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312 Millionen Dollar : Tesla schreibt nun schwarze Zahlen

Elon Musk Bild: AFP

Bis zuletzt gab es große Zweifel an dem E-Autohersteller. Doch Elon Musk hält sein Versprechen – und die Börse ist begeistert. Ein bekannter Leerverkäufer zeigt sich bekehrt.

          3 Min.

          Elon Musk ist bekannt dafür, kühne Prognose abzugeben und diese dann zu verfehlen. Diesmal aber kann der Vorstandsvorsitzende des Elektroautoherstellers Tesla behaupten, ein Versprechen gehalten zu haben. In seinem am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht wies Tesla wie von Musk in Aussicht gestellt einen Nettogewinn aus, er betrug 312 Millionen Dollar. Es war das erste profitable Quartal seit zwei Jahren und erst der dritte Gewinn, seit Tesla an der Börse ist. Anders als in den vorherigen Fällen soll Tesla nun auf Dauer profitabel sein, und auch für das vierte Quartal wird ein Nettogewinn vorhergesagt. Die Börse zeigte sich erfreut, der Aktienkurs stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um 12 Prozent auf mehr als 320 Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Musk sprach in einer Mitteilung von einem „wirklich historischen Quartal“. Vor einem Jahr hatte Tesla noch einen Verlust von 619 Millionen Dollar gemeldet. Neben einem Gewinn wies Tesla auch einen positiven Mittelzufluss (Free Cash Flow) aus und konnte sein Liquiditätspolster vergrößern. Der Bestand an liquiden Mitteln war noch bis zum zweiten Quartal rückläufig, und viele Analysten meinten, Tesla werde sich womöglich an den Finanzmärkten weiteres Kapital beschaffen müssen. Der Autohersteller machte im abgelaufenen Quartal auch Fortschritte in der Produktion seines „Model 3“. Im Schnitt fertigte er 4300 Exemplare in der Woche, zum Quartalsende waren es 5300. Tesla hat die Stückzahlen für das Auto viel langsamer erhöht als ursprünglich erhofft, sagte aber jetzt, das Produktionssystem habe sich im vergangenen Quartal „stabilisiert“.

          Zur Herstellung eines Model 3 seien 30 Prozent weniger Arbeitsstunden nötig gewesen als in den drei Monaten zuvor, und die mit dem Auto verbundenen Bruttomargen hätten sich „sehr deutlich“ erhöht. Das Model 3 ist für Tesla von enormer Bedeutung. Es ist viel billiger als die vorherigen Premiummodelle und soll dem Unternehmen Zugang zum Massenmarkt verschaffen. Bislang ist es nur in Amerika verfügbar, aber wie es am Mittwoch hieß, soll es Anfang nächsten Jahres auch in Europa ausgeliefert werden. Mit Blick auf Europa zeigte sich Tesla sogar besonders optimistisch. Der Markt für mittelgroße Premiumlimousinen wie das Model 3 sei hier mehr als doppelt so groß wie das vergleichbare Segment in den Vereinigten Staaten.

          Deutlich bessere Zahlen als erwartet

          Bis Juli dieses Jahres lief die Anschaffung eines Model 3 über Reservierungen, die im Gegenzug für eine nicht verbindliche und voll erstattungsfähige Anzahlung gemacht werden konnten. Seither nimmt Tesla Direktaufträge entgegen. Zwischenzeitlich gab es die Sorge, dass viele dieser Reservierungen storniert worden sein könnten. Tesla hat die Zahl der Nettoreservierungen zum letzten Mal im August vergangenen Jahres auf 455.000 beziffert. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, seien davon „weniger als 20 Prozent“ storniert worden, und es werde erwartet, dass die meisten der verbleibenden Reservierungen in echte Aufträge umgewandelt würden. In Europa und China will Tesla noch vor Ende dieses Jahres beginnen, Aufträge für das Model 3 entgegenzunehmen.

          Tesla

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          Die Tesla-Zahlen waren insgesamt deutlich besser als erwartet. Der Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 6,8 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, die Prognose von Analysten hatte bei 6,3 Milliarden Dollar gelegen. Der Gewinn je Aktie vor Sonderposten betrug 2,90 Dollar, Analysten hatten einen Verlust von 15 Cent erwartet. Zumindest ein Stück weit dürfte das Erreichen der Profitabilität mit dem Verkauf sogenannter „Zero Emission Vehicle Credits“ zu tun haben. Solche Emissionspunkte bekommen Tesla und andere Hersteller für die Produktion von Elektroautos, und sie können sie an andere Unternehmen weiterverkaufen. Dieser Handel ist mit hohen Gewinnmargen verbunden und brachte Tesla im vergangenen Quartal einen Umsatz von 52 Millionen Dollar ein. Im zweiten Quartal hatte Tesla keine Umsätze aus solchen Geschäften verbucht.

          Schon vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen hat Tesla unerwartete Unterstützung von einem seiner bisher prominentesten Kritiker bekommen. Andrew Left von Citron Research hat angekündigt, nun erstmals auf einen steigenden Aktienkurs von Tesla zu setzen. Left gehörte bislang zum Lager der „Shortseller“, also der von Musk verachteten Leerverkäufer, die auf einen fallenden Tesla-Kurs setzen. Left begründete seinen plötzlichen Optimismus mit dem Model 3, das er als „erwiesenen Hit“ bezeichnete. Zudem hätten sich viele Warnsignale rund um Tesla als nicht erheblich erwiesen, und das Unternehmen habe wenig starke Konkurrenz. Bislang gebe es keine „Tesla-Killer“, auch wenn diese in der Branche oft heraufbeschworen würden.

          Tesla hat ein turbulentes Quartal hinter sich: Musk versetzte die Finanzmärkte im August mit seiner Ankündigung, das Unternehmen vielleicht von der Börse nehmen zu wollen, in Aufregung. Er behauptete dabei zunächst, die Finanzierung des Vorhabens sei gesichert, musste aber bald zugeben, keine festen Zusagen gehabt zu haben. Er gab den Plan einige Wochen später auf, aber seine Aussagen brachten ihn ins Visier der Börsenaufsicht SEC, die ihn wegen Wertpapierbetrugs verklagte. Mittlerweile haben sich beide Seiten geeinigt einen Vergleich geschlossen. Musk hat zugestimmt, seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrats niederzulegen. Auch Andrew Left hat Musk und Tesla im Zusammenhang mit dem zwischenzeitlich geplanten Börsenrückzug verklagt. An der Klage will er festhalten.

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