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Tech-Treffen DLD : „Nicht abwarten, dass jemand anderes das Metaverse für uns baut“

  • Aktualisiert am

Markus Haas im Gespräch mit Tanit Koch auf der DLD. Bild: picture alliance / Hubert Burda Media

Unternehmen rund um die Welt tüfteln an ausgefeilteren virtuellen Welten. Der Telefónica-Deutschlandchef warnt, was droht.

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          Konzerne und kleine Unternehmen rund um die Welt arbeiten inzwischen an immer anspruchsvolleren virtuellen Welten. Mehr Rechenleistung, neue Sensoren, wachsende Datenmengen und schnellere Internetübertragung schaffen nach Ansicht von IT-Vordenkern bisher nicht gekannte Möglichkeiten in diesem Bereich. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat den von ihm geführten Konzern sogar in Meta umbenannt, um seine Vision zu verbreiten - spätestens seitdem ist der Begriff Metaverse kein Ausdruck mehr, den nur Science-Fiction-Fans kennen.

          Die Sorge ist indes auch in dieser Technologie groß, dass Deutschland über ausreichend Wissen verfügt, den kommerziellen Erfolg womöglich aber wieder Internetunternehmen aus Amerika oder Asien erzielen. Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas hat auf der Digital-Konferenz DLD nun angemahnt, substantielle „eigene“ entsprechende Angebote zu machen, also Dienste von europäischen Unternehmen. „Wir sollten nicht abwarten, dass jemand anderes das Metaverse für uns baut“, sagte der Telekommunikationsmanager, und er fügte hinzu: „Wir haben die Inhalte hier.“

          In Europa gebe es genügend Daten und Ideen aus Sport, Musik und anderen Unterhaltungssegmenten. Dies sei auch keine Frage fehlender Mittel, sondern vor allem der Bereitschaft, so etwas einfach einmal umzusetzen.

          Echte digitale Eigentumsrechte

          Der Zeitpunkt wird auch deswegen nicht nur von ihm als attraktiv eingeschätzt, weil nun verschiedene neue Technologien auf einem Niveau sind, die in Metaverse-Angeboten zusammenfließen. Dazu zählen eben nicht nur die grafischen und immer mehr mit maschinellen Lernen angereicherten Darstellungsmöglichkeiten, die Internetumgebungen authentischer erlebbar machen. Sondern auch auf der Blockchain-Technologie basierende Ansätze, endlich Eigentumsrechte online durchzusetzen, weil Nutzer nun eben digitale Dinge erwerben und zu eigenem Besitz machen könnten. Darauf machte Robby Yung aufmerksam, der Vorstandsvorsitzende des Computerspiele-Unternehmens Animoca Brands. Er hofft darauf, dass infolgedessen gerade auch verschiedene ähnliche Spiele-Angebote entstehen, zwischen denen die Nutzer so wechseln können, dass sie ihr Eigentum quasi „einfach mitnehmen“.

          Das Metaverse soll nach seiner Vorstellungen dazu führen, dass sich die Anwender nicht mehr vornehmlich um Streaming-Plattformen gruppieren oder abgeschlossene „Insel-Erlebnisse“ konsumieren wie dies derzeit der Fall sei, wenn sie beispielsweise Youtube, Meta, Minecraft oder Roblox nutzen - sondern stattdessen in einem Metaverse leicht mit ihren Profilen zwischen solchen Angeboten hin- und herspringen können, eben, weil sie mittels Blockchain eigenes Eigentum sichern können.

          Und schließlich könnte wiederum gerade die Pandemie dafür gesorgt haben, dass auch die Nutzer nun eher bereit sind, sich auf neue, anspruchsvollere virtuelle Welten einzulassen - weil sich viele Menschen über die vergangenen zwei Jahre angewöhnt oder zumindest eingeübt haben, sich eben digital etwa über Videokonferenzen ausgiebig auszutauschen. Er habe mit Blick auf seine Kinder zwar gelegentlich den Eindruck gehabt, eher auf eine Dystopie zuzusteuern, gab der an der NYC Stern School of Business lehrende Computerspiele-Fachmann Joost van Dreunen zu. Das könne aber durchaus nachhaltige Folgen haben.

          Telefónica-Manager Haas mahnt seinerseits, in Europa brauche es dafür tatsächlich mehr unternehmerischen Mut. Und auch schnellere Genehmigungsverfahren - er nannte als ein Beispiel, wie lange es für einen Telekommunikationsanbieter dauert, einen neuen Funkmast zu beantragen und aufzustellen.

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