https://www.faz.net/-gqe-9yz9h

Revidierte Vorausschau : Softbank erwartet jetzt Verlust von 7,8 Milliarden Euro

Softbank-Gründer Masayoshi Son Bild: Reuters

Das Debakel um den Büroraumvermieter Wework kommt Japans Softbank Group noch teurer zu stehen als bekannt. Der Tech-Investor schreibt seine Interessen in dem amerikanischen Unternehmen nun um 6 Milliarden Euro ab.

          2 Min.

          Der japanische Technologieinvestor Softbank Group verbucht weitere Abschreibungen auf seine finanziellen Interessen am amerikanischen Büroraumvermieter Wework. Softbank bezifferte die Wertberichtigungen in Wework am Donnerstag mit insgesamt 700 Milliarden Yen (6 Milliarden Euro). In der revidierten Vorausschau auf das Ergebnis des im März beendeten Geschäftsjahres erwartet Softbank nun einen Verlust von 900 Milliarden Yen (7,75 Milliarden Euro) oder 150 Milliarden Yen mehr als noch vor drei Wochen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die gesenkte Verlustvorschau verdeutlicht, wie sehr Softbanks Milliarden-Investitionen in Wework auch unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf den Investor zurückfallen. Softbanks Gründer Masayoshi Son hatte Weworks rasante Expansion finanziell begleitet und forciert. Nach dem missglückten Börsengang des Immobilienunternehmens im vergangenen Herbst investierte Softbank in ein mehr als 5 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) schweres Paket, um Wework herauszupauken. Dazu gehörten unter anderem 2,2 Milliarden Dollar Schuldscheine und eine Kreditlinie von 1,75 Milliarden Dollar. Die Neufestsetzung der fairen Bewertung dieser Kreditzusagen und finanziellen Garantien ist nach Angaben von Softbank der Grund für die korrigierte Vorausschau des eigenen Verlustes.

          Softbanks finanzielle Interessen in Wework belaufen sich insgesamt auf 14,3 Milliarden Dollar. Doch hatte das Unternehmen Anfang April eine Zusage zurückgezogen, Aktien von Wework im Wert von 3 Milliarden Dollar zu kaufen.

          SOFTBANK

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Weworks Geschäftsmodell der Vermietung von teils gemeinsam genutztem Büroraum an hippe Jungunternehmer der Internetökonomie war von Beginn an Zweifeln ausgesetzt. Mit den Auflagen zur sozialen Distanzierung in großen Volkswirtschaften zur Bekämpfung der Pandemie kommt Wework weiter unter Druck, weil die Devise nun Heim- statt Gemeinschaftsbüro lautet.

          Die neuen Wertberichtigungen sind unabhängig von dem fast 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) schweren Vision Fund, mit dem Softbank in den vergangenen Jahren das Feld der Investoren in junge Unternehmensgründungen im Technologiebereich durcheinandergewirbelt hatte. Für diesen zu einem großen Teil von Saudi-Arabien finanzierten Fonds hatte Softbank vor drei Wochen eine Wertberichtigung der Anlagen von etwa 1,8 Billionen Yen (15 Milliarden Euro) vorab angekündigt. Die jetzt erwarteten zusätzlichen Wertberichtigungen auf Wework spiegeln sich in der Gewinn- und Verlustrechnung der Softbank Group als nicht-operativer Bewertungsverlust wider. Das operative Minus erwartet Softbank unverändert mit 1,35 Billionen Yen (11,6 Milliarden Euro).

          Trotz der Warnung vor dem größeren Verlust lag die Aktie von Softbank Group am Donnerstag teilweise mehr als 3 Prozent im Plus, gab danach aber Zugewinne ab und schloss bei 4633 Yen und 0,5 Prozent im Plus. Zu der positiven Reaktion an der Börse trug bei, dass nach Einschätzung von Analysten Softbank mit der jüngsten Wertberichtigung wohl keine weiteren größeren Verluste aus Wework drohen. Die Aktie von Softbank Group hat sich nach einem Tief am 19. März um mehr als 70 Prozent erholt. Als Grund dafür wird vermutet, dass das hoch verschuldete Unternehmen mit Aktienverkäufen und der Ankündigung, sich von Teilen seiner Anlagen zur Verringerung der Schuldenlast zu trennen, Vertrauen zurückgewonnen hat. Softbank Group wird den Jahresabschluss für das im März beendete Geschäftsjahr am 18. Mai vorlegen.

          Weitere Themen

          Das Ende des amerikanischen Abenteuers

          Softbank Group : Das Ende des amerikanischen Abenteuers

          Die Softbank Group verkauft Aktien im Wert von etwa 21 Milliarden Dollar an T-Mobile, der amerikanischen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Mit dem Rückzug aus Amerika will der japanischen Konzern seine finanzielle Basis zu stärken.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.