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Telekom schaltet ab : Die letzten Wochen der Telefonzelle

Hier in Hannover steht zumindest noch die Zelle an sich. Bild: dpa

Bis in die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts gehörten die gelben Telefonzellen zum üblichen Straßenbild. Jetzt schaltet die Telekom die letzten öffentlichen Telefone ab.

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          Nach 142 Jahren ist Schluss. Die Deutsche Telekom schaltet ihre letzten öffentlichen Telefone ab, in wenigen Wochen ist die Telefonzelle in Deutschland endgültig Geschichte. Für ein letztes Gespräch können Nostalgiker noch bis zum 21. November Münzen in den „Fernsprecher“ einwerfen, Ende Januar stellt die Telekom dann auch die Bezahlmöglichkeit per Telefonkarte ein. So steht es in einem Schreiben, in dem der Konzern Städte und Gemeinden über den Abschaltfahrplan informiert.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Was vor zehn Jahren noch zu empörten Protesten geführt hätte, wird heute von den meisten achselzuckend hingenommen. „Wenn fast jeder ein Handy in der Tasche hat, hat es wenig Sinn, eine teure öffentliche In­frastruktur vorzuhalten“, sagte ein Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Tatsächlich steht ein großer Teil der Geräte inzwischen nutzlos in der Gegend herum. „Fast jedes dritte öffentliche Telefon hat im letzten Jahr keinen einzigen Euro Umsatz gemacht“, konstatiert die Telekom.

          „In keinem Verhältnis zu den Unterhaltskosten

          Der erste öffentlicher Fernsprecher war 1881 in Berlin aufgestellt worden. Bis in die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts gehörten die gelben Telefonzellen zum üblichen Straßenbild. Mehr als 160 000 dieser Häuschen, aufgestellt und betrieben erst von der Bundespost, dann von der Telekom, gab es in Deutschland. Der Bedarf war riesig, trotz der „Fasse dich kurz“-Mahnschilder bildeten sich in Stoßzeiten häufig lange Schlangen. Mit dem Siegeszug des Handys begann von der Jahrtausendwende an der Rückbau. „Richtige“ Telefonhäuschen gibt es laut Telekom schon seit 2018 nicht mehr, geblieben sind rund 12.000 Telefon-Stelen oder Basistelefone.

          Auch die rechnen sich schon lange nicht mehr. „Im Durchschnitt macht ein Standort nur noch wenige Euro Umsatz im Monat. Und das steht in keinem Verhältnis zu den Unterhaltskosten“, erläutert die Telekom. Unter anderem verbrauchten die technisch veralteten Geräte sehr viel Energie, insgesamt so viel wie der Jahresbedarf von „mehreren Tausend“ Wohnungen. Auch die Ersatzteilversorgung werde immer schwieriger. Die „Grenze der Wirtschaftlichkeit“ sei längst erreicht. Trotzdem durfte die Telekom die Geräte zunächst nicht abbauen, weil die öffentlichen Fernsprecher zu ihren gesetzlichen Grundversorgungspflichten gehörten.

          Das aber hat sich durch eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes Ende vorigen Jahres erledigt. Selbst für Notrufe seien die öffentlichen Telefone nicht mehr relevant. Bis die Geräte und Stelen endgültig verschwunden sind, wird es noch ein wenig dauern: Bis Anfang 2025 sollen sie schließlich allesamt demontiert sein. Den Platz will die Telekom dann für moderne Technik nutzen: An rund einem Viertel der Standorte sollen Small Cells entstehen, also kleine Antennen, die Mobilfunksignale verstärken und den Handyempfang verbessern.

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