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Streit um Podcaster Joe Rogan : Spotifys Dilemma mit Neil Young

Neil Young 2019 im Londoner Hyde-Park Bild: dpa

Spotify kann auf den Katalog von Neil Young verzichten. Auch der Musiker und seine Partner dürften den Rückzug vom Musikstreaming-Marktführer wohl verkraften. Doch nicht nur eine mögliche Kündigungswelle dürfte dem Dienst Sorge bereiten.

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          Lange gewartet hat man im Hause Apple Music nicht. Die Gelegenheit war aber auch zu gut, um sie verstreichen zu lassen. „Die Heimat von Neil Young“ steht seit freitagfrüh deutscher Zeit unübersehbar auf dem Twitter-Profil des Dienstes. Deutlich kleinere Anbieter wie Tidal und Deezer weisen ebenfalls mehr oder weniger subtil darauf hin, dass die Veröffentlichungen von Neil Young bei ihnen weiter verfügbar sein werden – im Gegensatz zum Marktführer Spotify. Am Mittwochabend hatte der schwedische Dienst erklärt, dass die Musik des zweifachen Grammy-Preisträgers von der Plattform genommen werde.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuvor hatte Young Schritte zur Entfernung angekündigt, da Star-Podcaster Joe Rogan Falschinformationen über Corona-Impfungen verbreite (“Sie können Rogan oder Young haben. Nicht beide.“). Man bedauere Youngs Entscheidung und hoffe, dass er bald zurückkehre, so ein Spotify-Sprecher. „Wir wollen unseren Nutzern die Musik und die Audio-Inhalte der ganzen Welt bieten“, hieß es in dem Statement weiter. Dies sei verbunden mit einer großen Verantwortung und der Aufgabe eine Balance zwischen der „Sicherheit unserer Hörer und der Freiheit der ’Creators’“ zu wahren. So habe Spotify habe seit Beginn der Pandemie mehr als 20.000 Podcast-Episoden im Zusammenhang mit Covid-19 gelöscht.

          Rogan redet in seinem Podcast – mit rund 11 Millionen Hörern pro Folge die beliebteste Sendung auf Spotify – oft stundenlang mit seinen Gästen über allerlei Themen. Tesla-Gründer Elon Musk war schon zu Gast, was vielen Nicht-Hörern vor allem dadurch in Erinnerung blieb, dass er in der Sendung („The Joe Rogan Experience“ ist ein Video-Podcast“) an einem Joint zog, aber auch bekannte Verschwörungstheoretiker wie Alex Jones oder Milo Yiannopoulos, eine prominente Figur der politischen Rechten in den USA. Es ist also beileibe nicht das erste Mal, dass es rund um Rogans Sendung oder ihn Ärger gibt. Auch im Zuge der Pandemie war er schon in die Kritik geraten, als er im April 2021 meinte, seines Erachtens sollten sich junge, gesunde Menschen eher nicht impfen lassen. 

           „Ort der lebensbedrohlichen Corona-Desinformationen“

          Der aktuelle Aufhänger ist eine Sendung von Ende Dezember, in der der US-Virologe Robert Malone zu Gast war. Malone forschte einst selbst an der mRNA-Technologie, ihm wird aber seit geraumer Zeit die Verbreitung von Verschwörungstheorien und Falschinformationen über Covid 19-Impfungen vorgeworfen. Twitter sperrte aus diesem Grund zuletzt seinen Account.

          Spotify Technology SA

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          In der Show mit Rogan erklärte er etwa, dass ein Teil der Bevölkerung im Prinzip „hypnotisiert“ werde, um zu glauben, was Medien und etwa Präsidentenberater Anthony Fauci zu Impfungen sagten. Im Januar hatten unter anderem in Bezug auf diese Sendung rund 270 Ärzte, Wissenschaftler und Beschäftigte im Gesundheitswesen in einem offenen Brief an Spotify ihre Bedenken dargelegt und den Dienst zum Handeln aufgefordert. Nach eigenen Angaben wurde Young durch diesen Brief auf das Thema aufmerksam. In einem Statement von Mittwoch dankte er seinem aktuellen Label Reprise Records für die Unterstützung, da dieses offenkundig die Rechte an seinen Aufnahmen entweder hält oder ein Lizenzvertrag zur Vermarktung existiert – und erklärte seinen Schritt damit, dass Spotify ein „Ort der lebensbedrohlichen Corona-Desinformationen“ geworden sei, die gerade junge Hörer bedrohten.

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