https://www.faz.net/-gqe-a6v1t

Anbieter will Geld verdienen : Telegram will kostenpflichtige Inhalte einführen

Der Chatdienst Telegram Bild: dpa

Eine Werbeplattform, Angebote für Premiumnutzer – Telegram will Geld verdienen, teilt der Gründer Pawel Durow mit. Auch die Betreiber von Kanälen sollen so Gewinne machen können. Doch ändert sich jetzt die Regulierung in Deutschland?

          2 Min.

          Der Nachrichtenkanal Telegram will im kommenden Jahr kostenpflichtige Inhalte einführen. Das schrieb der Gründer Pawel Durow auf seinem offiziellen Telegram-Kanal. Er hat den Dienst 2013 zusammen mit seinem Bruder Nikolai gegründet. Zuvor hatten sie mit dem Netzwerk VKontakte ein Vermögen gemacht. Der Schritt könnte auch Konsequenzen für die Regulierung des Chatdienstes in Deutschland haben.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bisher habe er aus seinen eigenen Ersparnissen die Ausgaben von Telegram gedeckt, schrieb Durow. Ein Dienst mit bald 500 Millionen Nutzern benötige aber mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr, etwa für den Betrieb der Server. Mit anderen Plänen zur Finanzierung des Dienstes, etwa durch eine Kryptowährung, war er gescheitert. Der Dienst hat seinen Sitz nach eigenen Angaben in Dubai.

          Ein Tech-Projekt dieser Größe habe typischerweise zwei Optionen, schrieb Durow: selbst Geld zu verdienen, um die Kosten zu decken, oder das Unternehmen zu verkaufen. Er wolle jedoch einerseits nicht enden wie Whatsapp, dessen Gründer den Dienst an Facebook verkauften, und anderseits der Welt als ein Beispiel für ein Tech-Unternehmen dienen, das nach Integrität und Perfektion strebe. Nach einem Verkauf sei das unmöglich, das hätten traurige Beispiele wie das von Whatsapp gezeigt.

          Werbeeinnahmen für Betreiber von Kanälen

          Er habe sich deshalb entschieden, selbst ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Dazu zählen: neue Funktionen für Unternehmen, Angebote für Premium-Nutzer und eine Werbeplattform, über die in großen Kanälen Werbung angezeigt werden kann. Diese Werbung werde allerdings nur in den großen Kanälen – wo Telegram einem sozialen Netzwerk gleiche und von denen manche Millionen Follower hätten – angezeigt, nicht aber in den privaten Chats. Durow verspricht, dass die Betreiber dieser großen Kanäle einen Anteil an den Werbeeinnahmen erhalten.

          Telegram-Gründer Pawel Durow posiert für seinen Instagram-Kanal in der Wüste Dubais
          Telegram-Gründer Pawel Durow posiert für seinen Instagram-Kanal in der Wüste Dubais : Bild: Screenshot F.A.Z.

          Diese Werbung werde nutzerfreundlich angezeigt und die Privatsphäre der Nutzer wahren. „Die meisten Nutzer werden kaum Änderungen wahrnehmen. Alle Funktionen, die aktuell kostenlos sind, werden kostenlos bleiben“, schrieb Durow.

          Durch die Einnahmen könne Telegram sein Wachstum finanzieren, neue Funktionen entwickeln und „Milliarden neue Nutzer willkommen heißen“. Er wolle aber den Werten von Telegram treu bleiben und neu definieren, „wie ein Tech-Unternehmen operieren sollte“. Das sei der „Telegram-Weg“.

          Ändert sich damit die Regulierung?

          Der Schritt könnte auch für Deutschland Konsequenzen haben. Hierzulande ist der Dienst bei vielen Verschwörungstheoretikern und Politikern und Aktivisten aus dem rechten Lager beliebt, einige von denen können nun möglicherweise auf eine neue Einnahmequelle hoffen, wenn sie an den Werbeeinnahmen beteiligt werden. Das gilt etwa für den in den vergangenen Monaten auch als Politkritiker bekanntgewordenen veganen Koch Attila Hildmann.

          Ein Grund für die Beliebtheit ist, dass Telegram als „zensurfrei“ angesehen wird. Der Dienst fällt im Gegensatz zu vielen anderen sozialen Netzwerken nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (Netz-DG), das soziale Netzwerke etwa verpflichtet, bestimmte rechtswidrige Posts innerhalb strenger Fristen zu löschen.

          Die Regulierung von Telegram könnte sich mit der Ankündigung aber ändern. Denn dass der Chatdienst nicht unter das Netz-DG fällt, hat vor allem zwei Gründe, wie das Bundesamt für Justiz im Sommer ausführte: Einerseits bildeten die öffentlichen Kanäle, von denen viele Zehn- oder Hunderttausende Follower haben, nur ein Nebenprodukt, hauptsächlich handele es sich um einen Chatdienst. Anderseits gelte das Gesetz nur für Plattformen „mit Gewinnerzielungsabsicht“.

          Mit der Ankündigung von Durow ist klar, dass Telegram in Zukunft sehr wohl profitorientiert sein wird. Zudem wird in dem Post auch deutlich, dass die großen Kanäle für die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Finanzierung des Chatdienstes weit mehr als ein Nebenprodukt sind. Damit erscheint gut möglich, dass sich die rechtliche Bewertung ändert.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Sankt Moritz ist einer der Hotspots für Immobilienkäufe in Skigebieten.

          Hohe Nachfrage : Sankt Moritz wird noch teurer

          Auch in Skigebieten wird gern Eigentum gekauft. Die Preise wurden auch durch Corona getrieben, besonders die Schweiz steht hoch im Kurs. Das sind die Trends der Reichen.
          Steckt der Euro in der Krise?

          Technische Analyse : Der Euro hat echte Probleme

          Der Euro steht an einem Scheideweg. Sollte er unter 1,15 Dollar fallen, besteht Potential, dass er weiter abwertet. Wo die Untergrenze wäre, wissen nur die Götter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.