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Start-up-Monitor : Die meisten Gründer wählen grün

Leuchtende Zukunft: Die deutschen Start-ups blicken optimistisch nach vorne. Bild: Wolfgang Eilmes

Der deutschen Start-up-Szene geht es gut. Entgegen dem Trend der deutschen Wirtschaft rechnen sie mit einem weiteren Aufschwung. Den Gründern liegt Nachhaltigkeit am Herzen – da erscheint die FDP auf einmal unattraktiv.

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          Die meisten Gründerinnen und Gründer in Deutschland wählen grün. Das geht aus dem Deutschen Start-up-Monitor hervor, der jährlichen Studie des Bundesverbands Deutscher Start-ups, den der Verband am Montag in Berlin vorlegte. Die Grünen überholen in der Gunst der Gründer damit erstmals die FDP. Diese wäre in den vergangenen Jahren stets Wahlsieger geworden, wenn nur Gründer gewählt hätten. Sie verliert Zustimmung, ebenso wie die Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Zulauf der Gründer zu den Grünen dürfte damit zusammenhängen, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz gerade für junge Unternehmer wichtiger werden. Gefragt nach ihren Erwartungen an die Politik, rückte die Forderung nach „besserer Förderung des unternehmerischen Einsatzes für Umweltschutz und gesellschaftliche Nachhaltigkeit“ in die Top 3 auf – fast 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer nannten sie.

          Zudem ordnen sich mehr als ein Drittel der Start-ups der „Green Economy“ oder dem sozialen Unternehmertum zu. Am häufigsten wurden aber weiterhin Bürokratieabbau und Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung gefordert. Die Grünen bedankten sich postwendend für das Ergebnis: „Danke Startup-Deutschland – wir freuen uns sehr über den Zuspruch! Das ist Lob und Ansporn zugleich“, schrieb der Start-up-Beauftragte der Partei, Danyal Bayaz. Für den Start-up-Standort Deutschland bleibe eine Menge zu tun. „Uns geht es darum, bei der Start-up-Politik nicht nur auf Berlin und München zu schauen sondern auch nach Bielefeld, Jena, Karlsruhe oder andere Städte, um dort die digitalen Ökosysteme zu stärken.“

          Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte zu den Ergebnissen: „Die Startup-Szene ist für Berlin ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, deshalb nehme ich die Förderung sehr ernst. Ich würde mir von der Bundesregierung wünschen, dass sie ebenfalls das Tempo im Bereich Digitalisierung deutlich erhöht.“

          Es fehlt das Wagniskapital

          Der Deutsche Start-up-Monitor versucht, sämtliche Start-ups in Deutschland zu erfassen, wobei er als solche Jungunternehmen versteht, die maximal 10 Jahre alt sind. Rund 2000 Start-ups flossen dieses Jahr in die Studie ein. Nach Bundesländern kommen die meisten deutschen Start-ups übrigens nicht aus Berlin, sondern aus Nordrhein-Westfalen – die Hauptstadt folgt erst auf Rang 2.

          Ihre Geschäftslage beurteilen die Gründer weiterhin sehr positiv und trotzen damit dem Trend in der deutschen Wirtschaft. Die Hälfte der befragten Start-ups beurteilen ihre aktuelle Lage als gut und sogar zwei Drittel rechnen damit, dass sie sich in den kommenden sechs Monaten weiter verbessert. Im Schnitt wollen die Jungunternehmen im kommenden Jahr 8 neue Arbeitsplätze schaffen.

          Hemmschuh für das Wachstum ist allerdings der Zugang zu Kapital, hieß es weiter. Es herrsche eine große Diskrepanz zwischen bevorzugten und tatsächlich genutzten Kapitalquellen. Die Start-ups wünschen sich vor allem Wachstumsfinanzierungen durch Business Angel und Wagniskapital (VC) – doch stattdessen beziehen sie ihr Kapital meist aus eigenen Ersparnissen oder von Familie und Freunden. Das liegt daran, dass der VC-Markt in Deutschland noch immer weit weniger entwickelt ist, als etwa in den Vereinigten Staaten – ein altes Problem.

          Zudem würden gerne mehr Start-ups ihre Mitarbeiter finanziell am Erfolg beteiligen. Über die Hälfte der Befragten tut das schon. Die Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen werden jedoch noch häufig als ungünstig oder sehr ungünstig bewertet.

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