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Tiktoker gegen Rassismus : „Influencer können Werte bewerben, aber bitte keine Parteien“

Younes Zarou ist einer der erfolgreichsten Tiktoker Deutschlands. Bild: Younes Zarou

Younes Zarou und Onkel Banjou erreichen auf Tiktok ein Millionenpublikum. Sie reden darüber, wie häufig sie Rassismus erleben, wie sie mit Hatern umgehen – und wie politisch Influencer sein dürfen.

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          Knapp 30 der am häufigsten nachgefragten Tiktok-Influencer Deutschlands haben am Mittwochabend gemeinsam zum Kampf gegen Rassismus aufgerufen. In Schwarz-Weiß-Videos sprechen sie alle das selbe Zitat in die Kamera: „Unser Leben beginnt zu enden an dem Tag, an dem wir wichtige Dinge totschweigen. Gib Rassismus keine Chance.“ Hinter der Kampagne stehen die Social-Media-Beratung Onlinepunks und der Unterhaltungskanal Frontpage TV.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. erklären die beiden Influencer Younes Zarou und Onkel Banjou, warum sie sich an der Aktion beteiligen. Zarou zählt mit 6,7 Millionen Followern auf Tiktok zu den größten des Landes, er ist 22 Jahre alt, wohnt in Frankfurt und studiert Wirtschaftsinformatik. Onkel Banjou ist ein Deutschrap-Newcomer und hat 1,2 Millionen Follower auf Tiktok. Zur Wahrung seiner Privatsphäre gibt er weitere Informationen nicht preis.

          Ihr beteiligt euch an einer Kampagne gegen Rassismus auf Tiktok. Warum?

          Onkel Banjou: Weil das genau mein Anliegen ist: Mehr Liebe, also „Good Vibes Only“ verbreiten in der Welt. Es ist meine Verantwortung als Influencer und Creator, der auf einer Plattform zugange ist, auf der viele Kinder und Jugendliche sind, aber auch zunehmend mehr Erwachsene – und dort meine Meinung zu vertreten und klar Flagge zu zeigen.

          Younes Zarou: Reichweite verpflichtet. Ich bin der Meinung, dass jeder seine Reichweite für gute Dinge einsetzen sollte. Wie diese Kampagne jetzt zum Beispiel.

          Tiktok-Creator Onkel Banjou

          Wie häufig erlebt ihr selbst Rassismus?

          Banjou: In der Kindheit habe ich das wesentlich häufiger erfahren aufgrund meiner Hautfarbe. Jetzt habe ich nicht mehr die Ohren dafür. Aber ich merke es immer noch an der klassischen Frage: Woher kommst du? Dann antworte ich: Ich bin in Hamburg geboren. Dann kommt die zweite Frage: Aber woher kommst du wirklich? Hamburg Winterhude. Dann kommt die dritte Frage: Nein, woher wirklich? Dann sage ich: So gut kennen wir uns jetzt noch nicht, dass ich dir auch noch die Straße nenne. Lacht. Das ist nichts Schlimmes, ich würde nicht sagen, dass das Rassismus ist. Aber es geht in die Richtung: Da ist jemand, der kommt von irgendwo anders her, der ist fremd, selbst wenn ich sage: Ich bin Deutscher, ich bin in Deutschland geboren. Wirklich harten Rassismus erlebe ich nicht mehr so oft.

          Zarou: Ich erfahre das eher von älteren Leuten. Wenn so etwas auf der Plattform vorkommen sollte, dann weist meine Tiktok-Community den zurecht und macht ihn auf den Fehler aufmerksam.

          Wie geht ihr mit Hatern um?

          Zarou: Hate kriegt man recht oft. Ich reagiere mit positiver Energie. Letzte Woche hat jemand einen Kommentar gepostet: „Du machst nur schlechte Videos, keine Ahnung, wie du so viele Follower hast.“ Dann bin ich auf seinen Kanal gegangen und hab sein letztes Video kommentiert: „Tut mir leid, du machst bessere Videos als ich, und ich feiere deinen Content.“ Fünf Sekunden danach hat er geschrieben: „Tut mir leid, ich war schlecht drauf, kannst du mir bitte einen Shoutout geben?“ So werden auch Hater zu Fans.

          Was ist ein Shoutout?

          Zarou: Damit kann ich eine Person oder Kanal pushen und meine Community auf etwas aufmerksam machen.

          Wie häufig seid Ihr auf Tiktok rassistischen Anfeindungen ausgesetzt?

          Zarou: Eher selten, ich habe das noch nicht erlebt. Wenn so etwas passieren sollte: Drüber stehen und positiv reagieren.

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