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Smart City : Wenn die Terminvergabe im Netz schon als Fortschritt gilt

  • -Aktualisiert am

Warten im Bürgeramt im Rathaus Bild: dpa

Viele Hindernisse liegen auf dem Weg zur „Smart City“. Doch Entscheider in den Städten und kommunalen Unternehmen finden nach einer neuen Umfrage auch eine Abkürzung.

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          Die Corona-Pandemie hat auch offenbart, an welchen Stellen die Städte in der Digitalisierung zurückliegen. Wenn der Behördenbesuch unterbleiben soll, um weniger in die Nähe anderer Menschen zu kommen, bleibt immer noch der digitale Gang als Alternative. Aber dafür sind die Verwaltungen vielerorts nicht bereit. Schon die Terminverwaltung im Internet gilt dann als Innovation. Bürger, Mitarbeiter und Kommunen können durch Digitalisierung viel einsparen. Um allerdings das Bild der „Smart City“ in der Wirklichkeit umzusetzen, braucht es mehr Anstrengung. Nach einer neuen Studie fehlen hierzu vor allem Geld und Personal.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Staatliche Fördermittel sind bisher entweder zu gering oder passen nicht zum Bedarf, sagen Entscheider in Kommunen, kommunalen Unternehmen und privaten Dienstleistern. Für eine Analyse der Smart-City-Strategien in den Städten und Gemeinden hat der Leipziger Ökonom Oliver Rottmann mit Kollegen ausführlich 25 Fachleute aus der kommunalen Praxis in Deutschland und Österreich befragt. „Die Genehmigungsverfahren sind zu langwierig, die Förderkulisse ist kompliziert, und in den Kommunen gibt es Personalengpässe“, sagt Rottmann, Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig.

          Als Smart City soll eine Gemeinde ihre Dienstleistungen digitalisieren, Mobilitätsangebote vernetzen und etwa öffentliches Internet via W-Lan oder eine Parkplatzreservierung via App ermöglichen. Auf dem Weg dahin findet sich in der Studie allerdings auch eine Abkürzung: Demnach helfen Kooperationen zwischen Kommunen und auch öffentlich-private Partnerschaften. Schließlich finden sich durchaus einzelne digitale Anwendungen in den Gemeinden.

          Hamburg liegt als Digitalstadt vorn

          Aber es fällt auch auf, dass jede Stadt zu oft für sich selbst tätig werden will, statt auf genutzten Programmen aufzubauen. In einer Smart-City-Rangliste der Unternehmensberatung Haselhorst Associates liegt Hamburg auf Platz eins mit einem Digitalisierungsgrad von 45 Prozent vor Köln, München, Darmstadt und Wolfsburg. Alle anderen erreichen weniger als ein Drittel der möglichen Punkte. Auch das Smart-City-Ranking des Wirtschaftsverbandes Bitkom zeigt viele Unterschiede zwischen den Großstädten.

          Die Leipziger Untersuchung zählt als Erfolgsfaktoren für die digitale Stadt auf, dass die Mitarbeiter geschult und die Bürger eingebunden sein sollten. Die Ökonomen wollen Anfang Dezember die Studie veröffentlichen, die der F.A.Z. vorab vorliegt und die diese mit der Berliner Beratungsgesellschaft PSPC in Kooperation mit mehreren Verbänden und Unternehmen erstellt haben.

          Ein bekanntes Hindernis des digitalen Lebens bringt die Studie wieder ans Licht: Wesentlich für den Einsatz der Smart City sei ein flächendeckender Breitbandausbau. „Der demographische und strukturelle Wandel trifft besonders den ländlichen Raum“, sagt Rottmann. „Wir brauchen Breitbandanschlüsse, um eine ausreichende Versorgung zu sichern und smarte Infrastruktur zu entwickeln.“ Neben komplizierten Verfahren sieht er Engpässe in den Kommunen und im Tiefbau für den Breitbandausbau. „Stadtwerke und private Strom- und Energieversorger müssen darüber nachdenken, selbst Baukapazitäten für schnelle Internetleitungen aufzubauen.“

          Wie lange Kommunen auf ihre Digitalisierung warten, hat gerade die Digitalisierungsstrategie der Stadt Frankfurt gezeigt. Da soll es zweieinhalb Jahre bis zu einer App brauchen, die Besucher von Großveranstaltungen staufrei über die Straßen lotst. Vier Jahre dauert es, bis sich Leser in einer Stadtbücherei rund um die Uhr und allein Bücher abholen können. Fünf Jahre benötigt eine Datenbank für ein besseres Management der stadteigenen Gebäude oder der Straßen und Wege. Für viele dauert das zu lange. Wenn Städte hier zusammenarbeiten und bestehende Angebote nutzen, sollte das auch schneller gehen.

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