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Tesla Model 3 : Hat sich Elon Musk verkalkuliert?

  • Aktualisiert am

Tesla-Gründer Elon Musk im Juni 2018 bei einer Pressekonferenz in Chicago. Bild: AP

Tesla-Chef Elon Musk will von Stornierungen von Model-3-Reservierungen nichts wissen. Überraschend veröffentlicht er Absatzzahlen – doch die verraten vielleicht mehr, als ihm lieb ist.

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          Der umtriebige Tesla-Chef Elon Musk ist mittlerweile nicht mehr nur für seine visionären Pläne bekannt, sondern auch für sein ungestümes Gemüt. Das kommt besonders dann zum Vorschein, wenn es negative Schlagzeilen über sein Unternehmen gibt – und das passiert in letzter Zeit häufig.

          Am Freitag fühlte sich der 47-Jährige wieder einmal genötigt, sich und sein Unternehmen zu verteidigen. In gewohnt ruppiger Manier dementierte er in einem Tweet auf Twitter einen Bericht der New Yorker Investmentbank Needham & Co., demzufolge rund ein Viertel der mehr als 400.000 Reservierungen für das Elektroauto Model 3 zurückgezogen worden seien und die Stornierungen mittlerweile die Bestellungen übertreffen würden. 24 Prozent der seit Juli 2017 eingegangenen Bestellungen seien storniert worden, meldete die Bank, was sich mit einem Bericht der Datenplattform SeconMeasure vom Juni deckt. Infolge des Analystenberichts hatte Needham & Co. die Tesla-Aktien herabgestuft.

          Musk nannte den Bericht „bs“, also „bullshit“, was so viel wie „Schwachsinn“ bedeutet. Um die Gerüchte zu parieren, entschied er sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er fügte der Rüge wöchentliche Absatzzahlen hinzu, wohl, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen. In der Vorwoche seien 5000 neue Bestellungen für das Model 3 sowie 2000 Bestellungen für die älteren Modelle S und X eingegangen – und zwar netto, also abzüglich der Abbestellungen.

          Die Zahlen passen nicht zusammen

          Die Analysten sehen das anders. „Basierend auf unseren Analysen sind die Rückerstattungen schneller als die Anzahlungen, da die Stornierungen zunehmen“, schrieb Analyst Rajvindra Gill in einer Mitteilung. Die Gründe seien vielfältig: verlängerte Wartezeiten, das Auslaufen der amerikanischen Steuerförderung für ein Elektrofahrzeug und, dass das Basismodell für erschwingliche 35.000 Dollar noch nicht verfügbar sei „Die Wartezeiten für das Model 3 betragen derzeit vier bis zwölf Monate, und da das Basismodell erst Mitte 2019 verfügbar ist, müssen sie sich bis 2020 gedulden,“ erklärte Gill.

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          Doch bei genauerem Hinsehen könnte Tesla ein viel größeres Problem haben als lange Wartezeiten. Ein Konzernsprecher teilte CNBC Ende Juni mit, dass Tesla das Model 3 innerhalb von einem bis drei Monaten liefern könne. Von den 420.000 Bestellungen, die Tesla zum Ende des zweiten Quartals zählte, seien bereits 28.386 Model-3-Fahrzeuge ausgeliefert worden. CNBC berichtet zudem, dass drei Personen, die schon früh ein Model 3 bestellt hatten, vor kurzem von Tesla informiert wurden, dass sie ihren Tesla sogar noch schneller erhalten könnten.

          Das passt jedoch nicht mit den Zahlen zusammen, die Musk Ende des zweiten Quartals präsentiert hat. Laut seiner Aussage hat der Autobauer sein angepeiltes Ziel, in der letzten Woche des Monats Juni 5000 Model 3 zu produzieren, erreicht. Im Juli sollen nun 6000 und langfristig schließlich wie ursprünglich geplant 8000 Fahrzeuge über die Produktionsbänder rollen. Sogar im besten Fall, also bei 8000 produzierten Exemplaren pro Woche, würde es mehr als ein Jahr dauern, bis alle bestehenden Reservierungen abgearbeitet sind – vorausgesetzt, jeder, der ein Fahrzeug reserviert hat, gibt auch eine Bestellung ab.

          Das Model 3 muss ein Erfolg werden

          Anders ausgedrückt: Wenn Tesla das Model 3 in weniger als drei Monaten liefern kann, legt das nahe, dass entweder mehr Reservierungen zurückgezogen wurden, als bekannt ist – Tesla wurde schon mehrmals beschuldigt, falsche Zahlen herauszugeben. Oder, dass eine große Anzahl der Reservierungen bislang nicht in tatsächliche Bestellungen übergegangen ist. Das wäre ein herber Rückschlag für das Unternehmen, denn Tesla hofft eigentlich, die Produktion in seinem Werk in San Francisco endlich hochfahren zu können, um seine Fahrzeuge künftig für den Massenmarkt produzieren zu können. Sollten die Neubestellungen ausbleiben, würde das dem E-Autobauer einen Strich durch die Rechnung machen. Mit seinem Tweet verriet Musk, dass die aktuellen Bestelleingänge hinter der Wunsch-Marke von 8000 zurückbleiben. Und mit jedem ausgelieferten, vorbestellten Model 3 wird die Nachfragelücke noch größer. 

          Erschwerend kommt hinzu, dass Tesla laut eigenen Angaben nun insgesamt 200.000 Elektroautos verkauft hat und damit die staatlich festgesetzte Grenze für die E-Autoprämie erreicht ist. Die Subvention wird ab 2019 halbjährlich halbiert, bis sie 2020 ausläuft. Auch die Konkurrenz schläft nicht: In den nächsten 24 Monaten wollen etwa VW, Volvo und General Motors mit eigenen massentauglichen Elektroautos nachziehen.

          Doch auf einen Erfolg des Model 3 kann Tesla eigentlich nicht verzichten. Musk hat seinen Investoren versprochen, das Unternehmen mit dem Mainstream-Wagen bis Mitte kommenden Jahres aus den roten Zahlen zu manövrieren. Das kann jedoch nur gelingen, wenn Tesla die produzierten Autos auch an den Mann bringen kann. Einen Rückgang der Bestellungen oder einen Anstieg der Stornierungen kann sich das Unternehmen nicht leisten.

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