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Digitalwährungen : Was aus Teslas Bitcoin-Kauf folgt

Elon Musk ist schon lange als Fan von Digitalwährungen bekannt - nun macht er ernst. Bild: Reuters

Der Autokonzern legt einen Teil seiner Barreserven in der Digitalwährung an. Außerdem überlegt er, in Zukunft Bitcoin auch als Bezahlung zu akzeptieren. Das könnte der Durchbruch für die Digitalwährung werden.

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          Tesla hat Bitcoin am Montag zu einem neuen Höhenflug verholfen. Der von Elon Musk geführte Elektroautohersteller teilte mit, er habe 1,5 Milliarden Dollar in die Digitalwährung investiert und wolle sie künftig auch als Bezahlmittel akzeptieren. Das dürfte Tesla zum bislang mit Abstand prominentesten Unternehmen machen, dessen Produkte mit Bitcoin gekauft werden können.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.
          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Nachricht ist ein bedeutender Vertrauensbeweis für die Digitalwährung und wurde an den Finanzmärkten bejubelt. Der Bitcoin-Kurs stieg zeitweise um 15 Prozent auf ein neues Rekordhoch von mehr als 44.000 Dollar.

          Teslas Ankündigung kam, nachdem Musk sich in den vergangenen Wochen wiederholt positiv zu Bitcoin geäußert hatte. In einem Gespräch auf der Audio-Plattform Clubhouse sagte er kürzlich, er halte die Kryptowährung für eine „gute Sache“ und unterstütze sie. Er finde heute, er hätte schon vor acht Jahren Bitcoin kaufen sollen und sei „spät zur Party gekommen“.

          Musk hat auch zwischenzeitlich seiner Kurzbiografie auf Twitter das Schlagwort „#bitcoin“ und das Logo der Währung hinzugefügt. Tesla teilte nun mit, im Januar seine hauseigenen Regeln für Investitionen geändert zu haben, womit es möglich geworden sei, Geld in „alternative“ Anlageformen wie etwa „digitale Vermögenswerte“ zu stecken. Daraufhin sei es zur Bitcoin-Investition gekommen. Als Bezahlmittel wolle Tesla die Währung von seinen Kunden zunächst in begrenztem Umfang und im Einklang mit jeweils geltenden Gesetzen akzeptieren. Bitcoin-Zahlungen könnten dann sowohl gehalten als auch in Bargeld umgewandelt werden.

          Das Unternehmen steht finanziell solide da

          Tesla hat das Bitcoin-Engagement in seinem Jahresbericht publik gemacht und dort auch unter den Risikofaktoren für das Unternehmen aufgelistet. Dort wurde darauf hingewiesen, die Preise für digitale Vermögenswerte seien oft „hochvolatil“ und könnten dies auch künftig sein. Sie seien auch anfällig für Hacking-Angriffe und könnten eines Tages technisch überholt sein. Die Investition entspricht einem kleinen, aber auch nicht unerheblichen Teil von Teslas Barbeständen, die zum Jahresende bei 19,4 Milliarden Dollar lagen. Das Unternehmen steht finanziell derzeit recht solide da. Es hat gerade zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Jahresgewinn ausgewiesen. Dies hat es freilich seinem hochprofitablen Nebengeschäft mit Emissionspunkten zu verdanken, die es von Regierungen für die Produktion von Elektroautos bekommt und an andere Hersteller weiterverkaufen kann. Der Aktienkurs von Tesla hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verfünffacht, das Unternehmen wird mit fast 830 Milliarden Dollar bewertet, weit mehr als jeder andere Autohersteller in der Welt.

          Tesla ist dabei nicht das erste Unternehmen, aber ohne Zweifel das prominenteste, welches in Bitcoin investiert ist. Zuvor legte der Softwarekonzern Microstrategy 1,1 Milliarden Dollar in Kryptowährungen an. Der mobile Bezahldienst Square, gegründet von Twitter-Erfinder Jack Dorsey, investierte immerhin 50 Millionen Dollar. Auch institutionelle Investoren haben die Zeichen der Zeit erkannt und stecken ihr Geld immer häufiger in Digitalwährungen. Prominentestes Beispiel dürfte die 170 Jahre alte Massachusetts Mutual Lebensversicherung sein, die immerhin 100 Millionen Dollar in Digitalwährungen investiert hat und sich an der New York Digital Investment Group beteiligt hat, die für ihre Kunden 2,3 Milliarden Dollar in Digitalwährungen halten. Aber auch der Miller Opportunity Trust hatte zuletzt angekündigt, rund 300 Millionen Dollar in Digitalwährungen investieren zu wollen.

          Bitcoin werden immer knapper

          Manche Marktbeobachter sehen das als Durchbruch für die Digitalwährung an: Der Analyst Timo Emden sieht in dem Investment einen „weiteren Ritterschlag“. Antoni Trenchev, Mitgründer des Digitalwährungsexperten Nexo, geht noch weiter: „Das spricht Bände über das Ausmaß, in dem Kryptowährungen von Institutionellen Investoren akzeptiert werden“. Er rechnet damit, dass zehn Prozent aller im amerikanischen Aktienindex S&P 500 vertretenen Unternehmen bis Ende 2022 in Digitalwährungen investiert sein werden. „Tesla hat jetzt den Weg geebnet“, meint Trenchev.

          Der Einstieg von institutionellen Investoren führt nun auch zu einer Verknappung der Bitcoin-Reserven an den Handelsplätzen. Innerhalb eines Jahres sind die Bestände von rund 3 Millionen auf 2,34 Millionen Bitcoin zurückgegangen. Die Verknappung trägt ihr übriges dazu bei, die Kurse anzutreiben. Wie erwachsen die Digitalwährungen geworden sind, sieht man auch an anderen Stellen. Mittlerweile gibt es mehr als 8000 von ihnen, die insgesamt rund 1,3 Billionen Dollar wert sind. Bitcoin ist dabei die älteste und bekannteste, auf die mehr als 60 Prozent der Marktkapitalisierung entfallen. Die zweitgrößte Digitalwährung Ethereum konnte zuletzt ebenfalls neue Rekorde vermelden und notierte auf rund 1700 Dollar.

          Gleichzeitig debüttierten Terminkontrakte an der amerikanischen Börse CME. Die Einführung von Ethereum-Futures sei ein Meilenstein für „Altcoins“, sagte Analyst Timo Emden. Unter diesem Begriff verstehen sich alle Kryptowährungen, die nach dem Pionier Bitcoin auf den Markt kamen. Bislang gab es nur auf Bitcoin einen Future.

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