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Studie : Start-ups durch Corona in der Krise

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Lutz Gaissmaier, Mitgründer des Start-up-Unternehmens „Studibuch“ Bild: dpa

Start-up-Unternehmen stecken durch die Corona-Krise besonders in der Bredouille. Oft erzielen sie noch keine Gewinne und sind von Investoren abhängig. Das macht Gründen derzeit noch schwerer.

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          Vor einigen Wochen hat der Bundesverband der deutschen Start-up-Unternehmen eine Umfrage gemacht: Demnach haben sich von 1000 befragten Jungunternehmen 70 Prozent mit dem Thema einer bedrohten Existenz auseinandergesetzt. „Wir stehen vor einem Start-up-Sterben, wenn die versprochenen Hilfsmaßnahmen nicht schnell bei den Start-ups ankommen“, sagte Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Start-ups.

          Die aktuelle Krise ist nach Ansicht des Prüfungsunternehmens EY aus Stuttgart die erste große Bewährungsprobe für deutsche Start-ups. Miele sagte, Jungunternehmen, die derzeit Investoren suchten, seien besonders gefährdet. Es könne zu einem „Start-up-Sterben“ kommen, wenn die Hilfe ausbleibe.

          Start-ups erzielen oft keine Gewinne und sind daher auf die Unterstützung durch Investoren angewiesen. Teilweise nutzen Gründer Privatvermögen und haben nur wenige Rücklagen. „Start-ups sind häufig auf Bankdarlehen und mutige Investoren angewiesen. Schon unter normalen Umständen bedeutet das nicht selten das Aus für viele Geschäftsideen“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

          Ein Beispiel: 2015 gründeten Mihael Duran und Lutz Gaissmaier das Start-up „Studibuch“ in Stuttgart. Sie kaufen aussortierte Bücher aus Bibliotheken auf und verkaufen die Fachbücher an Studenten zu einem günstigen Preis. 2016 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 3000 Euro, 2019 war es eine Million. Dann machte sich im März die Corona-Krise bemerkbar: „Im März ist der Gebrauchtbuchmarkt zusammengebrochen. Unser Umsatz ist um die Hälfte geschrumpft“, erklärte Geschäftsführer Gaissmaier. Die Situation für das Jungunternehmen mit 14 Mitarbeitern sei existenzbedrohend gewesen.

          Reise-, Event- und Cateringunternehmen besonders betroffen

          Besonders problematisch sind nach Ansicht von Verbandspräsident Miele Liquiditätsprobleme bei den jungen Unternehmen. Wenn Umsätze wegbrächen und Investoren zurückhaltender würden, dann treffe das Start-ups mit wenigen Rücklagen besonders hart. Peter Lennartz von EY weist auf die Jungunternehmen hin, die auf „frisches Geld“ angewiesen seien und sich in einer Präsentationsphase für Investoren befänden. Die Start-ups in dieser Phase erhielten nur unter erschwerten Bedingungen eine neue Finanzierung.

          Besonders von der Krise betroffen sind Reise-Jungunternehmen sowie Event- und Catering Start-ups, wie Peter Lennartz von EY sagt. Für die, die nicht nachdrücklich, schnell und konzentriert genug auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren, das eigene Geschäftsmodell hinterfragt und gegebenenfalls angepasst haben, wird es nach Ansicht des Branchenverbands Deutsche Start-ups schwierig.

          Doch es gibt sie, die Profiteure der Krise: Essenslieferdienste oder Anbieter von digitalen Lösungen für den Arbeitsalltag erhalten höhere Nachfragen, wie Miele sagte. Nach Ansicht von Peter Lennartz von EY profitieren Software-Start-ups sowie Unternehmen aus den Bereichen Logistik und Lieferdiensten.

          Die Bundesregierung hat vor einiger Zeit ein Hilfspaket im Wert von 2 Milliarden für kriselnde Start-ups auf den Weg gebracht. Das Start-up „Studibuch“ beantragte die Soforthilfe des Landes und bewarb sich bei dem Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“, das unter anderem vom Wirtschaftsministerium initiiert wurde.

          Die Voraussetzungen: Der Unterstützungsbedarf muss zum Beispiel aufgrund von negativen Effekten durch Corona entstanden sein, die Gründung des Start-ups darf nicht länger als fünf Jahre zurückliegen, und es darf nicht mehr als 3 Millionen Euro Eigenkapital aufgenommen worden sein. Beim „Studibuch“ klappte es: Es erhielt die Soforthilfen von 30.000 Euro und bekam die Zusage für das Förderprogramm.

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