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Taxis gegen Fahrdienste : New York erlebt einen Kampf um Leben und Tod

George Schifter, Bruder des verstorbenen Taxifahrers Doug Schifter, bei einer Demonstration am Mittwoch in New York Bild: AFP

In New York haben sich sechs Taxifahrer das Leben genommen. Dafür machen manche Uber mitverantwortlich. Jetzt kommen auf den Fahrdienst strengere Regeln zu.

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          An einem frühen Morgen im Februar dieses Jahres veröffentlichte Douglas Schifter einen langen Eintrag auf seiner Facebook-Seite. „Ich bin finanziell ruiniert worden,“ schrieb der 61 Jahre alte Fahrer eines New Yorker Limousinendienstes. Politiker hätten dafür gesorgt, dass sein Beruf zu einer „neuen Sklaverei“ geworden sei. Sie hätten es zugelassen, dass die New Yorker Straßen mit Autos von Chauffeurdiensten wie Uber geradezu überflutet worden seien. In unheilvollen Worten kündigte er ein „öffentliches Opfer“ an, das er nun bringe, um auf die Misere von Fahrern wie ihm aufmerksam zu machen. Nur wenig später fuhr er zum New Yorker Rathaus und erschoss sich.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am Dienstagnachmittag steht George Schifter vor dem Rathaus, fast an der gleichen Stelle, an der sein Bruder vor einem halben Jahr starb. „Ich vermisse meinen Bruder, er war ein sehr guter Mann,“ sagt er mit stockender Stimme. Er erzählt von der zunehmenden finanziellen Ausweglosigkeit, in der sich sein Bruder gesehen habe, und er ist nur einer von mehreren Angehörigen und Freunden, die an diesem heißen Sommertag vor das Mikrofon treten. Denn seit vergangenem Herbst haben sich in New York insgesamt sechs Taxifahrer und Mitarbeiter anderer Chauffeurdienste das Leben genommen.

          „Ich werde mich nicht umbringen, ich werde kämpfen“

          Zum Beispiel auch Nicanor Ochisor, ein 64 Jahre alter Einwanderer aus Rumänien, der mehr als dreißig Jahre in New York hinter dem Steuer eines Taxis saß. Nicholae Hent, ein Freund von Ochisor und selbst Taxifahrer, erinnert sich an die zunehmend verzweifelten Handy-Nachrichten, die er von ihm bekommen habe. „Er hat mir geschrieben, dass er seit 45 Minuten oder einer Stunde keinen einzigen Passagier hatte. Die Nachrichten habe ich immer noch, und ich werde sie für den Rest meines Lebens behalten.“ Hent verspricht, er selbst wolle nicht aufgeben. „Ich werde mich nicht umbringen, ich werde kämpfen.“

          Dieser Kampf, von dem hier die Rede ist, zielt auf Uber und konkurrierende Fahrdienste wie Lyft. Der Auftritt von Angehörigen und Freunden der toten Fahrer ist die jüngste Aktion, mit der sich die New Yorker Taxigewerkschaft für eine strengere Regulierung dieser Unternehmen einsetzt. Und nur einen Tag später wird sie tatsächlich einen großen Erfolg feiern können. Am Mittwoch hat die New Yorker Stadtverwaltung ein ganzes Paket von Restriktionen beschlossen. Dazu gehört es, ein Jahr lang keine neuen Lizenzen mehr für Fahrdienste wie Uber auszugeben oder eine Mindestentlohnung von Fahrern festzusetzen.

          Dem Wachstum Grenzen setzen

          New York ist damit die erste größere amerikanische Stadt, die dem Wachstum dieser Unternehmen Grenzen setzt. Ein ähnlicher Versuch, sie zu bremsen, ist vor drei Jahren gescheitert, aber seither ist das Geschäft von Taxifahrern und anderen Chauffeuren noch um einiges härter und umkämpfter geworden. Stadtrat Brad Lander, der für die strengeren Regeln wirbt, sagt am Dienstag, heute seien 80000 Autos von Fahrdiensten wie Uber in der Stadt unterwegs. Vor drei Jahren seien es erst 15000 gewesen.

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