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Macht im Musikgeschäft : Die Spotify-Diktatur

  • -Aktualisiert am

Der Berliner Musiker Capital Bra, 24 Jahre alt, verdient mit derben Reimen viele Millionen. Bild: Picture-Alliance

Die Macht über die Musik wird neu verteilt. Streamingdienste wie Spotify bestimmen, was wir hören. Dadurch werden die Lieder immer kürzer, eintöniger und billiger.

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          Sie haben ihm ein Denkmal gebaut. Der Musikdienst Spotify glorifiziert Gangster-Rapper Capital Bra. Was auch alles gegen seine prolligen Reime spricht, wie sehr er gegen Frauen, Polizisten und den Rechtsstaat pöbelt – Jugendliche hören seine Lieder in Dauerschleife. In der deutschen Musikwelt hat das den Berliner Rapper innerhalb weniger Jahre nach ganz oben katapultiert. Er, der das R rollt wie kein Zweiter, hat hierzulande mehr Nummer-eins-Hits als die Beatles geschafft. So huldigt Spotify dem 24 Jahre alten Capital Bra, bürgerlich Vladislav Balovatsky, und hat dessen Bildnis überlebensgroß an einer Hauswand in der Hauptstadt anbringen lassen. Und das nicht ohne Grund: Mit 35 Millionen Streams seines Albums innerhalb einer Woche stellte er einen neuen Rekord in Deutschland auf. Insgesamt ist er mit 1,4 Milliarden Abrufen der meistgestreamte Künstler des Landes und erhält mehrere Millionen Euro an Tantiemen von Spotify, dem Platzhirsch im Musikstreaming.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sosehr Spotify auch von Capital Bra profitieren mag, für den Künstler ist das Geschäft mit Spotify noch wichtiger. Welchen Einfluss der Dienst auf das Musikgeschäft hat, zeigte sich Anfang des Jahres: Als Capital Bra mit der Single „Prinzessa“ wie selbstverständlich auf Platz 1 der deutschen Charts spazierte, musste er ohne die Hilfe von Spotify auskommen. Das Lied fehlte in den wichtigen Playlists, die das Unternehmen selbst auswählt und die mitunter Millionen Hörer haben. Vermutlich störte sich Spotify in diesem Fall an der mangelnden Abstimmung über das Erscheinen des Songs. Wie auch immer: Ohne die Schützenhilfe des Musikdiensts schaffte er weniger Abrufe – mit finanziellen Folgen. Capital Bra sprach von fast einer Million Abrufen durch bezahlte Nutzer am ersten Tag. Das ist eine ordentliche Zahl, die jedoch mit dem Auftauchen in den entscheidenden Playlists wohl 50 Prozent höher gelegen hätte.

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