent gerechnet. Mit diesem Wachstumsziel läge TSMC deutlich über dem Branchendurchschnitt.

          Branche im Boom

          Nach Angaben des Branchenverbands European Semiconductor Industry Association (ESIA) wird die Branche 2022 insgesamt rund 16 Prozent mehr erlösen als 2021 – und so die Umsatzmarke von 650 Milliarden Euro überspringen. Spätestens 2030 soll dann die Hürde von einer Billion Euro erreicht werden. Wie die ESIA am Mittwoch mitteilte, wird Asien weiterhin die größte Fertigungsregion der Welt bleiben, gefolgt von Amerika und Europa. Asiatische Unternehmen wie Samsung und TSMC gehören zu den entscheidenden Treibern dieser Entwicklung.

          Im vergangenen Jahr erlösten die Taiwaner rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. TSMC hatte 2021 mit einem Rekordgewinn von 596,54 Milliarden Taiwan-Dollar (18 Milliarden Euro) abgeschlossen. Der Umsatz war um 18 Prozent auf 1 587 Milliarden Taiwan-Dollar gestiegen. Die Investitionen betrugen dabei mehr als 25 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr sollen sie rund 40 Milliarden Euro betragen.

          Vor dem Hintergrund der global steigenden Chipnachfrage rüstet TSMC seine Werke, Fabriken und Anlagen weiter auf und hat dabei die Märkte in Asien, Amerika und Japan fest im Blick. Ziel ist, die Position als wirtschaftlich und technologisch führender Chipauftragsfertiger der Welt auf Dauer zu sichern. Die Taiwaner fertigen Halbleiterbausteine für die wichtigsten Hersteller von Computern und Smartphones wie Sony, Apple oder HP. Das macht TSMC nicht nur in der momentan florierenden Chipbranche zu einem Schlüsselunternehmen.

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