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Niederlage für Tech-Konzerne : Südkorea zwingt Google und Apple zur Öffnung der App-Stores

Kunden in einem Geschäft in Seoul Bild: Bloomberg

Das Parlament in Seoul hat beschlossen, dass Anbieter von App-Stores unterschiedliche Bezahlsysteme zulassen müssen. Die Entscheidung kann Präzedenz-Charakter für andere Länder haben. Google und Apple hatten monatelang gegen das Gesetz gekämpft.

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          Als erstes Land der Welt zwingt Südkorea die amerikanischen Technologiekonzerne Alphabet (Google) und Apple, ihre Smartphones für alternative Zahlungssysteme zu öffnen. Das südkoreanische Parlament beschloss am Dienstag eine entsprechende Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Damit prescht Südkorea gegenüber anderen Ländern vor, in denen Gesetzesinitiativen gegen die vermutete Monopolmacht von Google, Apple und anderen großen Technologiekonzern diskutiert werden. Die Entscheidung in Seoul könnte international Präzedenzcharakter haben.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit der Gesetzesänderung müssen die Anbieter von App-Stores zulassen, dass Smartphone-Benutzer Käufe von Software-Programmen über unterschiedliche Zahlungssysteme bezahlen. Das wird aller Wahrscheinlichkeit nach den Wettbewerb auf den digitalen Marktplätzen für Software verschärfen und den 30-Prozent-Anteil, den Apple und Google von Zahlungen in ihren App-Stores einbehalten, unter Druck setzen. Es wird in Südkorea künftig im Grundsatz möglich sein, dass ein großer Spieleentwickler wie Epic Games Titel wie Fortnite direkt mit den Nutzern abrechnet und die Gebühren der App-Store-Besitzer vermeidet. Softwareentwickler und Fachleute in Südkorea erwarten, dass von der Neuregelung vor allem kleine und noch junge Anbieter von Computerprogrammen profitieren werden.

          Umsatz von 5,5 Milliarden Euro

          Apple wird in dem asiatischen Land in gewisser Weise Opfer von Google. Denn die politischen Bemühungen für eine Öffnung der Bezahlsysteme kamen in Schwung, nachdem Google im vergangenen Herbst angekündigt hatte, von Oktober dieses Jahres an seine Bezahlregeln und die 30-Prozent-Gebühr strikt durchzusetzen. Google hatte den Nutzern in Südkorea bislang Ausnahmen erlaubt.

          Google ist mit seinem Android-Betriebsystem der dominierende Anbieter eines App-Stores. Das liegt unter anderem daran, dass der lokale Platzhirsch Samsung Electronics Android für seine Smartphones verwendet. Im vergangenen Jahr wurden in Südkorea nach Angaben eines Branchenverbands mit App-Software 7,5 Billionen Won (5,5 Milliarden Euro) umgesetzt.

          Für dieses Jahr wird eine Steigerung um 21 Prozent auf 9,1 Billionen Won erwartet. Auf Google und sein Android-System entfallen davon 67 Prozent und auf Apple mit seinen iPhones und iPads 22 Prozent. Den Rest deckt der lokale Telekommunikationsdienstleister SK Telecom mit seinem App-Store ab.

          Verstoß gegen Freihandelsabkommen?

          Monatelanges Lobbying von Apple und Google haben die Gesetzesänderung nicht verhindern können. Google hatte die Diskussion in Südkorea als übereilt bezeichnet. Apple verwies in seinen Stellungnahmen darauf, dass die Sicherheit und die Privatsphäre der Nutzer auf dem Spiel stünden.

          Wie üblich betonte Apple auch den Wert seines App-Stores für die Software-Entwickler in Südkorea. Nach Angaben des amerikanischen Unternehmens haben die südkoreanischen Entwickler schon mehr als 8,55 Billionen Won (6,3 Milliarden Euro) in Apples App-Store verdient. Lobbyverbände der Tech-Wirtschaft beschworen ferner das Risiko, dass die Neuregelung als Handelsbarriere und Verstoß gegen das amerikanisch-koreanische Freihandelsabkommen verstanden werden könnte, weil sie besonders Google und Apple träfe. Diese Interpretation ist freilich umstritten.

          Die Details der Neuregelung stehen noch nicht fest und werden noch konkret fixiert werden müssen. Es könne Korrekturen in der Auslegung geben, sagte vergangene Woche der Vorsitzende der südkoreanischen Kommunikationsbehörde, Han Sang-hyuk, vor Journalisten. Man sei sich über die Bedenken von Apple und Google bewusst und werde die Regeln so anwenden, dass die Interessen der Unternehmen und der Nutzer berücksichtigt würden.

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