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Anschlusspreise : Die Telekom bekommt mehr Geld für die „letzte Meile“

Die Deutsche Telekom soll mehr Geld bekommen. Bild: Reuters

600 Millionen Euro „Anschlussmiete“ kassierte die Telekom im vergangenen Jahr. Nun hat ihr die Netzagentur einen happigen Aufschlag erlaubt – und nennt Gründe.

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          In der Branche wurde sie gern als „Mutter aller Vorleistungen“ bezeichnet: die Kupferdoppelader, die von den Hauptverteilern und Schaltkästen der Deutschen Telekom in die Haushalte führt.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Wer mit eigenen Angeboten zu den Kunden will, kommt meistens am Bonner Telefonriesen nicht vorbei, weil der ehemalige Monopolist noch immer die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) auf der „letzten Meile“ beherrscht. Auch im anbrechenden Glasfaser-Zeitalter mieten viele Wettbewerber weiterhin den nackten Kupferdraht und verschaffen der Telekom üppige Zusatzeinnahmen.

          Rund 5,2 Millionen TAL-Verträge hatte der Konzern Ende 2018; bei einer Monatsmiete von 10,02 Euro je Anschluss kamen gut 600 Millionen Euro im Jahr zusammen. Von Juli an soll die Rechnung für die Konkurrenz um mehr als 10 Prozent steigen: auf 11,19 Euro im Monat. So will es die Bundesnetzagentur, die an diesem Mittwoch die neuen Gebührensätze vorgestellt hat.

          Der Platzhirsch verdient immer mit

          Begründet wird die happige Verteuerung mit dem Anstieg der Kupferpreise und höheren Tiefbaukosten. Das sind allerdings hypothetische Kalkulationen für die Netzregulierung, denn die allermeisten Leitungen liegen längst in der Erde. „Für altes Kupferkabel zahlen wir wie bei einem kompletten Neubau“, kritisierte denn auch Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM.

          Vodafone als einer der Telekom-Großkunden schlug die Verbindung zur geplanten Kabelfusion mit Unitymedia. Die Preiserhöhung zeige, wie wichtig ein stärkerer Infrastrukturwettbewerb sei, um den Gigabit-Ausbau voranzubringen, sagte ein Sprecher.

          Die Kommentare wären wohl noch gereizter ausgefallen, hätte die Bedeutung der TAL nicht stark abgenommen. Binnen weniger Jahre hat sich die Zahl der vermieteten entbündelten Kupferdrähte halbiert, weil immer mehr Wettbewerber auf einen Bitstrom-Zugang von der Telekom umstellen. Dabei liefert die Telekom den kompletten Datenstrom für Internetanschlüsse über Schnittstellen an das Netz der Konkurrenz.

          Aber auch das lässt sie sich gut bezahlen. Für einen VDSL-Anschluss mit bis zu 50 Megabit je Sekunde werden gut 18 Euro im Monat fällig, für eine mit Vectoring auf bis zu 100 Megabit je Sekunde aufgerüstete Verbindung sind es 19,10 Euro im Monat. Gut 6,7 Millionen derartiger Großhandelsverträge für Breitbandanschlüsse standen zum Jahreswechsel in der Telekom-Bilanz, Tendenz stetig steigend.

          Die Endkunden sind zwar bei der Konkurrenz. Aber von jedem Euro, den die Wettbewerber einnehmen, landen einer VATM-Marktstudie zufolge rund 70 Cent beim Bonner Platzhirsch.

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