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Staffbase aus Sachsen : Das nächste deutsche Einhorn

Das Gründer-Trio von Staffbase: Frank Wolf, Martin Böhringer und Lutz Gerlach (von links) Bild: Robert Gommlich

Das Start-up Staffbase will die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Chefs revolutionieren. Bald ist das Unternehmen eine Milliarde wert.

          5 Min.

          Ausgerechnet aus Chemnitz könnte schon bald das nächste deutsche „Einhorn“ kommen. Als Einhörner oder Unicorns werden Neugründungen bezeichnet, die binnen kurzer Zeit eine Bewertung von einer Milliarde Dollar erreichen. Staff­base – das ist absehbar – wird wohl demnächst so weit sein. Das Unternehmen hat vor ein paar Jahren begonnen, die Möglichkeiten unternehmensinterner Kommunikation zu revolutionieren, und läuft damit derzeit bei Konzernen offene Türen ein.

          Inge Kloepfer
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Investoren sind zuversichtlich. Dem sächsischen Start-Up spendierten sie in der Finanzierungsrunde vom Frühjahr 145 Millionen Dollar und ließen sich im Gegenzug an Staff­base beteiligen. Der Unternehmenswert, der sich aus diesem Deal errechnete, lag bei 900 Millionen Dollar. „Staffbase wächst seit Jahren exponentiell“, heißt es von Investoren.

          In der südsächsischen Großstadt Chemnitz mit 245.000 Einwohnern, die zu DDR-Zeiten den Namen Karl-Marx-Stadt trug, ist man auf Staffbase besonders stolz. Das Unternehmen ist derzeit nicht nur der Star der sich entwickelnden Gründerszene dort, sondern der gesamten ehemaligen Industriestadt, die nach dem Krieg zu 80 Prozent zerstört war und nach der Wende regelrecht ausblutete. Diese Phase aber scheint vorbei, und der sehr wirtschaftsaffine Oberbürgermeister Sven Schulze setzt alles daran, dass sich noch mehr Unternehmen wie Staffbase dort entwickeln.

          2014 hatten die drei sächsischen Gründer Martin Böhringer, Lutz Gerlach und Frank Wolf eine so naheliegende Idee, dass man sich fragt, warum nicht irgendjemand schon vorher darauf gekommen ist. Sie entwickelten ein Produkt, das die interne Unternehmenskommunikation weg von den traditionellen Vorstands-Mails, von Betriebszeitungen, vom Schwarzen Brett oder simplen Ausdrucken rückt und sie fortan den Mitarbeitern direkt aufs Handy liefert – mit einer App.

          Staffbase ermöglicht universelle Erreichbarkeit

          Zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland sind sogenannte Non-Desk Worker, also Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die nicht am Schreibtisch arbeiten und von ihren Vorgesetzten deshalb auch nicht über Mail erreicht und informiert werden können. Genau hier setzt Staffbase mit seiner App an, die sich auch der Lagerarbeiter auf sein Handy laden kann. Viele Millionen Menschen arbeiten in der Produktion, im Speditionsgewerbe, im Gesundheitswesen, auf dem Bau und bekommen vieles in ihrem Unternehmen nicht mit. Mit der App ist plötzlich jeder erreichbar, der sie sich herunterlädt. Audi in Brüssel zum Beispiel ist ein früher Kunde. MyAudiBrussels heißt die App für mehrere tausend Mitarbeiter dort.

          Anders als bei Microsoft Teams oder Slack wird die App im Unternehmensdesign des Kunden maßgeschneidert und im Abo-Modell verkauft, in dem die Kunden jährlich wiederkehrende Software-Verträge abschließen. Das Geschäftsvolumen lässt sich damit gut vorhersehen. „Wir sind jetzt auf dem Weg zu einem Umsatz von 50 Millionen Euro“, sagt Böhringer – nicht zuletzt mithilfe namhafter Kunden, darunter die Viessmann-Gruppe, DHL, Lufthansa Cargo und noch gut 1000 mehr. „Wir machen mit unseren Bestandskunden durch immer neue Anwendungen deutlich mehr Umsatz, als wir durch auslaufende Verträge verlieren.“ Zufrieden geben sich Böhringer und sein Team mit den Bestandskunden natürlich nicht. Es sollen immer weitere dazukommen.

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