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Streit wegen App-Werbetracking : Apple an Facebook: Ihr lügt!

Man verwende selbst keine Nutzerdaten anderer Unternehmen, sogenannte Third-Party-Daten. Die Werbepersonalisierung basiere stattdessen auf selbst gesammelten Daten, also First-Party-Daten. Zudem heißt es: „Apple greift nicht auf den IDFA zu oder verwendet diesen auf dem Gerät des Nutzers für irgendeinen Zweck.“ Das könnte etwa daran liegen, dass die Apple-Nutzer ohnehin eingeloggt sind. Damit braucht Apple den IDFA nicht.

„Wir tracken unsere Nutzer nicht“

Daten sammelt Apple dennoch, auch wenn Horvath in dem Brief schreibt: „Wir tracken unsere Nutzer nicht“. Gleichwohl hat Apple natürlich Informationen über die Nutzer, so heißt es: „Wenn die personalisierte Werbung bei Nutzern aktiviert ist, steuern wir die Werbung aus, indem wir Nutzer in Gruppen einteilen, die gleiche Charakteristiken haben, wie etwa App-Downloads, Alter, Land, Wohnort oder Geschlecht.“ Einen einzelnen Nutzer könne eine Werbekampagne nicht identifizieren, was allerdings auch die meisten Konkurrenten beteuern.

„Anzeigen werden nur ausgestrahlt, wenn mehr als 5000 Menschen den Zielgruppen-Kriterien entsprechen“, schreibt Horvath. Der Ansatz beweise, dass Werbung, die auf Privatsphäre setze. Das gleicht in weiten Teilen dem, was auch für die Browser-Werbung aktuell im Gespräch ist. Dort wird an einer Ablösung des Third-Party-Cookies gearbeitet, im Gespräch sind etwa ein Kohorten-Modell, in dem nur noch größere Gruppen von Menschen angesprochen werden können, andere setzen eher auf Log-In-Verfahren, um personalisierte Werbung auszuspielen.

Apple allerdings belässt es nun nicht bei dieser Erläuterung der eigenen Vorstellungen. Horvath geht auch den Wettbewerber Facebook heftig an: „Facebook und andere haben einen ganz anderen Ansatz beim Targeting.“ Sie verwendeten detaillierte Daten über das Online-Verhalten der Nutzer, um Werbung gezielt auszuspielen. „Facebook-Manager haben klar gemacht, dass es ihr Anliegen ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln“. Das Ziel: „Detaillierte Profile der Nutzer zu entwickeln und zu Geld zu machen“. Und weiter schreibt Horvath: „Diese Missachtung der Privatsphäre der Nutzer breitet sich weiter aus und schließt immer mehr ihrer Produkte ein.“

Horvath bezichtigt Facebook in dem Brief sogar der Lüge, ohne den Konkurrenten jedoch namentlich zu nennen: „Einige Unternehmen, die es bevorzugen würden, wenn Apples Tracking Transparency nie eingeführt würde, haben gesagt, dass diese Maßnahmen vor allem kleine Unternehmen treffen würden, indem sie Werbeoptionen beschränken. Das ist einfach nicht wahr. Es gibt keine Daten, die diese Position unterstützen.“

Das bezieht sich offensichtlich auf Äußerungen von Facebook-Managern. David Fischer etwa, Facebooks Chief Revenue Officer und für das Werbegeschäft zuständig, hatte Anfang Oktober im Gespräch mit der F.A.Z. über Apples IDFA-Pläne gesagt: „Die größte Sorge, die wir haben, ist, dass die weitreichenden Maßnahmen, die Apple vorgeschlagen hat, einen großen Einfluss auf kleine Unternehmen haben werden.“ Und weiter klagte Fischer: „Apple agiert als einziger Türsteher des iPhones.“

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