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Deal mit Brüssel : So will Amazon eine Kartellbuße in Milliardenhöhe abwenden

Beobachtet die Geschäftspraktiken von Amazon seit Jahren: Die EU-Kommissarin für Wettbewerb Margrethe Vestager Bild: AP

Der Internethändler macht der EU-Kommission weitreichende Zugeständnisse und will so die Bedenken der Wettbewerbshüter ein für alle Mal ausräumen.

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          Zwei EU-Kartellverfahren gegen den amerikanischen Internethändler Amazon enden voraussichtlich im Einvernehmen, also ohne Kartellbuße. Der Konzern hatte der EU-Kommission Anfang Juli Zugeständnisse angeboten, die deren Wettbewerbsbedenken ausräumen sollen. Die EU-Behörde hat den Inhalt der Amazon-Vorschläge am Donnerstag veröffentlicht. Sie unterwirft diese nun einem sogenannten Markttest, ruft also die von den dem Konzern vorgeworfenen Wettbewerbsbeschränkungen betroffenen Unternehmen, aber auch Verbraucherverbände zur Stellungnahme auf. Diese müssen bis zum 9. September in Brüssel eingehen.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die EU-Kommission hatte 2019 ein erstes Verfahren gegen Amazon eröffnet und dem Konzern vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Besonders missfiel der Behörde die Doppelrolle des Unternehmens als Verkaufsplattform und Einzelhändler. Als Marktplatz-Dienstleister für unabhängige Händler habe Amazon umfangreichen Zugang zu deren nichtöffentlichen Geschäftsdaten, beanstandete die Kommission. Diese Daten gingen direkt in Amazons automatisiertes Einzelhandelsgeschäft ein. Dort würden sie genutzt, um die Endkundenangebote des Unternehmens und seine strategischen Geschäftsentscheidungen „auszutarieren“. Das benachteilige die anderen Verkäufer. Diese Nutzung der Verkäuferdaten für sein eigenes Einzelhandelsgeschäft will Amazon nun komplett abstellen.

          AMAZON.COM INC. DL-,01

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          Ein zweites, im November 2020 eröffnetes Verfahren betrifft den Verdacht, Amazon bevorzuge – über seine „Buy Box“ und sein Verkaufsmodell „Prime“ – die eigenen Angebote gegenüber jenen anderer Anbieter. Diesen Verdacht habe Amazon bestätigt, teilte die Kommission mit. Das Unternehmen habe zugesagt, künftig alle Verkäufer in der Rangfolge ihrer Angebote für die „Buy Box“ auf seiner Website, die den Großteil seiner Verkäufe generiert, gleich zu behandeln. Fremden Anbietern auf „Prime“ will der Konzern künftig gleiche Konditionen einräumen. Diese dürfen zudem selbst entscheiden, welche Unternehmen ihre Waren zustellen.

          Eine endgültige Entscheidung will die EU-Kommission nach Auswertung der Stellungnahmen im Herbst treffen. Ob Amazon seine Zusagen auch einhält, müsste ein von der Wettbewerbsbehörde beauftragter Treuhänder überwachen.

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