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Musikstreaming : Spotify macht deutlich mehr Umsatz

Mit „Easy On Me“ stellte Adele einen neuen Spotify-Rekord auf: Kein Song wurde - Stand jetzt - am Release-Tag so oft gehört. Bild: dpa

Der schwedische Streamingdienst zählt nun 172 Millionen Abonnenten. Das Werbegeschäft ist deutlich gewachsen und auch ein wichtiger Wert, der zuvor lange gesunken war, legt zu.

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          „Very well“ – der Vermerk gleich zu Beginn der Mitteilung an die Investoren zeigt: Bei Spotify ist man offenkundig zufrieden mit dem Verlauf des dritten Quartals. Zu Ende September zählte der Musikstreaming-Marktführer demnach 172 Millionen Abos und 381 Millionen monatlich aktive Nutzer (40 respektive rund 34 Prozent hiervon stammen aus Europa). Ein Plus von sieben, respektive 16 Millionen. Die Zahl der Nutzer der werbebasierten Gratis-Version stieg im Vergleich zum zweiten Quartal um 10 Millionen auf nunmehr 220 Millionen. Im Vorjahresvergleich legten sämtliche Werte um 19 Prozent zu. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer entspricht dem oberen Ende der Prognose, bei den Abonnenten wurde die Mitte der vorab genannten Spanne getroffen.Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahresreitzaum um 27 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Gros des Spotify-Umsatzes machen seit je her die Einnahmen aus Abos (plus 22 Prozent) aus. Doch das Werbegeschäft legte mit einem Plus von 75 Prozent auf 323 Millionen Euro abermals stark zu. Der Bereich steht nunmehr für 12,9 Prozent des Gesamtumsatzes nachdem er lange weniger als 10 Prozent beigetragen hatte. Nicht zuletzt die hohen Investitionen im Podcast-Bereich – beispielsweise in teure Exklusiv-Vereinbarungen mit prominenten Hosts und Übernahmen –  und neue Werbemöglichkeiten trugen zu dem Wachstum bei. Erst kürzlich hatte das schwedische Unternehmen zudem angekündigt, für den weiteren Ausbau des Werbebereichs hunderte neue Stellen schaffen zu wollen.

          Kleiner Gewinn

          Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein kleiner Quartalsgewinn von zwei Millionen Euro zu Buche, nachdem Spotify im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 101 Millionen Euro vermeldet hatte. Die Aktie notierte im frühen Handel knapp 6 Prozent im Plus.

          Ein weiterer Wert, der gerade in der Musikindustrie besonders aufmerksam beobachtet wird, sind die durchschnittlichen Einnahmen je Abonnent (ARPU; „average revenue per user“). Rund zwei Drittel seiner Einnahmen schüttet Spotify für die Lizensierung der mehr als 70 Millionen Werke an die Rechteinhaber aus – wobei der erheblich größere Teil hiervon auf die Seite der Musik-Aufnahmen abfällt. Ein Punkt, den Abba-Mitglied Björn Ulvaeus in seiner Funktion als Präsident des Dachverbands der Verwertungsgesellschaften (CISAC) mit Blick auf die Vergütung der Songwriter am Mittwoch abermals kritisierte. Dieser ARPU legte im dritten Quartal um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 4,34 Euro zu (im zweiten Quartal hatte der Wert bei 4,29 Euro gelegen), nachdem er zuvor sukzessive gefallen war, auf Grund von vergünstigten Angeboten sowie dem Wachstum in Märkten mit niedrigem Preisniveau. Dies sei „primär“ ein Ergebnis der jüngst erfolgten Preiserhöhungen, so Spotify in der Mitteilung. Unter anderem in den wichtigen Märkten USA und Großbritannien hatte Spotify zuletzt etwa das Familien-Abo verteuert. In Deutschland blieben die Preise bislang unangetastet..

          Apple macht Druck

          Vergangene Woche hatte Apple den Druck auf den Marktführer mit einem vergünstigten Abo erhöht. Für 4,99 Euro gibt es „ab Herbst“ in zunächst 17 Märkten ein ausschließlich über Apples Sprachassistenten Siri steuerbares Abo. Für Klang in CD-Qualität und weitere Ton-Verbesserungen braucht es indes ein reguläres Apple Music-Abo. Im Mai hatte Apple (und kurz darauf auch Amazon Music) diese Annehmlichkeiten ohne Preisaufschlag dem 9,99 Euro-Abo beigefügt. Bis dahin war für bessere Ton-Qualität auf dem Markt ein höherer Preis üblich. Auch Spotify hatte im im Februar die Einführung eines HiFi-Angebots angekündigt, wann dieses starten und ob es trotz der Schritte der Konkurrenz mehr kosten soll, ist noch unklar.

          Apple, Amazon und Google mit seinem Dienst YouTube Music veröffentlichen nur sporadisch Abonnenten-Zahlen. Apple nannte zuletzt im Juni 2019 Zahlen (mehr als 60 Millionen Abonnenten). Amazon erklärte Anfang 2020 rund 55 Millionen Nutzer zu haben, wobei hier auch die Nutzer des Gratis-Angebots mit im Gegensatz zu Spotifys Version einem Bruchteil des üblichen Musikkatalogs einfließen. YouTube wiederum vermeldete im September, mehr als 50 Millionen Abonnenten.

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