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Anwendung für AR-Brille : TeamViewer findet Google als Partner

Bild: dpa

Die Fernwartung von Computern war das Riesengeschäft im Lockdown. Jetzt geht der schwäbische Software-Anbieter in ganz neue Gefilde – und stellt Software für die Google-Glass-Brille bereit.

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          TeamViewer hat einen neuen, prominenten Partner gefunden: Google Cloud. Ziel der Kooperation sei es, Anwendungen im Bereich Augmented Reality für die Google Cloud bereit zu stellen, mit denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse digitalisieren können, heißt es in einer Mitteilung von TeamViewer.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Eine erste Anwendung soll das „Assisted Order Picking“ sei, das die freihändige Kommissionierung von Waren erleichtern soll, in dem Anwender die Google-Glass-Brille mit der „Vision Picking Software“ von TeamViewer kombiniert. Zielgruppe sind vor allem Lebensmittelgeschäfte und andere Einzelhändler, die ihre Online-Bestellungen zusammen stellen müssen. Durch die Head-up-Display-Funktion hätten die Mitarbeiter beide Hände frei, um den Artikel zu finden, zu entnehmen und zu verpacken, was die Effizienz der Kommissionierung um 15 bis 40 Prozent verbessere, lautet das Versprechen.

          Carrie Tharp von Google Cloud verweist darauf, dass sich durch die Pandemie das Einkaufsverhalten stark verändert habe und jetzt die Prozesse angepasst werden müssen: „Die Händler suchen nach Technologien, die auf der einen Seite schnell zu implementieren sind, und ihnen auf der anderen Seite dabei helfen, ihre Geschäftsprozesse zu modernisieren“, so Tharp.

          Die Aktie legte schnell zu

          Welches Potential sich für TeamViewer daraus ergibt, ist zunächst nicht klar. Doch die im M-Dax notierte TeamViewer-Aktie legte kurz nach der Veröffentlichung schnell um mehr als 4,5 Prozent zu – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau. Seit TeamViewer vorige Woche erklärt hatte, das dritte Quartal sei nicht so gut gelaufen wie erwartet, war der Kurs von rund 24 auf 14 Euro abgesackt.

          Alfredo Patron, der bei TeamViewer die Entwicklung neuer Geschäfte verantwortet, stellt klar, dass die Lösung für Händler nur ein erster Schritt sein soll: „In naher Zukunft wollen wir unsere Partnerschaft ausbauen und die Technologie auch zur Verbesserung von Fertigungs-, Außendienst- und Lieferkettenprozessen in anderen Branchen einsetzen.“

          Ohnehin ist das Unternehmen im Wandel – die Partnerschaft mit Google Cloud ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Während der im schwäbischen Göppingen ansässige Software-Anbieter der breiten Öffentlichkeit bekannt ist durch die Möglichkeit der Fernwartung von Computern, wird immer deutlicher, dass TeamViewer sich in neue Geschäftsfelder wagt.

          Neue Konkurrenten

          Vor allem durch den Zukauf von jungen Technologie-Unternehmen im Bereich Augmented Reality hat sich TeamViewer neu positioniert. Das noch im Werden begriffene Geschäft, das auf dem optischen Zusammenspiel von Realität und Daten beruht, macht bisher noch nicht einmal 5 Prozent des Umsatzes aus.

          TeamViewer trifft dabei auf neue Konkurrenten, aber auch auf neue Kundengruppen, die nach anderen Kriterien investieren und bei der Implementierung von Prozessen oft viel längere Entscheidungswege benötigen, als man es bisher aus dem IT-Geschäft gewöhnt war. An prominenten Partnern mangelt es dabei nicht. Im Frühsommer hat TeamViewer sich mit SAP verbündet, um Lösungen in der Industrie zu entwickeln, erst jüngst wurde zudem die Zusammenarbeit mit Siemens Healthineers angekündigt.

          Für die Anleger sind solche langfristigen Perspektiven offenbar zu vage. Zudem hat TeamViewer mit dem angestammten Geschäft schon zwei Quartale nacheinander schlechter abgeschnitten als erwartet. Anfang August sackte der Kurs unter den Ausgabepreis von 26,25 Euro, den die ersten Anleger im Herbst 2019 für eine TeamViewer-Aktie zahlten. Den Höchstpreis erreichte die Aktie Anfang Juli 2020, als klar wurde, dass der lange und plötzliche Lockdown am Anfang der Pandemie TeamViewer ein echte Sonderkonjunktur beschert hatte.

          Nicht alle Kunden aus der Pandemie sind bei TeamViewer geblieben, der Effekt war sogar größer als das Management es erwartet hatte. Zweimal die Prognosen deutlich zu verfehlen, dürfte zu einem erheblichen Vertrauensverlust am Kapitalmarkt geführt haben, ist auch die Erkenntnis im Unternehmen selbst. "Wir haben verstanden, dass wir einen konservativen Ansatz für die Prognose verfolgen sollten", betonte Vorstandschef Steil vorige Woche – offenbar will man sich dem sonst im Schwäbischen geübten Understatement anpassen und die Anleger lieber damit überraschen, dass das Geschäft besser läuft als erwartet.

          Die Plus-Zahlen wären trotzdem nicht klein, sollte es fürs Gesamtjahr passen. Das Geschäftsvolumen – von Teamviewer anhang der Billings, der abgerechneten Umsätze bemessen – soll von 460 Millionen Euro im Vorjahr auf 535 bis 555 Millionen Euro steigen. Die bereinigte Betriebsgewinn-Marge soll immer noch 44 bis 46 Prozent erreichen.

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