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Eigener Sprachassistent : Die Bahn will zum Google der Schiene werden

  • -Aktualisiert am

Ein ICE auf der Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart. Bild: dpa

Ab dem Jahr 2021 sollen die Kunden einen bahneigenen Sprachassistenten befragen können. Es ist die letzte Chance des Konzerns für die eigene Mobilitätsplattform.

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          Wie Menschen von A nach B kommen, verändert sich derzeit rasant: E-Roller erobern den öffentlichen Raum, Autos geraten in Verruf, und die Klimadebatte mahnt zur Eile. Bindeglied dieser Entwicklungen ist die Digitalisierung. Die Vorstandsfrau für Digitales der Deutschen Bahn, Sabina Jeschke, hat jetzt ambitionierte Ziele verkündet: Ab dem Jahr 2021 sollen die Kunden einen bahneigenen Sprachassistenten befragen können. Solche Systeme bieten bisher vor allem die großen Technologiekonzerne an, etwa Amazon mit „Alexa“, Google mit seinem „Assistant“ oder Apple mit „Siri“.

          „Fährt mein Zug pünktlich?“ „Ja, auf Gleis 3“, soll der „Semmi“ genannte Assistent antworten können, sagte Jeschke bei einem Pressetermin in ihrem Büro im Bahntower. Ihr ist bewusst, dass die Vorstellung eines Bahnroboters Erinnerungen an eine große Panne weckt: In Robotergestalt machte sich Semmi vor wenigen Monaten beim Testbetrieb im Berliner Hauptbahnhof lächerlich, weil sie Fragen erratisch oder gar nicht beantwortete. Das habe nur am W-Lan gelegen, sagt Jeschke heute. Wenn Semmi laufe, laufe sie gut, das hätten auch Umfragen unter Testern gezeigt. Nach 17.000 Unterhaltungen seien 74 Prozent der Nutzer „äußerst zufrieden“ gewesen.

          Ein Sprachassistent ist nicht gerade ein bescheidenes Ziel. Die amerikanischen Giganten profitieren von gewaltigen Datenmassen, mit denen sie ihre Assistenten trainieren können. Die Bahn-KI soll selbst das Sprechen lernen, man arbeite aber auch mit Google Translate und einem spezialisierten Start-up zusammen, sagt Jeschke. Außerdem müsse man Synonym-Bibliotheken für den besonderen Bereich der Bahn aufbauen.

          Sie will Betriebssystem sein

          Existentiell für die Bahn dürfte vor allem die Digitalisierung hinter der Kulisse sein. Derzeit kippt der Konzern Datenbanken zusammen, auch das, um mit den Technologiekonzernen mithalten zu können. Bis 2030 soll die Mobilität „hochintelligent“ sein, ein „Betriebssystem der Mobilität, eine Plattform“ will die Bahn dann sein. Die Sensoren sollen vernetzt sein, damit das System etwa selbständig Ersatz im 3D-Drucker anfordern kann, wenn ein Teil in der Bistro-Kaffeemaschine auszufallen droht.

          Die Bahn soll nach Jeschkes Vorstellungen auf einen offenen Ansatz setzen: Zwar will sie die eigene App – vor allem den „Navigator“ – weiterentwickeln, allerdings soll es auch saubere Schnittstellen für Drittanbieter geben. Es sei eine strategische Frage, wie offen man sei, sagt Jeschke. „Die Menschen wollen ihre Standardwege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen“, sagt sie. „Wenn wir da Mittelpunkt sein wollen, müssen wir diese Offenheit pflegen.“

          Damit zeichnet sich ein Mentalitätswechsel ab, den andere auch erst unter dem Druck der Digitalisierung lernen mussten. Die Bahn ist der größte Anbieter im Schienenverkehr und könnte eine Navigationsapp nutzen, um diese Position zu zementieren, oder sich für Wettbewerber öffnen. Doch sie will Betriebssystem sein. Der bekannteste Hersteller eines Betriebssystems, Microsoft, befand sich in vergleichbarer Position.

          Ehedem setzte der Softwarekonzern auch auf geschlossene Systeme, die den eigenen Vertrieb bevorteilten. Vor etwa vier Jahren aber signalisierte der Vorstandsvorsitzende Satya Nadella einen Strategiewechsel, indem er auf einer Konferenz öffentlich das iPhone vom Konkurrenten Apple lobte und Microsoft-Apps auf dessen Betriebssystem nutzte.

          Jeschke scheint diese Offenheit zu befürworten. Die Suche nach einer gemeinsamen Plattform ist die Schlüsselfrage in der Mobilitätsbranche – groß ist die Furcht, dass Uber oder Google zu zentralen Anlaufstellen für Bahn, Bus, Leihräder und Carsharing werden. „Wir haben einen letzten Schuss, das jetzt noch zu schaffen, eine der letzten Möglichkeiten“, sagt Jeschke. Derzeit verkaufe Google nämlich noch keine Tickets. „Ich kämpfe dafür, dass der Schuss nicht danebengeht.“

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