https://www.faz.net/-gqe-9aly3

Verschärfte Altersbeschränkung : Teenies verärgert über neue Datenschutzregeln

  • -Aktualisiert am

Mit dem Medienstaatsvertrag werden auch die Netzkonzerne ein Fall für die deutsche Medienpolitik. Bild: dpa

Keine Bilder mehr für die Instagram-Story: Für viele Minderjährige bricht in diesen Tagen eine Welt zusammen. Der Grund ist die neue Datenschutzverordnung der EU.

          2 Min.

          Von ihrem schluchzenden Kind, zusammengekauert auf dem Bett, berichtet die Bloggerin Nele Heise in einem ihrer kürzlich veröffentlichten Beiträge. Grund dafür ist aber weder Liebeskummer noch Hausarrest: Ihr Kind habe vor dem Schlafengehen noch einmal auf sein Smartphone geschaut und festgestellt, dass sein Instagram-Profil gelöscht worden war.

          „Überrumpelt, geschockt, verzweifelt und wütend“, beschreibt Heise die Reaktion der Digital Natives, also jener Generation, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist. Sie fühlen sich von den sozialen Netzwerken vor den Kopf gestoßen.

          Denn mit den neuen Datenschutzregeln für Europa (DSGVO) dürfen Daten von unter 16-Jährigen ab dem 25. Mai ohne ausdrückliche Zustimmung ihrer Eltern nicht mehr gespeichert werden. Zwar sollen Jugendliche auf diese Weise vor den Gefahren und Tücken des Internets besser geschützt werden. Dass diese Regelung aber nicht nur auf Wohlwollen stößt war dennoch abzusehen.

          Nachweis nur mit Geburtsurkunde? 

          Whatsapp und sein Mutterkonzern Facebook hatten bereits im Vorfeld angekündigt, das Mindestalter für die Nutzung ihrer Dienste in Europa entsprechend anzuheben. Doch nicht nur Jugendliche gehen auf die Barrikaden. Nutzer allen Alters beschweren sich, dass Familien-Chatgruppen oder Schülerorganisationen gestört oder gar verhindert werden. Aber stimmt das?

          Tatsächlich sperrt Twitter derzeit reihenweise Accounts, deren Inhaber das 17. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Im Zuge dessen wurden kurioserweise auch mehrere Auftritte jüngerer Unternehmen oder Blogs gesperrt, die kein 16-jähriges Bestehen aufweisen konnten. Durch den Zustimmungs-Nachweis eines Erziehungsberechtigten, beispielsweise durch die Angabe seiner Kontaktdaten, können die gesperrten Accounts dann wieder freigeschaltet werden. Manche Nutzer berichten jedoch, dass sie dazu eine Kopie ihrer Geburtsurkunde einsenden mussten.

          Betrachtet man Facebook und Whatsapp, erscheint die Aufregung aber fast schon wieder überzogen. So müssen Facebook-Nutzer unter 16 Jahren ihre Accounts ab sofort zwar durch die E-Mailadresse eines Erziehungsberechtigten verifizieren lassen. Ob diese E-Mailadresse jedoch wirklich von einer dazu berechtigten Person stammt, überprüft Facebook dem Anschein nach nicht.

          Die Hürden für Schummler sind klein

          Liegt eine solche Bestätigung nicht vor, ist der Dienst für Jugendliche nur noch eingeschränkt zugänglich. Dafür hält Facebook nun eine Messenger-App bereit, die junge Menschen untereinander und nur mit ausgewählten Erwachsenen kommunizieren lässt. Die „Messenger Kids“ genannte App lässt Eltern über einen bestehenden Facebook-Account die Regeln für die Kommunikation ihrer Kinder überwachen und festlegen. Wirklich neu ist die Idee aber nicht, denn ähnliche Plattformen gab es in der Vergangenheit schon: SchülerVZ und StudiVZ. Die beiden Plattformen wurden jedoch eingestellt.

          Bei Whatsapp funktioniert die Altersangabe noch einfacher: Mit Bestätigen der neuen Datenschutzrichtlinien müssen die Nutzer einmal zusätzlich wischen, um anzugeben, dass sie 16 Jahre oder älter sind. Auf einen Nachweis verzichtet der Messenger-Dienst gänzlich.

          Bekannt ist, dass vor der DSGVO die Hürden nicht groß waren, um Altersbeschränkungen im Internet zu umgehen. Und auch nach den neuen Verordnungen wird sich daran nicht viel ändern. Denn einem Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen liegt keine Straftat zu Grunde. Stattdessen wird er allenfalls mit einem Ausschluss von der Plattform geahndet.

          Gerade mit Blick auf Whatsapp scheint es auch nicht so, als würden die Plattformen sich bemühen, Kinder unter 16 von ihren Angeboten fernzuhalten. Eher versuchen sie, die Verantwortung über die Daten der Minderjährigen den Erziehungsberechtigten zuzuschieben. Denn durch deren Einverständniserklärungen sind die Plattformen nicht mehr haftbar, wenn Kinder die falschen Kontakte knüpfen, Opfer von Cybermobbing werden oder Inhalte sehen, die nicht für Kinderaugen gedacht sind.

          Weitere Themen

          Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

          Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

          Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

          Topmeldungen

          Frankreichs Premierminister Jean Castex in Paris

          Corona-Pandemie : So sieht Frankreichs Impfstrategie aus

          Frankreich hat sich nach eigenen Angaben mehr Impfdosen gesichert, als es Einwohner hat. Schon bald soll eine große Impfkampagne starten. Bloß: 59 Prozent der Franzosen wollen sich gar nicht gegen Covid-19 impfen lassen.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

          Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

          Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.
          In gefährlicher Mission: Ein Fahrzeug der OSZE-Beobachter 2016 an einem Kontrollpunkt an der Frontlinie in der Ost-Ukraine

          OSZE mit neuer Spitze : Ende des Führungsvakuums

          Die größte regionale Sicherheitsorganisation der Welt hat nach Monaten der Blockade ihr Spitzenpersonal gefunden. Generalsekretärin der OSZE wird eine Deutsche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.