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Trump gegen China : Ein Alarmsignal für die Musikindustrie

Lil Nas X wurde durch Tiktok zum Star. Bild: AP

Amerika geht gegen die Tiktok-Muttergesellschaft Bytedance und den chinesischen Technologiekonzern Tencent vor. Das kann die Musikindustrie empfindlich treffen – und das gleich mehrfach.

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          Aus dem Schneider, zumindest vorerst: So umschreibt die Branchen-Website „Music Business Worldwide“ die Lage von Universal Music, Warner Music und Spotify, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump ein Dekret gegen die chinesischen Unternehmen Bytedance und Tencent erlassen hat. Das Dekret verbietet amerikanischen Unternehmen nach einer Frist von 45 Tagen, mit Bytedance und dessen Gesellschaften Geschäfte zu machen. Im Fall von Tencent verhält es sich aber offenbar aktuell ein wenig anders.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während der Text zu Bytedance auf jegliche Verbindungen zum Unternehmen als solches abzielt, ist hier zunächst gezielt von „Transaktionen in Verbindung mit Wechat“, der populären Tencent-App, die Rede. Dieser Punkt ist für die Musikindustrie von großer Bedeutung. Denn Tencent hält 10 Prozent der Anteile an Universal Music sowie 9 Prozent am Musik-Streamingdienst Spotify und hat nach der Börsenrückkehr im Juni auch Aktien von Warner Music erworben.

          Laut der Vereinbarung mit Universals Muttergesellschaft, dem französischen Medienkonzern Vivendi, verfügt das von Tencent angeführte Käuferkonsortium zudem über eine Option zum Kauf weiterer 10 Prozent an dem amerikanischen Musikunternehmen zum selben Preis. Anfang des Jahres wurde Universal Music mit 30 Milliarden Euro bewertet.

          Tencent als zentraler Partner

          Gegenüber der „Los Angeles Times“ betonte ein Beamter des Weißen Hauses, dass das Dekret lediglich auf Wechat abziele und auch Videospiel-Unternehmen wie beispielsweise der „Fortnite“-Entwickler Epic Games von dem Dekret nicht betroffen seien. In dieser Branche ist Tencent ebenfalls breit investiert. Fraglich bleibt, wie weitreichend das teils vage formulierte Dekret nach Ablauf der 45 Tage letztlich angewandt wird und sich der Konflikt zwischen Amerika und China entwickelt. Alarmiert dürfte die Musikindustrie in jedem Fall sein.

          Tencents globale Investmentstrategie im Bereich Unterhaltung könnte auf den Prüfstand gestellt werden, so der britische Branchenfachmann Mark Mulligan auf seinem Blog. Sollte Tencent seine Anteile an den Musikunternehmen abgeben müssen, könnte das schwerwiegende Folgen für die Branche haben. Schließlich habe der Konzern hohe Preise für seine Beteiligungen gezahlt und somit den Wert von Anlagen im Musikbereich generell gesteigert. Neben den Beteiligungen verbindet Tencent und die westlichen Musikriesen auch der börsennotierte Streamingdienst der Chinesen.

          Die Tochtergesellschaft des Konzerns, Tencent Music Entertainment, beherrscht den chinesischen Streamingmarkt laut Mulligan mit einem Anteil von rund 78 Prozent. 651 Millionen monatlich aktive Nutzer vermeldete das Unternehmen am Dienstag. Darunter waren im zweiten Quartal 2020 demnach 47,1 Millionen zahlende Hörer – ein Wachstum von 51,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Spotify zählte jüngst 299 Millionen Nutzer, wovon 138 Millionen die Bezahlversion abonniert hatten.

          Tiktok als Werkzeug zum Anbahnen von Superhits

          Überdies ist Tencent der zentrale Partner für die drei großen Labels, Universal, Warner und Sony Music, um ihren Werkekatalog auf den hiesigen Diensten zugänglich zu machen. Die Konkurrenz von Tencent Music muss Sublizenzen über den Marktführer erwerben, um das Repertoire ebenfalls anzubieten. Ein umstrittenes Modell, das auch die chinesischen Kartellbehörden schon auf den Plan gerufen haben soll. Am Dienstag verkündete allerdings das größte der drei sogenannten Majors, Universal Music, erstmals eine direkte Lizenzvereinbarung mit Tencent-Wettbewerber Netease Cloud Music.

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