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Unzufriedene Kunden : Die Telekom verliert einen Millionenauftrag

Im Sicherheitszentrum der Telekom. Bild: Reuters

Die Geschäftskunden-Sparte der Telekom verliert einen Auftrag für 700 Millionen Euro. Offenbar waren die Kunden mit der Leistung unzufrieden.

          2 Min.

          Es ist kein guter Start für Adel Al-Saleh, den neuen T-Systems-Chef, der die Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom seit Jahresbeginn führt. Der langjährige IBM-Manager, Jahrgang 1963, hat einen seiner wichtigsten Kunden verloren. Mit dem Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte die Telekom-Tochtergesellschaft Ende 2014 einen Siebenjahresvertrag im Gesamtvolumen von 700 Millionen Euro abgeschlossen. Damit ist vorzeitig Schluss.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Thyssen-Krupp und T-Systems haben einvernehmlich ihre Zusammenarbeit bei der IT-Konsolidierung im Rahmen des unITe Programms beendet“, teilte Thyssen-Krupp am Donnerstag mit. Bilanziell hat die Telekom dieses Ereignis schon seit den letzten Quartalszahlen eingepreist; allerdings war der Name des abspenstigen Kunden nicht veröffentlicht worden. Als Grund für den Ausstieg wurde nun auf veränderte strategische Zielprioritäten auf Seiten beider Unternehmen verwiesen sowie auf veränderte Rahmenbedingungen auf dem Outsourcing-Markt.

          Hinter diesen Wortungetümen verbirgt sich eine grundlegende Neuausrichtung in Sachen Computer und Datenverarbeitung. Thyssen-Krupp will mit seiner Informationstechnologie nicht mehr von einem Komplettanbieter allein abhängig sein. Genau dies war vor drei Jahren als der große Charme des Vertrags hingestellt worden. T-Systems hatte damals bekanntgegeben, in den eigenen Rechenzentren die digitale Datenverwaltung des Stahlkonzerns zu betreuen. Die Rede war von rund 80.000 Computerarbeitsplätzen und 10.000 Systemen von Netzwerkrechnern. „Je komplexer die IT-Welt eines Unternehmens, desto notwendiger die Migration in die Cloud“, hatte seinerzeit Al-Salehs Vorgänger getönt, der inzwischen ausgeschiedene Telekom-Vorstand Reinhard Clemens.

          Das würden Fachleute auch heute noch unterschreiben – wo doch das Auslagern von Daten, Programmen und Services in die Cloud, also in externe Rechenzentren außerhalb eines Unternehmens, längst nicht mehr als ungewöhnlich oder gefährlich gilt. Nur zieht man inzwischen andere Schlussfolgerungen und Konsequenzen, was die konkrete Umsetzung anbelangt. „Angesichts der Marktreife neuer Technologien sind umfassende Outsourcing-Verträge wie bei unITe im Vergleich zum gezielten Sourcing einzelner Services für Thyssen-Krupp inzwischen nachteilig“, findet man im Unternehmen. Dies bedeutet: Cloud ist nach wie vor Trumpf. Aber eben im Rahmen eines sogenannten Multi-Vendor-Ansatzes. Auftragspakete werden dabei auf mehrere spezialisierte Geschäftspartner aufgeteilt, anstatt sie einem einzigen Anbieter zu überlassen. Man könnte auch sagen: Thyssen-Krupp will seine IT zwar weiterhin vereinheitlichen, aber lieber dezentral als zentral.

          T-Systems gilt als Sorgenkind des Bonner Telekomkonzerns

          Auch wenn man im Unternehmen keine Kritik am bisherigen Geschäftspartner üben will – eine gehörige Unzufriedenheit muss dennoch vorhanden sein. Die „Wirtschaftswoche“ etwa zitierte Insider, wonach T-Systems Lösungen versprochen habe, die sie „überhaupt nicht liefern konnte“. Und generell sei „der Deal technologisch und kommerziell für T-Systems eine Nummer zu groß“ gewesen sei. Selbst in der offiziellen Stellungnahme scheint eine leichte Verstimmung durchzuschimmern: „Hinzu kommen veränderte Schwerpunkte bei T-Systems hinsichtlich des Portfolios in einigen Regionen, die zu Einschränkungen in der globalen Service-Abdeckung des unITe-Vertrages geführt hätten“, heißt es dort. Eine Folge des Ausstiegs: Rund 100 Beschäftigte, die im Rahmen der Zusammenarbeit von Thyssen-Krupp zu T-Systems wechselten, sind zum 1. Januar in den Thyssen-Konzern zurückgekehrt. Ein T-Systems-Sprecher sagte, man übernehme in diesem Jahr noch einige Aufgaben im Rahmen des Auftrags, um eine „ordnungsgemäße Übergabe“ sicherzustellen.

          Mit dem Ausstieg des Großkunden werden die Schwierigkeiten für T-Systems nicht kleiner. Die Sparte gilt als Sorgenkind des Bonner Telekomkonzerns. Auf dem Papier sieht es gut aus: Mit Standorten in 20 Ländern, 43.700 Mitarbeitern und einem externen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro sieht man sich als global führenden herstellerübergreifenden „Digitaldienstleister“ mit Hauptsitz in Europa. Tatsächlich hat T-Systems seit Jahren mit schrumpfenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen. Der neue Chef Adel Al-Saleh hat kürzlich eine Umstrukturierung angekündigt. Arbeitnehmervertreter befürchten einen Teilverkauf oder Personalabbau.

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