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Tiktok in Europa : Ein Datenzentrum soll milde stimmen

Tiktok ist zwischen die Fronten der Geopolitik geraten. Bild: AFP

Tiktok ist zwischen die Fronten der Geopolitik geraten. Jetzt kündigt das Unternehmen neue Investitionen in Europa an.

          3 Min.

          Tiktok versucht mit neuen Maßnahmen, Öffentlichkeit und Politik in Europa und Amerika milde zu stimmen. Die umstrittene Kurz-Video-Plattform, die vor allem unter jungen Menschen sehr beliebt ist und aktuell so häufig heruntergeladen wird, wie kaum eine andere App, hat angekündigt, ein erstes Datenzentrum in Europa zu bauen. So wie viele andere Tech-Unternehmen wählt das Soziale Netzwerk dafür den Standort Irland.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Tiktok gehört dem chinesischen Bytedance-Konzern. Es gibt deshalb Befürchtungen, die chinesische Regierung könnte Zugriff auf die Daten der Tiktok-Nutzer haben. Die Plattform bestreitet das vehement.

          In Amerika will Tiktok stärker gegen die Verbreitung von Falschnachrichten vorgehen, die Maßnahme richte sich vor allem auf die Präsidentschaftswahl im November, teilte Tiktok mit. Dafür will das Unternehmen mit Fakten-Checkern zusammenarbeiten, die die Falschnachrichten identifizieren sollen. Nutzer sollen zudem die Möglichkeit erhalten, ihnen suspekte Nachrichten melden zu können. Gleichzeitig arbeite man mit Fachleuten und Institutionen, darunter das amerikanische Heimatschutzministerium, zusammen, um zu verhindern, dass Akteure aus dem Ausland Einfluss nehmen. In diesem Zusammenhang betonte Tiktok, dass es keine politischen Werbeanzeigen akzeptiere.

          Die App ist in den vergangenen Wochen in die Mühlen der internationalen Politik geraten. In Indien wurde sie schon verbannt, Präsident Donald Trump droht, sie nun auch in Amerika zu verbannen. Das könnte verhindert werden, wenn Microsoft, das sein Interesse öffentlich bekundet hat, einige Tiktok-Teile, darunter das Amerika-Geschäft, aufkauft. Trump hat Microsoft für die Übernahme eine Frist bis Mitte September gesetzt und fordert, dass das amerikanische Finanzministerium einen Teil der Kaufsumme erhält. Tiktok versucht dabei verzweifelt, sich als amerikanisches Unternehmen zu präsentieren, hat beispielsweise seit einigen Monaten einen amerikanischen Chef. Zudem hat das Unternehmen hohe Investitionen angekündigt und seine Lobby-Arbeit in Washington intensiviert.

          420 Millionen Euro teuer

          Nicht nur die Tiktok-Community fürchtet, dass sich auch in Europa eine Debatte um ein Verbot der Plattform entzünden könnte. Der europäische Datenschutzausschuss nimmt das Netzwerk aktuell schon unter die Lupe. Zuständig ist aber die irische Datenschutzbehörde, die bekannt dafür ist, nicht besonders streng zu sein. Mit dem neuen Datenzentrum, das laut Tiktok 420 Millionen Euro kosten, hunderte Arbeitsplätze schaffen und Anfang 2022 in Betrieb genommen werden soll, baut das Unternehmen seine Präsenz in Irland aus. Seit Anfang 2020 steht in Dublin auch schon der „Trust and Safety Hub“ der Plattform. 

          In dem Datenzentrum sollen künftig die Informationen der europäischen Nutzer gespeichert werden, die bisher auf Servern in den Vereinigten Staaten und Singapur lagern. Damit würde Tiktok Bedenken entgegenkommen, die sich in Europa schon seit geraumer Zeit an den niedrigeren Datenschutzstandards in Amerika entzündet haben. Erst im Juli hat der Europäische Gerichtshof das Datenschutzabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten für unwirksam erklärt, weil dadurch der hohe Standard in Europa unterlaufen werden könnte. Damit wird der Austausch der Daten über den Atlantik künftig komplizierter. Große Tech-Konzerne wie IBM und Microsoft bauen deshalb in Europa große Datenzentren auf, um den Umweg über die Vereinigten Staaten zu vermeiden. Nun scheint auch Tiktok diesen Weg gehen zu wollen.

          Die für Amerika angekündigten Maßnahmen zur Präsidentschaftswahl entsprechen weitgehend denen, die auch andere große Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Youtube ergreifen. Sie kooperieren ebenfalls mit Faktencheckern und während Twitter keine politischen Werbeanzeigen akzeptiert, lässt Facebook diese nach wie vor zu, allerdings in immer engerem Rahmen.

          Die Maßnahmen werden sowohl von Republikanern als auch von Demokraten kritisiert. Während Politiker der Republikanischen Partei, darunter Präsident Donald Trump, fürchten, die Netzwerke könnten konservative Meinungen unterdrücken, gehen den Demokraten viele Schritte nicht weit genug. Erst Ende Juli wurden die Vorstandsvorsitzenden von Facebook, Amazon, Apple und dem Google-Konzern Alphabet vor den amerikanischen Kongress zitiert, dabei ging es um ihre Marktmacht, aber auch um ihren politischen Einfluss. Am Donnerstag sorgte für Aufregung, dass Facebook und Twitter ein Video der Trump-Kampagne gelöscht hat, in dem behauptet wurde, dass Kinder weitgehend immun seien gegen das Corona-Virus.

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