https://www.faz.net/-gqe-a8wew

Musik-Streamingdienst : Spotify kündigt Hifi-Abo und Start in 85 neuen Märkten an

Das neueste Star-Team wurde auch gleich bekanntgegeben: Obama und Springsteen. Ihr Podcast wird „Renegades: Born in the USA“ heißen. Bild: AP

Das schwedische Unternehmen geht den nächsten großen Expansionsschritt und kündigt noch weitere Neuerungen an. Eine davon: Barack Obama und Bruce Springsteen bekommen einen Podcast.

          3 Min.

          Bruce Springsteen, Barack Obama, Billie Eilish und zum Abschluss ein Auftritt von Justin Bieber: In der fast zweistündigen, digitalen Veranstaltung „Stream On“ präsentierte Spotify noch weitaus mehr bekannte Gesichter. Primär war es aber ein opulent gemachter Rundumblick auf die eigenen Geschäfte, Ambitionen und diverse Neuheiten. Zu Beginn von Chef Daniel Ek nur angedeutet, kam die größte Nachricht dramaturgisch passend erst kurz vor Schluss: Spotify startet in 85 neuen Märkten.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter den Märkten in Afrika, Lateinamerika, Europa oder Asien sind beispielsweise Pakistan, Nigeria und Sri Lanka. Alle zusammen repräsentierten mehr als eine Milliarde Menschen, hieß es. Mit dem Launch in den kommenden Tagen würden auch 36 weitere Sprachen hinzugefügt. Erst Anfang Februar war Spotify in Südkorea, dem laut Branchenverband Ifpi sechstgrößten Markt der Welt für Musikaufnahmen gestartet. In Folge der weiteren Expansion wird der Dienst künftig in 178 Märkten verfügbar sein.

          Hifi-Abo soll kommen

          Im Laufe des Jahres will Spotify zudem „in ausgewählten Märkten“ ein Hifi-Abo einführen, das „CD-Qualität“ bieten soll. Ein Preis wurde nicht genannt. Sowohl der kleinere Konkurrent Deezer, als auch Amazon verfügen schon über ein Hifi-Angebot, das in Deutschland jeweils 14,99 Euro, beziehungsweise 12,99 für Amazon Prime-Kunden kostet. Auch die Dienste Tidal und Qobuz bieten eine bessere Tonqualität an. 

          Spotify steht Stand Ende 2020 bei 155 Millionen Abonnenten und  345 Millionen monatlich aktiven Nutzern. Apple Music kommt nach Zahlen aus dem Juni 2019 auf 60 Millionen Abonnenten. Amazon meldete Anfang 2020 55 Millionen zahlende Nutzer. Beide bieten keine vergleichbare kostenfreie Variante mit geringerer Ton-Qualität und Werbeunterbrechungen an. Insgesamt sind bei Spotify und den Diensten der Tech-Konzerne heute mehr als 70 Millionen Songs verfügbar. Eine kostenfreie Version von Amazon Music ermöglicht lediglich den Zugriff auf rund zwei Millionen Songs.

          Das Streaming habe der Musikindustrie nach Jahren des Schrumpfens nicht nur neues Wachstum beschert, sondern auch die Eintrittsbarrieren für Künstler massiv gesenkt, sagte Daniel Ek. Der Spotify-Chef betonte zudem abermals, dass es Spotifys Ziel sei, einer Million Künstlern zu ermöglichen, alleine von ihren Einnahmen über Spotify leben zu können. Weiter hieß es, dass nunmehr auf 57.000 Künstler 90 Prozent aller Streams in einem Monat abfallen – eine Vervierfachung innerhalb von sechs Jahren. Gleichwohl steigt auch die Zahl derer, unter denen der Kuchen verteilt wird, stetig. Laut Ek waren Ende 2020 acht Millionen „Creators“ auf Spotify zugegen, eine Zahl, die bis 2025 auf 50 Millionen wachsen könne. Zudem werden täglich 60.000 neue Songs auf Spotify hochgeladen.

          Die Gesamtzahl der Streams ist maßgeblich für die Höhe der Ausschüttungen an die Rechteinhaber der Werke. Insgesamt waren es Spotify zufolge 2020 mehr als 5 Milliarden Dollar. Wie viel hiervon letztlich bei Interpreten und Songwritern ankommt, hängt indes von den Verträgen mit Labels und Verlagen ab. An der Auszahlungslogik und an der Verteilung der Tantiemen zwischen Künstlern und ihren Partnern gibt es immer wieder Kritik. Der Wegfall der für viele Musiker enorm wichtigen Live-Einnahmen in Folge der Pandemie hat diese nochmals befeuert.

          Obama und Springsteen bekommen Podcast

          Mit Blick auf das Gebiet Podcasts, auf dem Spotify in den vergangenen Monaten viel Geld für Übernahmen von auf Vermarktung oder Produktion spezialisierten Unternehmen ausgegeben hat, wurde unter anderem ein neues Tool zur Platzierung von Werbung „auf und abseits von Spotify“ angekündigt. Außerdem soll es eine Partnerschaft mit Wordpress geben, um Bloggern zu helfen ihre Texte in Podcasts zu packen. Testweise sollen einzelne Podcaster überdies bald gesonderte Bezahlinhalte über die Spotify-App anbieten können.

          Spotify Technology SA

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Gut 2,2 Millionen Podcasts gibt es derzeit auf Spotify, darunter 50.000 deutschsprachige Formate. Eine Steigerung der Werbeeinnahmen, die bislang nur rund 10 Prozent des Spotify-Umsatzes ausmachen, ist ein Ziel der teuren Podcast-Offensive. 7,9 Milliarden Euro standen 2020 insgesamt zu Buche. Der Verlust belief sich auf 581 Millionen Euro.

          Der starke Fokus auf Podcasts liegt aber auch darin begründet, dass Spotify zwei Drittel bis 70 Prozent seiner Einnahmen an die Rechteinhaber der Musik abtritt. Ein wachsender Anteil an Podcast-Hörern macht das schwedische Unternehmen folglich unabhängiger von der Musikindustrie. Exklusive Podcasts mit prominenten Hosts sollen Spotify zudem von der Konkurrenz abgrenzen, da der Musikkatalog der Dienste größtenteils gleich ist. Das neueste Star-Team wurde auch gleich bekanntgegeben: Obama und Springsteen. Ihr Podcast wird „Renegades: Born in the USA“ heißen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer noch beliebt bei der Basis – Donald Trump, hier als Figur in Gold.

          Konferenz der Konservativen : Will Trump 2024 wieder antreten?

          Donald Trump hält die erste Rede nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus. Auf einer Konferenz der Konservativen geht es um den Führungsanspruch bei den Republikanern. Wird es der Startschuss für sein Comeback?
          Die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim, hier auf ihrem YouTube-Format „maiLab“.

          Mai-Thi Nguyen-Kim im Gespräch : Lager bilden hilft nicht

          Wir brauchen ein besseres naturwissenschaftliches Grundwissen, um uns gegen Desinformation zur Wehr zu setzen. Ein Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.