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Snapchat-Kommentar : Der Patient lebt

  • -Aktualisiert am

Beim Börsengang 2017 ging es der Snap Inc. noch besser. Gründer Evan Spiegel (m.) hatte gut lachen. Bild: dpa

Snapchat verbrennt weniger Geld und verliert keine Nutzer mehr. Ob das Unternehmen aber eigenständig bleiben kann, ist weiter ungewiss.

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          Snapchat lebt. Die Snap Inc, das Unternehmen hinter der Fotoapp, befindet sich jedoch nach wie vor auf der Intensivstation. Der Zustand ist kritisch, doch – um in diesem Bild zu bleiben – der Patient erholt sich offenkundig. Langsam.

          Vor einigen Monaten war das Überleben noch ungewisser. Übernahmespekulationen machten die Runde. Als der potente Internetkonzern Amazon eine Partnerschaft mit Snapchat einging, sahen manche ihn als wahrscheinlichsten Investor.

          Wie sehr sich der Zustand des Patienten verbessert hat, zeigt ein Zahlenvergleich: Im Jahr 2017 waren die Kosten noch fünfmal so groß wie der Umsatz. Für jeden Euro, den das Unternehmen damals eingenommen hatte, hatte es also fünf Euro ausgegeben. Im vergangenen Jahr 2018 waren dafür nur noch zwei Euro nötig. Die Kosten sind also „nur noch“ doppelt so groß wie der Umsatz.

          Jedes Kind und jeder Kaufmann weiß, dass das immer noch kein Geschäftsmodell ist, das nachhaltig trägt. Doch immerhin: Der Nutzerschwund scheint gestoppt. 187 Millionen Nutzer, die nun täglich aktiv sind, sind sogar etwas mehr als im Vorquartal.

          Dass sich das Unternehmen finanziell stabilisiert, liegt aber vor allem an einem strikten Sparkurs. Die Bilanz zeigt: Die Investitionen in Forschung und Entwicklung haben sich halbiert, die Verwaltungskosten sind um zwei Drittel gesunken. Der Verlust betrug im Jahr 2017 noch 3,5 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr „nur“ noch 1,2 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um beinahe die Hälfte auf 1,2 Milliarden Dollar.

          Snapchat-Gründer und Geschäftsführer Evan Spiegel macht entsprechend auch gut Wetter: „Wir sind der Profitabilität deutlich näher, weil sich unsere Kosten in den vergangenen fünf Quartalen relativ flach entwickelt haben, während der Umsatz um 43 Prozent gestiegen ist.“

          Während die Entlassung Snaps aus der Intensivstation nun womöglich näher rückt, ist weiterhin aber eine Möglichkeit ganz sicher nicht auszuschließen: Dass das Taxi vom Krankenhaus dann doch von einem der großen Tech-Konzerne bezahlt wird.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

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