https://www.faz.net/-gqe-a5ofm

Streit wegen App-Werbetracking : Apple an Facebook: Ihr lügt!

Apples Datenschutz-Managerin Jane Horvath (r.) im Januar 2020 auf der Technik-Messe CES. Bild: dpa

Die beiden Tech-Konzerne liefern sich einen öffentlichen Streit um die Zukunft der App-Werbung. Apple bekräftigt nun: Bald müssen Apps Werbe-Einwilligungen einholen. Und wirft Facebook vor: Ihr missachtet die Privatsphäre der Nutzer!

          3 Min.

          Der Streit zwischen Apple und Facebook um das Nutzertracking in Apps geht in die nächste Runde. Apple bekräftigt in einem Brief seine Pläne, Anfang kommenden Jahres die Datenschutzvorschriften im App-Store deutlich zu verschärfen, die von Facebook heftig kritisiert werden. Apples Privatsphäre-Direktorin Jane Horvath nutzt die Gelegenheit nun, um kräftig gegen Facebook auszuteilen. Den Brief hat Apple am Donnerstagabend an eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen verschickt.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist ein Streit um das Werbetracking in Apps. Apple wollte ursprünglich schon ab Herbst dieses Jahres von allen App-Betreibern, die Werbetracker verwenden und im Appstore vertreten sind, strengeren Datenschutz verlangen: Nach den neuen Regeln, die nun von Anfang 2021 an gelten sollen, müssen alle App-Betreiber eine Zustimmung der Nutzer einholen, dass die App sie mithilfe des „Identifier for Advertisers“ nachverfolgt. Dieser IDFA wird jedem Gerät zufällig zugewiesen und sammelt Daten über Interessen und das Verhalten des Nutzers, nicht aber persönliche Informationen. Dadurch können die App-Betreiber Werbung ausspielen, die den Nutzer eher interessiert, für die der Werbepartner damit auch mehr Geld zahlt.

          Apple hält an Plänen fest

          Bisher hätten Nutzer dieses Tracking in den Apps aktiv abschalten müssen, nach den neuen Apple-Regeln müssen sie aktiv zustimmen. Wenn Nutzer eine App neu öffnen, wird dann ein Fenster angezeigt – ähnlich wie bei den Cookies in Browsern –, in dem sie der Nachverfolgung zustimmen müssen. Nutzer können jedoch auch zentral einstellen, dass sie das IDFA-Tracking rundherum ablehnen, dann werden sie gar nicht erst gefragt.

          Apple plant dabei offenbar weiterhin, den Text für dieses Fenster vorzugeben, dieser lautet übersetzt: Die App „hätte gern die Erlaubnis, Dich über Apps und Websites, die anderen Unternehmen gehören, zu tracken. Deine Daten werden genutzt, um Dir personalisierte Daten anzuzeigen.“ Manche Beobachter meinten, dass sei so formuliert, dass möglichst wenig Nutzer dem Tracking zustimmen. Denkbar wäre etwa auch eine Formulierung gewesen, die darauf hinweist, dass die App-Betreiber sich mithilfe der Werbung finanzieren und andernfalls wohl Gebühren erheben müssten. In die Kerbe schlug auch Facebook: Gerade in der Corona-Krise machten die neuen Regeln das Leben für die App-Betreiber noch schwerer.

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Für Kritik sorgte dabei auch, dass für die Werbung, die Apple über sein eigenes Werbenetzwerk ausspielt, keine aktive Zustimmung erforderlich sein wird. Der Verdacht steht im Raum, dass Apple auch versuchen könnte, die eigene Position im Onlinewerbemarkt zu stärken. Apple bekräftigt nun dennoch seine Pläne: „Nutzer können sich entscheiden, die Werbepersonalisierung auszustellen“, heißt es über Apples Werbung in dem Brief. Die Grundeinstellung ist demnach, dass die Personalisierung eingeschaltet ist. Apple begründet das im Kern damit, dass die eigenen Maßnahmen weniger invasiv seien.

          Man verwende selbst keine Nutzerdaten anderer Unternehmen, sogenannte Third-Party-Daten. Die Werbepersonalisierung basiere stattdessen auf selbst gesammelten Daten, also First-Party-Daten. Zudem heißt es: „Apple greift nicht auf den IDFA zu oder verwendet diesen auf dem Gerät des Nutzers für irgendeinen Zweck.“ Das könnte etwa daran liegen, dass die Apple-Nutzer ohnehin eingeloggt sind. Damit braucht Apple den IDFA nicht.

          „Wir tracken unsere Nutzer nicht“

          Daten sammelt Apple dennoch, auch wenn Horvath in dem Brief schreibt: „Wir tracken unsere Nutzer nicht“. Gleichwohl hat Apple natürlich Informationen über die Nutzer, so heißt es: „Wenn die personalisierte Werbung bei Nutzern aktiviert ist, steuern wir die Werbung aus, indem wir Nutzer in Gruppen einteilen, die gleiche Charakteristiken haben, wie etwa App-Downloads, Alter, Land, Wohnort oder Geschlecht.“ Einen einzelnen Nutzer könne eine Werbekampagne nicht identifizieren, was allerdings auch die meisten Konkurrenten beteuern.

          „Anzeigen werden nur ausgestrahlt, wenn mehr als 5000 Menschen den Zielgruppen-Kriterien entsprechen“, schreibt Horvath. Der Ansatz beweise, dass Werbung, die auf Privatsphäre setze. Das gleicht in weiten Teilen dem, was auch für die Browser-Werbung aktuell im Gespräch ist. Dort wird an einer Ablösung des Third-Party-Cookies gearbeitet, im Gespräch sind etwa ein Kohorten-Modell, in dem nur noch größere Gruppen von Menschen angesprochen werden können, andere setzen eher auf Log-In-Verfahren, um personalisierte Werbung auszuspielen.

          Apple allerdings belässt es nun nicht bei dieser Erläuterung der eigenen Vorstellungen. Horvath geht auch den Wettbewerber Facebook heftig an: „Facebook und andere haben einen ganz anderen Ansatz beim Targeting.“ Sie verwendeten detaillierte Daten über das Online-Verhalten der Nutzer, um Werbung gezielt auszuspielen. „Facebook-Manager haben klar gemacht, dass es ihr Anliegen ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln“. Das Ziel: „Detaillierte Profile der Nutzer zu entwickeln und zu Geld zu machen“. Und weiter schreibt Horvath: „Diese Missachtung der Privatsphäre der Nutzer breitet sich weiter aus und schließt immer mehr ihrer Produkte ein.“

          Horvath bezichtigt Facebook in dem Brief sogar der Lüge, ohne den Konkurrenten jedoch namentlich zu nennen: „Einige Unternehmen, die es bevorzugen würden, wenn Apples Tracking Transparency nie eingeführt würde, haben gesagt, dass diese Maßnahmen vor allem kleine Unternehmen treffen würden, indem sie Werbeoptionen beschränken. Das ist einfach nicht wahr. Es gibt keine Daten, die diese Position unterstützen.“

          Das bezieht sich offensichtlich auf Äußerungen von Facebook-Managern. David Fischer etwa, Facebooks Chief Revenue Officer und für das Werbegeschäft zuständig, hatte Anfang Oktober im Gespräch mit der F.A.Z. über Apples IDFA-Pläne gesagt: „Die größte Sorge, die wir haben, ist, dass die weitreichenden Maßnahmen, die Apple vorgeschlagen hat, einen großen Einfluss auf kleine Unternehmen haben werden.“ Und weiter klagte Fischer: „Apple agiert als einziger Türsteher des iPhones.“

          Weitere Themen

          Es knistert zwischen Astra-Zeneca und der EU Video-Seite öffnen

          Streit um Impfstoff-Lieferung : Es knistert zwischen Astra-Zeneca und der EU

          Das schwedisch-britische Pharmaunternehmen Astra-Zeneca weist die Vorwürfe zurück, es habe bei der Lieferung seines Impfstoffs Nicht-EU-Staaten bevorzugt. Unternehmenschef Pascal Soriot versichert, das Vakzin werde nicht „anderswo für Profit“ verkauft.

          Topmeldungen

          Republikaner und Trump : Nicht gegen das Idol der Basis

          Auch aus diesem Amtsenthebungsverfahren wird Donald Trump mutmaßlich als Triumphator hervorgehen. Die Republikaner sind noch lange nicht enttrumpisiert - zu groß ist die Angst vor dem Zorn seiner Anhänger.
          Blutdruckpatienten müssen in diesen Zeiten besonders aufpassen.

          Wirkstoffe im Test : Welche Blutdrucksenker bei Covid-19 helfen

          Einige häufig verschriebene Blutdruck-Arzneien können offenbar das Risiko, nach einer Corona-Infektion schwer zu erkranken, merklich senken. Ärzte an der Charité haben mehrere Wirkstoffe getestet.

          ZF-Chef im Interview : „Nichts mehr für Verbrenner“

          Die Entwicklung für konventionelle Fahrzeuge hat der Zulieferer ZF Friedrichshafen eingestellt. Warum der Weg zur Mobilitätswende noch steinig wird, erklärt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider im Interview mit der F.A.Z.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.