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Taxis gegen Fahrdienste : New York erlebt einen Kampf um Leben und Tod

Die Taxigewerkschaft legt Wert auf die Feststellung, Uber oder Lyft nicht verbieten zu wollen. Tatsächlich vertritt sie nicht nur Taxifahrer, sondern auch Chauffeure, die für diese Unternehmen unterwegs sind. „Wir kämpfen gegen die Übersättigung,“ sagt die Gewerkschaftschefin Bhairavi Desai. Jeden Monat wachse die Flotte dieser Fahrdienste um 2000 Autos, und je mehr von ihnen es gebe, umso weniger könne jeder einzelne Fahrer verdienen. Schon heute hätten Autos von Uber und Lyft im Schnitt 42 Prozent der Zeit keine Passagiere. Und 85 Prozent der Fahrer, die für diese Unternehmen im Einsatz seien, verdienten weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, was zu „erdrückender Armut“ führe. „Diese Zahlen kann man nicht bestreiten,“ sagt Desai. Anders als bislang Uber und Lyft sind Taxibetrieben Obergrenzen gesetzt. Die Zahl der Lizenzen ist auf rund 13500 beschränkt.

„Ich sitze in der Falle“

Zu der Veranstaltung am Dienstag ist auch Vinod Malhotra gekommen, aus Solidarität, wie er sagt. Er hält ein Schild mit Namen und Fotos seiner toten Kollegen hoch, auch wenn er zugibt, sie nicht persönlich gekannt zu haben. Er ist selbst Taxifahrer und steckt in Finanznöten. Er kam vor mehr als 25 Jahren aus Indien nach New York und hat hier viele Jahre gut verdient. Vor einigen Jahren kaufte er sich dann sogar eine Taxilizenz, eines der sogenannten „Medallions“, die einst als glänzende Geldanlage galten, weil ihr Wert lange Zeit kontinuierlich stieg. 650000 Dollar ließ er sich das damals kosten und sah es als Altersvorsorge. Aber im Uber-Zeitalter haben diese Lizenzen rapide an Wert verloren, und Malhotra meint, er würde heute allenfalls noch 170000 Dollar dafür bekommen. Das aber liege weit unter den 470000 Dollar, die er noch von seinem damals aufgenommenen Kredit abzubezahlen habe, deshalb komme ein Verkauf nicht in Frage. Er arbeite nun bis zu 70 Stunden in der Woche, um irgendwie über die Runden zu kommen. „Ich sitze in der Falle.“

Freilich haben nicht nur die Gegner von Uber ihre Kräfte mobilisiert. Der Fahrdienst hat mit aller Macht gegen drohende Auflagen in New York gekämpft. Und er stellte sich in Werbespots als ein Segen für die Stadt dar. Zum Beispiel, indem er sich als Alternative für Menschen beschrieb, die kein Taxi bekommen. Also etwa Personen, deren Fahrziel nicht nahe an den geschäftigsten und lukrativsten Teilen der Stadt in Manhattan liegt oder Afro-Amerikaner. Taxifahrern in New York wird nachgesagt, Schwarzen bisweilen den Transport zu verweigern, weil sie fürchten, am Ende der Fahrt nicht bezahlt zu werden. Mit dieser Argumentation hat Uber schwarze Bürgerrechtlicher wie Al Sharpton in der Auseinandersetzung auf seine Seite gebracht. Und auch Stadtrat Landen, der für die Uber-Regulierung kämpft, ist sich der Sensibilität dieses Themas bewusst. Er wisse, dass er es als „weißer Typ mit Krawatte“ leichter habe, ein Taxi zu finden.

Die Taxigewerkschaft will Ubers Begründungen freilich nicht gelten lassen. Sie wirft dem Fahrdienst vor, einen Millionenbetrag für eine Werbekampagne voller „Falschinformationen“ auszugeben. Uber und Lyft hätten mittlerweile mehr Lobbyisten als die Großkonzerne Walmart, Amazon und Microsoft zusammen. Am Ende hat sich die Gewerkschaft gegen ihre mächtigen Gegner durchgesetzt.

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